„Lerchen“ sind fitter

Christine Hentrich überwacht den Schlaf von ­Patienten im Schlaflabor in Apolda. Foto: Gräser
Apolda: Robert-Koch-Krankenhaus | Zu wenig Schlaf macht dick, vergesslich und schädigt das Immunsystem






Gänzlich erforscht ist er noch nicht - der Schlaf. Es ist noch nicht klar, durch welche Vorgänge im Körper Müdigkeit entsteht und warum Menschen und Tiere überhaupt müde werden. Doch dem Schlafbedürfnis kann keiner entgehen. Schlaf ist so wichtig wie Essen und Trinken. Ist er gestört, kann das zu Problemen führen.

Die Ursachen von Schlafstörungen sind sehr vielschichtig. "Äußere Faktoren können den Schlaf beeinträchtigen", sagt Dr. Sabine Scholle, Leiterin des Zentrums für Schlaf- und Beatmungsmedizin am Robert-Koch-Krankenhaus Apolda. ­"Belastungen im Beruf, Störung durch Schichtarbeit, Trennungs­ängste, Mobbing."

In einer inter­nationalen Klassifi­kation sind über 90 Krankheitsbilder zu Schlafstörungen erfasst. "Letztlich braucht der Körper den Schlaf zum Überleben", sagt Dr. Scholle. "Jeder muss einen bestimmten Schlaf­rhythmus einhalten. Es gibt bestimmte Schlafzyklen."

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„Der Körper braucht ausreichend Schlaf zum ­Überleben.“

Dr. Sabine Scholle, Leiterin Schlaflabor Apolda

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Die Abfolge von Schlaftiefen - leichter und tiefer Schlaf, Traumschlaf - wiederholt sich nachts. Kommt diese nicht zustande, ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Ein Teufelskreis - tagsüber ist man müde, zerschlagen und nachts findet man keinen Schlaf. Diejenigen, die nicht schlafen können (Insomniker) sollten ihre Schlafhygiene über­prüfen: regel­mäßige Schlafzeiten, ruhige Umgebung, Abdunkelung, Wohlfühl-Temperatur um 18 Grad. Wichtig: Vor dem zu Bett gehen keine große Mahlzeiten einnehmen, Sport am späten Abend und Alkohol meiden.

Falls man nicht einschlafen kann, nicht im Bett liegenbleiben und grübeln, sondern aufstehen und entspannende Ablenkung suchen. Und es dann noch einmal mit dem Einschlafen probieren.

Schlafstörungen sind in Deutschland weit verbreitet. Rund 30 Millionen Menschen sind davon betroffen. "Der Schlaf ist wie das Aufziehen einer Uhr. Nicht schlafen bedeutet Ungleichgewicht. Das ist so, als bliebe die Uhr stehen", sagt Dr. Scholle. Menschen die länger nicht schlafen, können zum Halluzinieren neigen. Körper und Geist sind dann nicht mehr im Gleichgewicht.

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„Ein Mensch sollte nicht weniger als vier Stunden schlafen.“

Dr. Andrea Kemper, Oberärztin Schlaflabor Apolda

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Es gibt Kurz- und Langschläfer. Die so ­genannten "Lerchen" gehen früh schlafen und sind am Morgen total fit. "Eulen" dagegen gehen sehr spät ins Bett und kommen dann früh nicht aus den Federn. Die normale Schlafzeit beträgt sechs bis acht Stunden.

Säuglinge schlafen den ganzen Tag im Vier-Stunden-Rhythmus und ­Senioren benötigen oft ­weniger Schlaf. "Ein Mensch sollte nicht weniger als vier Stunden schlafen", sagt Oberärztin Dr. Andrea Kemper. "Für die körperliche ­Erholung ist der Tiefschlaf zuständig und für die geistige Fitness ist vor allem der so genannte REM-Schlaf, der Traumschlaf, wichtig."



Schwerstarbeit im Schlaf

Im Schlaflabor des Robert-Koch-Krankenhauses in Apolda wird Schnarchern geholfen


Das Apoldaer Zentrum für Schlaf- und Beatmungsmedizin ist auf schlaf­­­­be­zogene Atmungsstörungen spezialisiert. Hierhin werden Patienten überwiesen, die an un­regelmäßigem Schnarchen mit Atemaus­setzern leiden.

Der Schlafrhythmus ist dabei erheblich gestört und eine Tagesmüdigkeit die Folge. Die Aussetzer führen nachts zu einer "Aktivierung" und der Schlaf wird unterbrochen. Da die Muskelkraft in der Nacht abnimmt, kommt es im Bereich der oberen Atemwege zu einem Zusammenfallen des Gewebes. Um das wieder aufzudrücken, muss der Be­troffene im Schlaf Schwerstarbeit leisten. Er kämpft um Luft. Blutdruck und Herzfrequenz können steigen. Folge: Ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko.

Im Schlaflabor werden Schlafstruktur, Atmung, Herzschlag, Sauerstoffgehalt im Blut und das "Zappeln" der Beine aufgezeichnet. Als ­Dauer-Therapie bleibt meist das Tragen einer Maske während des Schlafs. Mittels individuellen Überdrucks werden die oberen Atemwege offen gehalten.


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Hintergrund

• Insomnie = Schlaf­losigkeit, Hypersomnie = über­mäßiges Schlafen
• Zirkadiane Schlafstörungen: verursacht durch Schichtarbeit oder Jetlag, also unübliche oder unterbrochene Schlafzeiten
• Parasomnien: Schlafwandeln oder andere Störungen des Schlafes wie Albträume, nächtliches Aufschrecken oder Zähne­knirschen
• Restless-Legs-Syndrom: schlafbezogene Bewegungsstörung - unruhige Beine
• Das Gehirn ist im Schlaf außerordentlich aktiv. Es hat nur keinen direkten Kontakt zur Umwelt.
• Ältere Menschen sind tagsüber oft nicht ausge­lastet. Sie überschätzen ihr Schlafvermögen. Besser ist für sie, mittags nicht zu ruhen und am Tag aktiver zu werden, um am Abend die nötige Bettschwere zu haben.
• Als Folge von Übergewicht treten oft schlafbedingte Atmungs­störungen auf. Fett setzt sich auch im Hals an. Der Luftweg wird enger und schließt sich bei Muskelerschlaffung in der Nacht schneller. Die Rückenlage ist besonders gefährlich - wie auch alles, was die Muskeln zusätzlich entspannt: Alkohol und Schlafmittel.
• Bei schnarchenden Säuglingen können Entwicklungsprobleme auftreten.
• Ängste im Kindergarten oder eine zu hohe Belastung in der Schule können Schlafprobleme verursachen. Auch erhöhter Computerkonsum führt zu unruhigem Schlafen. Jugendliche unterschätzen oft die Notwendigkeit einer ausreichenden Nachtruhe.
• Jahrzehntelange Schichtarbeit hinterlässt ihre Spuren. Das ist mit zunehmenden Lebens­jahren immer schwieriger zu handhaben. Ein Schlafdefizit ist vorprogrammiert.
• Fahrtauglichkeit: Menschen mit Schlafstörungen sind fahruntauglich. Mit Tagesmüdigkeit gehört man nicht ans Steuer.
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3 Kommentare
Michael Steinfeld aus Erfurt | 21.01.2011 | 13:06  
Thomas Gräser aus Erfurt | 21.01.2011 | 13:34  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 26.01.2011 | 02:52  
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