Mitgestalten: Nach dem Aufruf „Leser fragen“ antwortet jetzt AA-Geschäftsführer Maik Schmidt

Maik Schmidt, Geschäftsführer des Allgemeinen Anzeigers. Foto: Axel Heyder
 
Maik Schmidt, Geschäftsführer des Allgemeinen Anzeigers. (Foto: Axel Heyder)
Erfurt: meinanzeiger.de | Wie gehen Sie persönlich mit dem Umbruch in der Medienbranche um, Herr Schmidt?
Die Veränderungen in der Medienlandschaft stellen uns alle vor große Herausforderungen. Hierin finde ich jedoch persönlich Motivation und Antrieb für meine Arbeit. Als Geschäftsführer des Allgemeinen Anzeigers möchte ich die Voraussetzungen schaffen, dass unsere Mitarbeiter mit kreativen Ideen ein attraktives Wochenblatt gestalten, damit auch in Zukunft die Werbebotschaften unserer Kunden an nahezu alle Haushalte in Thüringen gelangen.

Unterhalten Sie sich persönlich mit Lesern und BürgerReportern über deren Vorstellungen und Wünsche zum Portal?
Zugegeben, mir bleibt wenig Zeit - allerdings informiere ich mich immer auf meinAnzeiger.de und tausche mich intensiv mit unserem Chefredakteur aus, der viele persönliche Kontakte zu unseren BürgerReportern und der Communitymanagerin Antje Hellmann hat. Ich würde das Kennenlernen aber gern nachholen, vielleicht bietet sich bei einem BürgerReporter-Treffen die Möglichkeit. Viele Kunden und Geschäftspartner nutzen ebenso bereits die Möglichkeiten, die das Portal bieten. Mit ihnen unterhalte ich mich natürlich auch des Öfteren und bekomme auch hier Feedback.

Sind Begegnungen oder Gesprächsrunden zwischen den Mitarbeitern, Redakteuren, den Lesern beziehungsweise Bürgerreportern angedacht?
Ja, denn nur gemeinsam können wir meinAnzeiger erfolgreich weiterentwickeln. Im Laufe des Jahres soll es deshalb ein vom Allgemeinen Anzeiger veranstaltetes Treffen geben.

Passieren alle Überlegungen nur innerhalb der üblichen Hierarchiestrukturen oder wird wirklich alles auf Augenhöhe angedacht und umgesetzt?
Weil ich eine Diskussion auf Augenhöhe wichtig finde, gibt es schon zum zweiten Mal diese Fragerunde -zusätzlich zum ständigen Austausch auf meinAnzeiger.de. Im besten Fall können wir viele Ideen umsetzen, wie im Anschluss an die erste Fragerunde. Hier spielen aber auch unsere Ressourcen und die fachliche Einschätzung der Mitarbeiter eine Rolle. Denn wir wollen, dass unsere Aktionen und der Abdruck von Beiträgen immer im Dienst der Leserinteressen steht - und damit auch unseren wirtschaftlichen Erfolg sichert.

Was macht Ihrer Meinung nach einen richtigen BürgerReporter aus?
Ich persönlich fasse das so weit wie möglich. Ein BürgerReporter auf meinAnzeiger.de möchte in erster Linie etwas mitteilen - eine Veranstaltung, ein schönes Foto, einen Beitrag zu einem interessanten Thema. Er geht mit wachem Auge durch seine Heimat oder möchte das Leben vor Ort aktiv mitgestalten. BürgerReporter ist aber auch, wer vor allem Stellung beziehen möchte - also Beiträge kommentiert. Es gibt auch stille BürgerReporter, die nach einer Anmeldung anderen folgen oder sich Informationen aus einem bestimmten Umkreis zusammenstellen - und die vielleicht erst später kommentieren oder schreiben. Alle sind auf dem Portal willkommen.

