Kontoführungsgebühren durch Niedrigzinsen gerechtfertigt? Bleiben oder Bank wechseln?

Häufig diskutiert in den vergangenen Wochen ist die Frage der Kontoführungsgebühren. Unter der Begründung fallender Zinsen erhöhen Banken und Sparkassen die Preise oder drohen mit "Strafzinsen".

In den Medien wird viel diskutiert, manchmal auch populistisch heiß gekocht. Als ehemaliger Banksteuerer und Experte "ohne eigene Aktien" an diesem Thema möchte ich gerne versuchen, etwas aufzuklären, einen sachlichen Blick darauf zu werfen, einige Fragen dazu beantworten und auch einige Hintergründe zu schildern.

Früher waren Konten kostenlos warum ist das nicht mehr möglich?

Bislang haben die Banken die Kontoführung ganz oder teilweise dadurch finanziert, dass sie zinsfreie oder niedrig verzinste Einlagen von Girokonten zu höheren Zinsen wieder anlegen konnten. Da die Marktzinsen nun negativ sind, fällt diese Finanzierungsmöglichkeit nun weg. Die anfallenden Kosten können auf mittlere Sicht ohne Kontoführungspreise nicht gedeckt werden.

Früher lagen Geldmarktzinsen teilweise zwischen 2 und 5 Prozent und aus der Differenz zum meist null- oder niedrig verzinslichen Girokonto konnte die Kontoführung mitfinanziert werden, also Filialen, Buchungen, Geldautomaten, Kassen usw. Wollten Banken dies weiter aus der Zinsdifferenz (Marge) tun, müssten sie schon heute deutlich negative Zinsen auf das Girokonto berechnen, was aber nur dann funktioniert, wenn Sie als Kunde weiter Einlagen auf dem Konto lassen und die "Strafzinsen" zahlen. Da dies kaum ein Kunde tun würde, bleibt nur die Alternative, die Kosten für die Kontoführung direkt in Rechnung zu stellen.

Banken verdienen doch mit Kreditzinsen weiterhin, wenn sie die Einlagen als Kredite wieder ausreichen. Warum dann Kontoführungspreise?

Das stimmt, aber die Kosten, welche für Kontoführung in Girokonten anfallen, können nicht aus Krediterträgen quersubventioniert werden. Das würde in der Praxis bedeuten, dass ein Kreditkunde die Kosten der Kontoführung eines Einlagenkunden zahlt. Die weiterhin positiven Kreditzinsen resultieren daraus, dass auch für die Kreditbearbeitung, Kreditrisiken und Eigenkapitalbildung der Bank interne Kosten anfallen, welche aus der Marge gedeckt werden müssen.

Die Banken und Sparkassen machen doch fette Gewinne. Warum dann Preiserhöhungen?

Nach der Finanzmarktkrise haben sich die Kapitalanforderungen an Banken erhöht, um Ihre Kundeneinlagen abzusichern. Dies bedeutet für fast alle Institute derzeit, dass sie verpflichtet sind Kapital zu bilden. Wollen oder müssen Institute ihr Eigenkapital stärken, dann brauchen sie diese Erträge jetzt, weil sie in Zukunft nicht mehr in dem Maße vorhanden sein werden.

Eine Bank, die Gewinn erwirtschaftet um Eigenkapital zu bilden, schützt auf diese Weise Ihre Kundeneinlagen. Hinzu kommt, dass die Ertragslage aktuell in vielen Instituten noch ganz gut sein mag, da festverzinsliche Positionen noch höhere Erträge abwerfen. Das wir aber auf mittlere Sicht nicht mehr so sein, weil auch die Festzinspositionen auslaufen und nur zu niedrigeren Zinsen verlängert werden können.

Die Banken könnten doch bei Ihren Immobilien sparen statt die Preise zu erhöhen!?

Oft sehen diese Immobilien sehr teuer aus, sind es auch. Manchmal kann man auch berechtigt darüber streiten, was nötig ist. Doch glauben Sie mir: Viele Banker können sehr gut rechnen. Insbesondere in unsicheren Zeiten sind Immobilien auch langfristig lukrative Wertanlagen. Vielleicht ist Ihr Geld manchmal besser aufgehoben, wenn die Bank es in eine eigene Immobilie werthaltig investiert als wenn sie dieses Geld stattdessen irgendwo anders in der Welt oder sogar zu negativen Zinsen anlegt. Eine Immobilie ist nicht immer nur ein Kostenfaktor, sondern auch eine Anlage, welche gerade in Zeiten niedriger Zinsen sehr sinnvoll sein kann. Tatsächlich gilt hier, dass Qualität nicht immer nur Luxus ist, sondern den langfristigen Werterhalt unterstützt.

Lohnt es sich nun, die Bank zu wechseln?

Letztlich ist nicht zu erwarten, dass sich das Preisgefüge in der Bankenlandschaft langfristig komplett verändern wird. Das bedeutet: Jede Bank muss die durch niedrigere Marktzinsen entfallenen Erträge in irgendeiner Weise ersetzen.

Dabei wird es wohl weiterhin so bleiben, dass Filialbanken mit vielen Geschäftsstellen und Automaten tendenziell etwas höhere Preise haben werden, während Online-Banken etwas günstiger sind, wobei auch viele Filialbanken günstigere Online-Kontomodelle im Angebot haben.

Sie müssen aber als Kunde weiterhin entscheiden, welchen Service Sie wünschen und was Sie dafür bereit sind zu zahlen. Dass Kontoführung durch die niedrigen Zinsen teuerer werden wird, lässt sich auf lange Sicht wohl bei keiner Bank vermeiden.
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