Mit Gestik und Mimik: Stadtführerin Katrin Koschollek zeigt gehörlosen Gästen Dom, Krämerbrücke und vieles mehr

Katrin Koschollek führt Gehörlose in kleinen Gruppen durch die Stadt. Wer es individuell mag, kann dafür auch einen elektronischen Führer nutzen – mit Erklärungen in Gebärdensprache.
Erfurt: Touristinformation | Eine Welt ohne das gesprochene Wort ist für uns Hörende kaum vorstellbar. Für die Erfurterin Katrin Koschollek ist es Alltag. Nur über die Gebärdensprache kommuniziert sie mit der Umwelt. "Ich kann damit alles ausdrücken, kann mit den Händen und meiner Gesichtsmimik reden. In der Gebärdensprache nutzen wir nur eine andere Grammatik", gibt die junge Frau zu verstehen. Somit stellen auch Stadtführungen mit Jahreszahlen, Angaben zu Baustilen oder der Beschreibung von geschichtlichen Ereignissen kein Problem dar.

Vielen Freunden hat Katrin Koschollek in den vergangenen Jahren die Erfurter Sehenswürdigkeiten gezeigt und in Gebärdensprache erklärt. Das notwendige Wissen hat sich die 36-Jährige angelesen oder hat wissbegierig Experten ausgefragt. In diesem Jahr erhielt sie gemeinsam mit weiteren sechs Gehörlosen die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Stadtführer zu machen. Dies war ein Gemeinschaftsprojekt der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH (ETMG) und des Verbandes der Gehörlosen. Das hieß für sie noch einmal, fehlende Theorie zu pauken und unter Anleitung Führungen zu absolvieren. "Die Ausbildung hat mir sehr viel Spaß gemacht". Ein Strahlen ist auf ihrem Gesicht zu sehen.

Vier Mal hat Katrin Koschollek seitdem gehörlose Gäste durch Erfurt begleitet. Maximal zehn Leute gehören zu einer Gruppe. Sie stehen an markanten Punkten im Halbkreis um die Stadtführerin herum und verfolgen gespannt ihre Erklärungen. Jeder muss sie gut sehen können, sonst ist die Gebärdensprache nicht zu verstehen, da mit Gestik und Mimik gearbeitet wird. "Ich beginne immer auf dem Fischmarkt. Weiter geht es dann über die Krämerbrücke, den Wenigenmarkt, zur Ägidienkirche und zur Alten Synagoge. Viele sehenswerte Stationen laufen wir in den zwei Stunden Führung an. Der Domplatz kommt immer zum Schluss. Danach empfehle ich den Gästen, dass es sich lohnt, noch einen Blick in das Rathaus zu werfen und dass man es auf keinen Fall verpassen sollte, die Thüringer Bratwurst oder Klöße mit Rouladen zu probieren."

Im Frühjahr wurde ein weiteres Projekt der ETMG gestartet: die Entwicklung eines Videoguides für Gehörlose. Deshalb hat Katrin Koschollek alle notwendigen Texte mit Hilfe einer Dolmetscherin in die Gebärdensprache übertragen - Satzbau und Grammatik mussten geändert werden. An nur einem Tag wurde dann der gesamte Text in Gebärdensprache vor laufender Kamera aufgezeichnet. Das war für Katrin Koschollek eine anstrengende Arbeit - die sich aber gelohnt hat. Denn jetzt haben auch Gehörlose die Möglichkeit, individuell mit einem Videoguide durch Erfurt zu gehen und dabei informative Erläuterungen via Bildschirm zu erhalten. Dieser neue Guide kann bei der Touristinformation am Benediktsplatz ausgeliehen werden.

Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an Claudia Oelze, die als Dolmetscherin für Gebärdensprache die angenehme Unterhaltung mit Katrin Koschollek ermöglichen konnte.
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