Wonach richten sich Ihre Kriterien, welcher Beitrag es in die Druckerei schafft und welcher nicht? Ist hier eine bestimmte Anzahl an Kommentaren wichtig, oder achten Sie eher auf Form und Schönheit von Schrift und Bild der gestalteten Beiträge?
Das wichtigste Kriterium ist natürlich immer: Ist das Thema für den Leser der Printausgabe interessant? Regt es vielleicht zur Diskussion an oder zum Mitmachen? Reden die Menschen darüber? Weckt ein Schnappschuss Emotionen oder ist er lustig und unterhaltend? Manchmal drucken wir auch nur Kommentare zu einem Thema ab, um unseren BürgerReportern eine Stimme zu geben - hier schauen wir natürlich, welches Thema die Nutzer interessiert und entsprechend kommentiert wird. Bei den Leser beliebt sind auch Bilder, die wir zu einem bestimmten Thema abdrucken, wie zum Beispiel ganz aktuell "Tiere im Winter". Form und Schönheit sind eher zweitrangig. Mir greift es aber zu kurz, die Wertschätzung der Beiträge und Bilder nur auf den Abdruck im Blatt zu reduzieren - schließlich ist meinAnzeiger mittlerweile eine bekannte Plattform, auf der sich monatlich bis zu 90.000 Menschen informieren. Wir stellen mit meinAnzeiger eine Plattform zur Verfügung, die wir mit all unseren Mitteln bekannt machen. Das hat oberste Priorität.
Auf der anderen Seite drucken wir im Blatt nur noch ausschließlich Veranstaltungstipps, die auf meinAnzeiger eingestellt werden, um das Engagement der BürgerReporter und Ehrenamtler zu würdigen und zu unterstützen.

Welches Gremium entscheidet über die Auswahl der Beiträge und der Schnappschüsse?
Die wöchentliche BürgerReporter-Seite entsteht in unserer Zentralredaktion. Hier sammelt Serviceredakteurin Iris Losinski Hinweise, beobachtet Entwicklungen auf dem Portal und schaut, welche Themen sich für einen Abdruck eignen. Auch das ist aber Teamwork: unsere Redakteure oder das Communitymanagement geben Tipps, schließlich kann niemand allein alle Beiträge und Kommentare kontinuierlich im Blick behalten. Gern können auch die BürgerReporter auf interessante Bilder, Beiträge oder Diskussionen hinweisen - das belebt den kreativen Prozess.

Kommen auch einmal BürgerReporter ins Blatt, die nicht so sattelfest sind und inwieweit wird der Text geändert, verbessert oder ganz und gar abgewandelt?
Wie schon gesagt, entscheidend sind meist Thema und Motiv. Unsere BürgerReporter sind doch keine ausgebildeten Journalisten und müssen keine perfekten Beiträge schreiben oder perfekte Bilder einstellen, um beachtet zu werden. Übernehmen wir Beiträge ins Blatt, müssen diese gegebenenfalls aus Platzgründen auch gekürzt werden. Dies übernehmen aber unsere erfahrenen und gut ausgebildeten Redakteure.

Scheut sich der AA vor kritischen Beiträgen über Steinbrüche, Atomkraft oder Landschaftspflege?
Nein, wir haben ja bereits viele kritische Themen übernommen oder Kommentare dazu abgedruckt. Unsere Aktion "meinThema" hat auch gezeigt, dass sich die Leser kritische Betrachtungen wünschen. Wir haben zum Beispiel auf drei Seiten über das umstrittene „Fracking“ berichtet.

Was halten Sie von den vereinzelt geforderten Regeln im Forum, was die Art und Weise der Veröffentlichungen betrifft?
Ich halte nichts von Vorgaben, wie unsere BürgerReporter Beiträge schreiben, Bilder beschriften oder in bestimmten Gruppen aktiv sein sollen. MeinAnzeiger ist für die meisten Nutzer ein Hobby und das soll Spaß machen und so viele Freiheiten wie möglich bieten.

