„Menschen mit Behinderungen sind eine absolute Bereicherung für alle, die im Unternehmen tätig sind.“

Fachkräftebörse bringt Unternehmen und Auszubildende zusammen

Es wurden Bewerbungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und Praktika vereinbart. Am 9. Dezember trafen 26 Unternehmer aus verschiedenen Branchen auf 220 Auszubildende mit Beeinträchtigungen, die in der Jugendberufsförderung Erfurt gGmbH eine speziell auf sie zugeschnittene Berufsausbildung erhalten. So auch Waltraud Utterodt, Geschäftsführerin der Pumpen- und Modelltechnik GmbH Erfurt: „Ich möchte die gesundheitlichen Einschränkungen spezifiziert haben, denn wir überlegen ernsthaft eine Fachkraft einzustellen.“ Im Bereich Metalltechnik lernte sie u.a. Rick Görth kennen. Der junge Mann beendet im Sommer 2012 seine Berufsausbildung und ist mit Freude bei der Arbeit. Seine Bewerbungsunterlagen hat er gleich parat, um ein Praktikum zu vereinbaren.

„Es ist die Möglichkeit, die jungen Menschen mit Lernschwierigkeiten oder körperlichen Beeinträchtigungen am Ausbildungsplatz zu erleben und die besonderen Stärken zu sehen, jenseits von schriftlichen Bewerbungsunterlagen – die diese Veranstaltung so wertvoll macht“, sagt Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt. Gemeinsam mit der Jugendberufsförderung hatte die Arbeitsagentur die Unternehmen eingeladen. „Im Bürobereich haben sich die Unternehmen fast um die Auszubildenden gestritten. Einige Bewerbungsunterlagen mussten schnell nachgedruckt werden. Es war beeindruckend zu sehen, dass die jungen Menschen alle etwas leisten wollen und durch Kenntnisse und Fähigkeiten überzeugen“, sagt sie. Die Auszubildenden werden in der Jugendberufsförderung in den Berufsfeldern Wirtschaft und Verwaltung, Gastgewerbe, Farbtechnik, Metall- und Holztechnik sowie Hauswirtschaft ausgebildet. In den letzten Jahren beendeten über 95 Prozent erfolgreich die Kammerprüfung. Oft haben die jungen Menschen sogar bessere Prüfungsergebnisse als andere Prüflinge. Vor allem im praktischen Bereich schneiden sie sehr gut ab.

Die Stadtwerke Service GmbH hat in diesem Jahr im Rahmen der verzahnten Ausbildung bereits zum zweiten Mal einen Recyclingwerker in die betriebliche Ausbildung übernommen. Udo Bauer zeigte sich dankbar über die vielfältige Unterstützung. „Wenn man sich diesem Thema stellt, hat man viele Partner an der Seite, die helfen. Natürlich brauchen die Jugendlichen mehr Unterstützung und erhöhte Zuwendung. Uns hat die Erfahrungen eins gelehrt: Menschen mit Behinderungen sind eine absolute Bereicherung für alle, die im Unternehmen tätig sind.“ Das Unternehmen beschäftigt neben dem Recyclingwerker weitere Auszubildende mit Behinderungen.

Stefan Grund, Geschäftsführer bei Grund Gerüstbau GmbH hat seit März einen jungen Mann mit einem Grad der Behinderung von 70 Prozent beschäftigt. „Ich wurde von der Jugendberufsförderung angesprochen, da ich Personal suchte. Bei Schwerbehinderung geht bei vielen Unternehmen sofort eine rote Lampe an wegen Bürokratie und Kündigungsschutz. Doch der junge Mann, den wir eingestellt haben, ist höchst motiviert. Er ist absolut pünktlich, zeigt viel Einsatz und identifiziert sich mit dem Unternehmen. Ich bin überrascht, dass sich sein Potential so gut entwickelt. Er muss weiter gefördert werden“, sagt Grund. Das Gerüstbauunternehmen hat den Mitarbeiter im Rahmen der sogenannten „Unterstützten Beschäftigung“ eingestellt. Damit steht die Jugendberufsförderung weiterhin zur Seite. Das Unternehmen hat weniger als 20 Beschäftigte und die Kollegen waren von Anfang an über die Einschränkungen informiert. „Wichtig ist die Kolleginnen mitzunehmen. Wir haben einen Glücksgriff mit unserem Mitarbeiter gemacht. Er ist unsere Geheimwaffe und heißt intern Top gun. Und der behördliche Aufwand hält sich in Grenzen. Das ist alles machbar“, so Grund.

Auch Personaldienstleistungsunternehmen nutzten die Möglichkeit und kamen mit den zukünftigen Fachkräften ins Gespräch. Nils Heinrich von der JOB AG zeigte sich begeistert von der Motivation: „Die jungen Menschen sind hoch motiviert. Es ist sehr interessant, dass sie teilweise sogar motivierter sind als andere, die theoretisch sogar mehr erreichen könnten.“ Er sucht im Metallbereich und im kaufmännischen Bereich Mitarbeiter und nahm bereits einige Bewerbungsunterlagen mit.
Und Waltraud Utterodt ergänzt: „Ich wollte mir einen persönlichen Eindruck über diese Jugendlichen machen und gehe heute mit drei Bewerbungen für ein Praktikum und der Erfahrung nach Hause, dass nicht jede Behinderung gleich ist und die körperlichen Einschränkungen sehr verschieden sind.“
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