Kein Voran im Job? Wecken Sie Ihr aggressives Ich!

­Wer von einem aggressiven Kind oder ­Erwachsenen spricht, stigmatisiert diesen immer negativ. Dabei gehört die Aggression notwendigerweise zu uns Menschen und hat auf evolutionsbiologischen ­Zusammenhängen beruhende Ursachen. Libido und Tanatos – die Fähigkeit zu lieben und die Fähigkeit zu zerstören – sind in uns. (Foto: Colourbox)
Erfurt: Freund HRC |

Sie lassen sich permanent die Wurst vom Brot nehmen? Selbst schuld! Das Gute siegt nur im Märchen.

Wer glaubt eigentlich daran, um es mit Goethe zu sagen, dass auf der Karriereleiter ausschließlich „das Wahre, Schöne und Gute“ nach oben gelangt? Viele Menschen würden eher das Gegenteil behaupten und ausreichend Beispiele aus der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft für ihre Aussage benennen.

Woran liegt es, wer ist schuld daran, wenn hemmungslose Karrieristen mit hartem Ellbogeneinsatz in Positionen gelangen, wo sie nicht hingehören? Die Antwort ist simpel: Die Guten sind schuld! Sie sind nicht aggressiv genug, um gegenzuhalten.

Wieso ist Aggression negativ besetzt?


Um dies zu erläutern, müssen wir uns einmal mit dem Begriff Aggression beschäftigen. Leider ist durch Bildung und Erziehung in den vergangenen Jahrzehnten der Begriff ausschließlich negativ besetzt worden. Doch dies ist so vereinfacht nicht richtig. Der Begriff „Aggression“ aus dem Lateinischen (heranschreiten; sich nähern; angreifen) ist ein in Tieren und Menschen verankertes, biologisch fundiertes Verhaltensmuster zur Verteidigung und Gewinnung von Ressourcen sowie zur Bewältigung potenziell gefährlicher Situationen.

Aggression ist auch ein wesentlicher Teil unseres Ur-Reflexes der unterbewussten Entscheidung zwischen Angriff und Verteidigung. Wenn auf einen Vorfahren ein wildes Tier zugerannt kam, blieb nicht viel Zeit, um zu entscheiden, ob er sich ihm entgegenstellt oder lieber auf den nächsten Baum klettert. Auch heute noch laufen viele Prozesse im Gehirn unterbewusst ab. Wir wären aufgrund der Reizüberflutung schlichtweg mit den Aufgaben der Sinneswahrnehmung und Bewegungskoordination überfordert.

Wie du mir, so ich dir!



Auf der anderen Seite gibt es für Aggression selbstverständlich auch soziale und von der Umwelt ausgehende Ursachen. In der aktuellen Neuropsychologie ­konnte man mit bildgebenden Verfahren nachweisen, dass unser Gehirn auf soziale ­Ausgrenzung, Demütigung sowie Armut ­genauso biochemisch reagiert, wie wenn körper­liche Gewalt angetan wird. Im Gehirn werden dabei dieselben Teile des neuro­nalen Schmerzsystems aktiviert, die normalerweise auf physischen Schmerz reagieren.

Auf Ausgrenzung, Mobbing, Entzug an Zuwendung und Anerkennung reagieren die Menschen aggressiv. Aggressivität ist Reaktion. Insbesondere aus der frühkindlichen Pädagogik weiß man längst, dass auffällige Kinder häufig eben nicht die notwendige, liebevolle Zuwendung ihrer Eltern erfahren haben.

Immer nur passiv macht krank



Im Übrigen ist Aggression nicht immer nur nach außen gerichtet. Sie kann auch eine selbstzerstörerische Wirkung (Suizid) haben beziehungsweise zu ernsten psychosomatischen Erkrankungen führen. Zahlreiche Wissenschaftler, die sich mit Aggressionsforschung beschäftigen, sprechen daher von einer positiven oder negativen Aggression.

Positive Aggression meint vor allem ein Verhalten, das dem Selbsterhalt, dem Selbstschutz und der eigenen Durchsetzungskraft dient. Es basiert auf dem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden unseres Gehirns. Wer sich permanent die Wurst vom Brot nehmen lässt, wird davon krank oder richtet seine Aggression gegen sich selbst.

Und warum? Weil wir es zulassen!



Wenn in der vergangenen Woche die AOK in ihrem aktuellen Gesundheits­bericht den Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Krankenstand darstellt, dann passt das genau in dieses ­Thema. Schlechtes Betriebsklima macht krank. Aber zu ­einer solchen Situation gehören immer zwei ­Parteien. Da sind zum einen die schlechten Führungskräfte oder Kollegen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Auf der anderen Seite stehen „die Guten“, die sich viel zu viel gefallen lassen und davon letztlich krank werden. Sie verfügen nicht über ausreichend positive Aggression oder setzen diese nicht ein.

Dies ist ein Ergebnis jahrelanger, falsch verstandener Sozialisation durch Pädagogik, Kultur, Politik und Kirchen gegen jedwedes aggressives Verhalten. In der Konsequenz führte dies zu einer sichtbaren Verweich­lichung der Gesellschaft. Somit bestätigt sich die Ursache auf unsere eingangs aufgestellte Behauptung, dass nicht immer das Wahre, ­Schöne und Gute in Positionen gelangt, die uns maßgeblich beeinflussen. Und warum? Weil wir es zulassen!
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2 Kommentare
694
Petra Wolf aus Gotha | 17.09.2016 | 10:48  
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Petra Wolf aus Gotha | 17.09.2016 | 10:50  
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