König oder doch nur Froschkönig? Wie wir in unserer Job-Bewerbung lügen

Wer sich um einen neuen Job bewirbt, präsentiert sich wie ein König. Doch oft entpuppt sich das Eigenlob nur als Gequake und hinter dem König steckt in Wahrheit ein Frosch. (Foto: Gabriela Neumeier/pixelio.de.jpg)
Erfurt: Freund HRC |

Stinkt Eigenlob im Anschreiben der Bewerbung oder erwarten die Arbeitgeber diese Hitparade der Schlagwörter?

Das Verfassen eines gelungenen Anschreibens im Rahmen einer Bewerbung bereitet vielen Menschen häufig Probleme. Sie tun sich damit sehr schwer, in wenigen Sätzen auszudrücken, warum sie der geeignete Kandidat für die ausgeschriebene Stelle sind. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf das ­Anliegen und die richtige Ausgestaltung eines Anschreibens eingehen.

Das Bewerbungsanschreiben verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele. Erstens hat es eine Zuordnungsfunktion. In der Betreffzeile formuliere ich exakt, auf welche Stelle ich mich bewerbe. Insbesondere bei den Unternehmen, die mehrere Stellenausschreibungen veröffentlicht haben, ist dies sehr wichtig.

Die zweite Funktion des ­Anschreibens ist die sogenannte Aufmerksamkeitsfunktion. In wenigen Sätzen muss ich als Bewerber darstellen, warum ich als Kandidat mit meiner Ausbildung, Berufserfahrung und den speziellen Kenntnissen für die ausgeschriebene Stelle ­infrage komme beziehungsweise ­besonders geeignet bin. Es geht schlicht darum, das Interesse zu schaffen, den nachfolgenden Lebenslauf und die ergänzenden Informationen zur Person aufmerksam zu studieren.

"Willst du, dass man Gutes von dir sage, sage es nicht selbst."
Blaise Pascal (1623 - 1662), französischer Religionsphilosoph und Naturwissenschaftler


Leider passiert es in der täglichen Praxis oft, dass im letzten Teil der Bewerbung mit aufgesetzt wirkenden Formulierungen besondere Persönlichkeitseigenschaften herausgehoben werden. So sind die meisten Bewerber selbstverständlich kreativ, verantwortungsbewusst, analytisch denkend, hoch­motiviert, innovativ, zielorientiert, verfügen über kommunikative Fähigkeiten und sind natürlich alle absolut teamfähig. Die „Hitparade der Schlagwörter“ (Persönlichkeits-Attribute) ist schon peinlich uniform.

Dabei kann man es den ­Bewerbern gar nicht verdenken. Formulieren doch die Personalabteilungen ähnlich uniform in ihren Stellenbeschreibungen häufig die gleichen Persönlichkeitsanforderungen als zwingend notwendig für eine erfolgreiche ­Anstellung. Es ist aber vielfach so, dass viele Bewerber im Kontext der Selbstbild-Fremdbild-Relation das Problem haben, sich gar nicht exakt einschätzen und beschreiben zu können: Entweder sie sind zu bescheiden oder schießen über das Ziel hinaus.

Fakten und keine plakativen Aussagen!


Auf der anderen Seite sind es doch Bewerbungsunterlagen! Wer will schon auf eigene Defizite und Unzulänglichkeiten aufmerksam machen. Ich habe noch nie gelesen, dass jemand nicht teamfähig oder nicht organisiert arbeiten kann. Damit wird klar, dass jeder Bewerber auf die geforderten Persönlichkeits­eigenschaften eingeht beziehungsweise sie für sich geltend macht.

Besser machen Sie es, wenn sie statt plakativer Aussagen Fakten nennen, die indirekt mit positiven Attributen besetzt sind. Ein Student zum Beispiel, der sein Studium in der Regelstudienzeit erfolgreich abgeschlossen hat, sagt damit automatisch aus, dass er zielstrebig, ehrgeizig, fleißig und engagiert ist. Wer sich ehrenamtlich betätigt, sozial engagiert ist, im Sport oder im Freizeitbereich besondere Erfolge und Engagements nachweist, der kann durch solche Aussagen positive Persönlichkeitseigenschaften auf sich projizieren. Ein Lehrling, der seine Ausbildung als Jahrgangsbester abgeschlossen hat oder von der IHK oder Handwerkskammer ausgezeichnet wurde, braucht keine weiteren Attribute. Mit Auslandsaufenthalten, besonderen Sprachkenntnissen und anderen Ereignissen lassen sich positive Verweise auf die eigene Persönlichkeit fortsetzen.

Verwenden Sie Fakten statt Floskeln! Auf maximal einer DIN A4 Seite muss es Ihnen gelingen, die notwendige Aufmerksamkeit für die gesamte Bewerbungsmappe zu erreichen und besser noch, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.
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1 Kommentar
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Joachim Kerst aus Erfurt | 13.11.2015 | 18:53  
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