Lesestoff für Flüchtlingskinder - Integration durch Literatur. Richard Schäfer sammelt für Kinderbücher.

Kinderbücher statt Geburtstagsgeschenke: Richard Schäfer setzte das Geld, dass er zum 65. Geburtstag bekomme hat, in mehrsprechige Bücher um. Fotos: Heyder
 

+Statt sich nur feiern zu lassen, verwendet Richard Schäfer alles Geburtstagsgeld vom 65. (rund 300 Euro) dafür, um mehrsprachige Bücher für Flüchtlingskinder an die Bibliothek zu spenden +

Als Lese-Opa kennenRichard Schäfer die Kinder zweier Kindergärten, dort liest er vor, um die Kleinen für Bücher, Geschichten und vor allem für das Lesen zu begeistern.
Andere Erfurter ­wiederum wissen nicht, wie der ehe­malige Lehrer aussieht, kennen aber seine Stimme aus einer seiner Sendungen auf Radio F.R.E.I..
Eigentlich ist Richard Schäfer bereits Rentner. Nur Stille halten kann er nicht. Auch zu seinem 65. Geburtstag hat er sich nicht einfach nur feiern lassen, sondern etwas auf die Beine gestellt. AA-Redakteur Axel Heyder sprach mit ihm.

Andere freuen sich über Geschenke, wie war das zu Ihrem Geburtstag?

Ich habe Familie und ­Freunde gebeten, mir Geld für Bücher zu schenken. Damit habe ich für die Kinder- und Jugendbibliothek zweisprachige Bücher und Spiele gekauft, vor allem deutsch-arabisch, deutsch-ghanaisch und deutsch-armenisch. Die sind für die Flüchtlingskinder und deren Helfer gedacht.

Was genau war ihr Antrieb dafür?

Mein Eindruck ist, dass die Kinder bei der ganzen Flüchtlingspolitik hinten runterfallen. Mein Grundgedanke war also, dass in einer Bibliothek diese Bücher für viele Nutzer dauerhaft zur Verfügung stehen und nicht einzeln gekauft werden müssen. Ich weiß zwar nicht, ob es funktioniert, aber es bietet vielleicht auch Möglichkeiten, gemeinsame Aktionen zur Integration in der Biblio­thek zu starten. Vor allem wollte ich zu Flüchtlings­kindern mit Hilfe von Büchern eine Brücke bauen und sie für die Bibliothek begeistern. Kinder brauchen Nahrung, Kleidung und sichere Unterkünfte. Aber eben auch Geborgenheit, Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten. Da können die Bücher ein Stück weiter helfen. Kinder müssen Lesen und Schreiben lernen. Wer das nicht kann, ist von der Gesellschaft ausgeschlossen. Das ist ein Beitrag zur Integration. Die Bücher sollen zudem ein Willkommensgruß sein, der signalisiert: Wir helfen euch.

Wie kommt man an solche Bücher?
Das war nicht ganz so einfach. Die Bibliothek hat mir bei der Auswahl geholfen. Da der Buchhandel solche Bücher nicht am Lager hat, musste fast jedes Buch einzeln bestellt werden. Einige Exemplare kommen erst noch. Durch eine meiner Radiosendungen kannte ich den Verlag Dorise aus dem thüringischen Kersp­leben, die mit der «Anna und Achmed» eine schöne Reihe ­solcher Bücher im Programm haben.

22 Bücher und zwei Spiele sind ein Anfang, aber reicht das aus?
Ich würde mich freuen, wenn mein Beispiel Schule macht und sich weitere ­Bürger anschließen. Dann kann vielleicht jede Biblio­thek in Orten, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, ein mehrsprachiges Buchangebot vorhalten.

Wie sieht es in Thüringen aus?


·In Nordhausen wird die Stadtbibliothek zum Lernort. Hier führt die Petersbergschule den Deutschunterricht für jugendliche Migranten durch. «Neben Arbeitsheften und Wörterbüchern kamen auch Lernspiele in den Bestand. Ein großer Kreis von ehrenamtlichen Helfern betreut den Unterricht in kleinen Lerngruppen», sagt Bibliotheksleiterin Hildegard Seidel. Aus Afghanistan und Albanien kommen oft Kinder, die nicht lesen und schreiben können und noch nie eine Schule besucht haben. Deshalb sind Einzelbetreuung und spielerisches Herangehen nötig. Die Bibliothek verfügt über englische, russische und französische Bücher. «Notwendig wären noch Materialien für den Grundschulbereich und für Erwachsene», betont die Leiterin. Über Spenden von Lernmaterialien würde man sich freuen. Denn Wörterbücher sind oft vollständig ausgeliehen.

·Die Bibliothek in Jena führt 38 Sprachkurse in Buchform und Wörterbücher in arabischer oder arabisch-deutscher Sprache. «Zudem bieten wir vier CDs und CD-ROMs an, die arabischen Muttersprachlern das Deutschlernen ermöglichen. Auch in unserer Kinderbuchabteilung sind arabisch-deutsche Geschichten in neun Büchern zu finden. Wir bemühen uns unseren Bestand beständig zu erweitern», sagt Mitar­beiterin Angela Schubert.

·Die Stadtbibliothek in Weimar hat einen fremdsprachlichen Bestand von rund 1800 Titeln. Darunter sind aber noch keine Bücher in arabischer oder persischer Sprache. Momentan gibt es für Flüchtlingsgruppen, die von der VHS betreut werden, Führungen durch die Stadtbibliothek. Migranten können die Angebote - wie Musik, Spiele und Kinder Bilderbücher - vor Ort nutzen. «Flüchtlingen stehen die Angebote im Haus ohne Anmeldung zur Verfügung. Das Internet ist für Besucher bis 18 Jahre kostenfrei», sagt Petra Schnabel, Direktorin der Stadtbibliothek. Eine Kooperation mit der Bibliothek der Bauhaus-Uni ist in Vorbereitung. Eine Erweiterung des Bestandes mit arabischen und persischen Titeln ist geplant. Bald wird auch die bundesweite Zeitung «Abwab» - Tür zur Welt - ausliegen.
·«Wir haben einen neuen Standort eingerichtet: Lesen leicht gemacht. Hier sind sowohl Romane als auch Werke der Weltliteratur zu finden, die verkürzt und in einem ganz einfachen Deutsch geschrieben sind. Weiterhin bieten wir Bücher und Medienboxen mit Hör-CDs zum Erlernen der deutschen Sprache an. In unserem Bestand gibt es auch Literatur in englischer Sprache», sagt Dagmar Zwikirsch, StadtbibliothekIlmenau.

·Auch die Stadtbibliothek «Heinrich Heine» in Gotha hat mehrsprachige Literatur im Bestand. So das Kinderbuch «Otto - die Spinne», mit Texten in zehn Sprachen wie Arabisch, Chinesisch, Englisch und Türkisch. Zudem gibt es das Bilderbuch «Erste 1000 Worte in Arabisch» sowie Sprachkurse auf Englisch, Arabisch, Albanisch und Kroatisch und anderen Sprachen.
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