Kita-Geld statt Kohle: Darum muss es nicht immer eine Lohnerhöhung sein

Zahlst du meinen Kita-Beitrag, lieber Chef vom Vati? (Foto: Colourbox)
Erfurt: Freund HRC |

Die Freude über eine Lohn­erhöhung ist schnell getrübt, wenn erst einmal Lohnsteuer, Krankenkasse, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ihren „Anteil“ eingefordert haben. Die Steuerprogression bewirkt schlimmstenfalls, dass Sie nach der Lohnerhöhung weniger im Portemonnaie haben als davor. Aber es geht auch ­anders!

Völlig legal und ohne schlechtes Gewissen kann Ihnen Ihr Chef sachbezogene, geldwerte Leistungen zum monatlichen Gehalt zukommen lassen, die keinen Abzügen unterliegen – sich folglich brutto gleich netto auswirken. Der Gesetzgeber erlaubt zum Beispiel Tankgutscheine oder vergleichbares im Wert von 44 Euro im Monat. Wer mit Bus und Bahn fährt, kann diesen Betrag für ein Job­ticket monatlich nutzen. Der Arbeitgeber kann aber auch komplett die Tankrechnungen bis zu einem Wert von 375 Euro im Monat übernehmen. Dieser Betrag muss allerdings mit 15 Prozent pauschal vom Arbeitnehmer versteuert werden. Trotzdem günstiger, als die Tankrechnungen für alle Fahrten zur Arbeit selbst zu bezahlen.

Prepaid-Karten und Essensgeld


Die 44 Euro monatlich können aber auch für andere Sachleistungen verwendet werden – zum Beispiel Friseur­besuche, Kosmetik oder Prepaid-Handykarten. Ist es in Ihrem Unternehmen mit der Pausenverpflegung schlecht bestellt, kann der Arbeitgeber den Mitarbeitern Essensgutscheine bis zu 6,03 Euro pro Arbeitstag zukommen lassen. Das entspricht einem ­Gehaltsvorteil von über 100 Euro im Monat.

Weitere 50 Euro monatlich können Sie für Internetgebühren, die Sie für Ihren privaten Internetzugang benötigen, von Ihrer Firma bekommen. Einmal im Jahr kann Ihnen Ihr Chef zudem eine einmalige Aufmerksamkeit im Wert von 60 Euro überreichen – zum Beispiel ein Geschenk zum Geburtstag. Für den Fall, dass Sie ihm vorher einen Tipp für das Geschenk geben, ist das auch wie eine Lohnerhöhung. Haben Sie am Heck Ihres privaten Fahrzeuges einen Aufkleber von der ­Firma, so kann Ihnen Ihr Chef im Monat bis zu 21 Euro dafür bezahlen.

Bis zu 600 Euro im Jahr


Im Rahmen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Bundes­regierung über das Zollkodex-Anpassungsgesetz von 2015 die Zuschüsse für Kinderbetreuung geregelt. Danach ist die Beratung und Vermittlung von Betreuungsleistungen für Ihre Kinder abgabenfrei. Dies gilt auch für die Zuschüsse oder vollständige Übernahme der Kosten für Kindergärten, Tagesmütter, Kindertagesstätten durch den Arbeitgeber. Die damit in Zusammenhang stehenden Aufwendungen sind für den Arbeitnehmer abgabenfrei und Höchstgrenzen sind im Gesetz nicht definiert.

Einmal im Jahr kann das Unternehmen bis zu 600 Euro für eine kurzfristige Betreuung von Kindern bis zum 14. Lebensjahr beziehungsweise für die Betreuung pflegebedürftiger Angehörige übernehmen, wenn dringende berufliche Gründe dies veranlassen. Ebenfalls 600 Euro darf Ihnen der Arbeitgeber in besonderen, begründbaren Krankheits- oder Notfallsituationen zuwenden. Völlig legal ist es auch, den Mitarbeitern Waren und Dienstleistungen in Form von Belegschafts- oder Personalrabatten bis zu einem Freibetrag von 1080 Euro pro Jahr steuerfrei zu überlassen.

Steuerfreie Sportkurse


Zur Förderung der betrieblichen Gesundheit erlaubt die Steuergesetzgebung besondere Gesundheitsmaßnahmen. Rückenschulen, Kurse zur Stressbewältigung, spezielle Gymnastik, Maßnahmen zum Abgewöhnen des Rauchens, autogenes Training oder Ernährungskurse können mit bis zu 500 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr unterstützt werden. Die Übernahme der Jahresbeiträge für Sportvereine oder Fitnessstudio ist hingegen nicht steuerfrei.

Weitere steuerfreie Lohnbestandteile können in Form von Betriebsveranstaltungen (110 Euro pro Jahr und Mitarbeiter), Umzugskosten, Dienstwohnungen, Berufsbekleidung sowie Erholungsbeihilfen gewährt werden. Folgendes müssen Sie aber bei Ihrer Entscheidung für eine „geldwerte“ Lohnerhöhung beachten:

1. Alle sachbezogenen Zuwendungen müssen vom Arbeitgeber zusätzlich zu Ihrem üblichen Lohn gewährt werden. Eine Umwandlung Ihres aktuellen Lohnes in Sachleistungen ist nicht möglich.

2. Die monatlichen Beträge können nicht zugunsten ­einer einmaligen Jahreszahlung angespart werden.

3. Die sachbezogene Lohnerhöhung hat keinen Einfluss auf die spätere Berechnung Ihrer Rente und auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung im Falle einer Arbeits­losigkeit.

Wer also lieber im Hier und Heute lebt, noch nicht die Rentenpunkte hinter dem Komma im Blick hat, für den können die geldwerten Leistungen einen deutlichen Beitrag für das Mehr vom Brutto bewirken. Fragen zu den Ausführungen beantworten sicher gerne Ihr Steuerberater oder die freundlichen Mitarbeiter des Finanzamtes.
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