Mit dem Rettungshubschrauber auf Tour

Gleich geht es in die Luft.
 
Ein aufregender Tag beginnt.
"Christoph Thüringen, bitte kommen..." Kaum ist die Lautsprecherstimme verklungen, springen Mario Schwarz, Christoph Lundershausen und Dr. ­Enrico Schnabel auf. Ich klettere auf meinen Sitz, schnalle mich an und setze die Kopfhörer auf. Es wird laut. Der Intensivtransporthubschrauber vom Typ Bell 412 erhebt sich in die Luft. Ein Mädchen hat schlimme Krampf­anfälle, erklären mir die Männer während des Fluges. Die Profis sind ruhig, aber aufmerksam.

Viel Zeit bleibt nicht, die Aussicht zu genießen. In Wurzbach hat die Feuerwehr eine Wiese als Landeplatz abgesperrt. Sanft und sicher setzt Mario Schwarz den Heli auf. Notarzt Dr. Schnabel und Rettungsassistent Christoph Lundershausen rennen zur Patientin und entscheiden bald: Die Neunjährige muss sofort ins Uniklinikum nach Jena. Wahrscheinlich hat sie nach einem Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma, vielleicht sogar eine Blutung im Gehirn. Vorsichtig verfrachten die Männer das Mädchen in den Hubschrauber. Der Pilot fasst mit an, selbstverständlich. Jeder Handgriff sitzt blind. Nur Dr. Schnabel spricht, beruhigt die tapfere Kleine. Auf dem Weg nach Jena lässt er sie keine Sekunde aus den Augen. Auf dem Dach der Klinik werden wir schon erwartet.

 Der nächste Einsatzbefehl ist da, eine Schlaganfallpatientin muss aus dem Gothaer Krankenhaus ins Erfurter „Helios Klinikum“ gebracht werden. „Mit Schlaganfällen und Herzinfarkten haben wir es oft zu tun“, erzählt Rettungsassistent Christoph Lundershausen.
 Die Retter aus der Luft haben eine ruhigere Woche hinter sich. Es gibt aber auch Tage, da kommt die Besatzung kaum zum Luftholen. „Vor kurzem hatten wir einen Tag mit Einsätzen in allen angrenzenden Bundesländern“, erinnert sich Christoph Lundershausen. Bei speziellen Fällen führt die Route auch mal nach Hamburg oder bis an den Bodensee. Gerade bei Ersteinsätzen sind die Retter auch nicht davor gefeit, sich lange noch an das zu erinnern, was sie dort erlebt haben. Zum Glück können sie miteinander sprechen. Sie sind eine gute Truppe. Nach dem Reden wird es leichter.

In Gotha übernehmen wir die Schlaganfallpatientin. Dr. Schnabel macht ein besorgtes Gesicht. Es hat die Frau, die gerade einmal 49 Jahre alt ist, böse erwischt. Immer wieder wischt er ihr den Schweiß vom Gesicht. Die Trage ist direkt vor meinen Füßen festgemacht. Ich muss wegsehen.
 Wieder landen wir auf einem Klinikdach. „In Erfurt sind wir ziemlich oft, aber am häufigsten fliegen wir das Uni-Klinikum in Jena an“, erzählt Pilot Mario Schwarz. Er fliegt nicht nur seit 1991 für die „HDM Flugrettung“, sondern leitet die Station in Bad Berka. Zählen kann er seine Einsätze längst nicht mehr. Heute ist ein besonders guter Tag zum Fliegen. Doch oft muss er sich allein auf die Instrumente verlassen. Bei Nebel ist es am schlimmsten. Doch der Pilot hat seinen Bell 412 im Griff. Er absolviert im Jahr extra zwei Check-Flüge und einen am Flugsimulator. Im Einsatz fliegt Mario Schwarz zwischen 500 und 1000 Meter hoch. Dabei würde er es auf fast 7000 Meter schaffen.

In Eisenach ist ein älterer Herr an der Luftröhre verletzt. Er ist bereits narkotisiert und wird künstlich beatmet. In Jena soll ihm weitergeholfen werden. Dr. Schnabel ist in seinem Element. Er betreibt als Anästhesist eine eigene Praxis. Einmal im Monat absolviert er Notdienste im Heli. „Dieses Erlebnis möchte ich auf keinen Fall missen.“ Nachdem wir den Patienten in Jena abgeliefert haben, geht es zurück nach Bad Berka. Verschnaufen und tanken. Bis zum nächsten Einsatz...


HINTERGRUND:
• Betreiber der Station ist die „HDM Luftrettung“ in Kooperation mit dem ASB Erfurt. Die meisten Notärzte kommen vom Zentralklinikum Bad Berka.

• Die zur DRF Luftrettung gehörende HDM Luft­rettung wird vor allem für dringende Transporte von Patienten in Spezial­kliniken gerufen.

• Im Jahr 2012 wurde der Hubschrauber zu 1146 Einsätzen alarmiert, davon waren 398 Nachteinstätze.
• Der Hubschrauber wird auch in Ergänzung zum Rettungsdienst bei Notfällen als schneller Notarztzubringer genutzt.

• Zur Finanzierung ihrer lebensrettenden Arbeit ist die gemeinnützig tätige Organisation auf Förderer angewiesen.

• Informationen: www.drf-luftrettung.de oder ­www.facebook.­com/drfluftrettung
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