Wie wichtig sind für Sie und welche Stellung erhalten die im Forum präsentierten Bilder?
Selbstverständlich sind Bilder sehr wichtig für den Nutzer und auch für mich. Sie können einen Beitrag illustrieren oder als Schnappschuss unterhalten. Wir drucken deshalb auf unserer BürgerReporter-Seite häufig Bildersammlungen aus meinAnzeiger.de. Gemeinsam mit den Beiträgen und Kommentaren sorgen sie für ein attraktives Mitmachportal.

Ist für Sie ein repräsentabler Name des Users wichtiger, als der eigentliche Wille, sich zu beteiligen?
Hier geht es nicht um Repräsentation. Der Wille, sich zu beteiligen, sollte damit einhergehen, für seine Veröffentlichungen auch zu stehen. Wir wollen echte Namen auf meinAnzeiger.de, weil dies die Voraussetzung für einen fairen und offenen Umgang miteinander ist. Ich möchte nicht, dass sich BürgerReporter hinter "Lara Croft" und "Goofy" tarnen - jeder soll wissen, mit wem er es auf meinAnzeiger zu tun hat.

Was passiert mit anonymen Usern im Portal, welche statt den Klarnamen ein Pseudonym (z.B. Meckerkatze) verwenden?
Diese Nutzer werden von unserer Communitymanagerin Antje Hellmann angeschrieben und darauf hingewiesen, dass dies ein Verstoß gegen die AGBs ist. Wir geben diesen Nutzern dann Zeit, auf die Nachricht zu reagieren. Erfolgt nach mehrmaligen Aufforderungen keine Reaktion oder stellt der Nutzer trotzdem Beiträge ein, wird er gesperrt oder gelöscht.

Gestaltung und Mitwirkung des Bürgerreporters ja - aber inwieweit sollte dieses, Ihrer Meinung nach, an Priorität gewinnen? Welche tragende Rolle erhält dies dann in der Zukunft des AA?
Ich finde es nur folgerichtig, wenn auch die BürgerReporter sich mit eigenen Ideen einbringen können - über die Mitwirkung auf dem Portal hinaus. Sehen Sie, wir haben auf meinAnzeiger viele engagierte Menschen mit kreativen Ideen, es wäre doch schade, diese nicht in unsere Überlegungen mit einzubeziehen. Sicher lässt sich nicht alles verwirklichen, aber das ist bei unseren Mitarbeitern ähnlich: Wir diskutieren täglich unsere Ideen, einige werden verwirklicht, andere verworfen oder verschoben. Ich bin der Meinung, dass dieser Prozess lebendiger wird, umso mehr Menschen daran teilhaben.

Ist es angedacht, auch einmal eine Galerie der schönsten Fotos zu veröffentlichen?
Sie meinen über die regelmäßigen Galerien auf der BürgerReporter-Seite hinaus? Ich halte das für eine gute Idee - vielleicht eine Ausgabe mit meinAnzeiger-Bildern, vorgeschlagen von den BürgerReportern selbst. Das Thema ist notiert!

Welche Themen sollen bevorzugt werden?
Keine, denn meinAnzeiger ist ja ein Mitmachportal, in dem Bürger die Nachrichten machen. Es gibt keine Themenvorgaben. Wichtig ist alles, was die Menschen in Thüringen bewegt.

Welche Glaubenssätze sind erlaubt? Gibt es auch Themen, die unangenehm sind, wie zum Beispiel Esoterik?
Nein, so lange sich ein Beitrag im Rahmen der AGBs bewegt und nicht gegen den Verhaltenskodex verstößt, ist alles erlaubt.

Wie wäre es mit einem Monatsthema wie zum Beispiel für Ostern "Schnee zu Ostern"?
Gibt es eine weitere Ausgabe nur mit Inhalten von BürgerReportern?

Ich freue mich, dass sie danach fragen. Die Ausgabe Ende 2012 hat mir persönlich nämlich gut gefallen. Auf der anderen Seite finde ich Regelmäßigkeit besser und lese deshalb gern unsere meinAnzeiger-Seite am Mittwoch. Vielleicht können wir auch zu bestimmten Themen Sonderseiten gestalten? Die besten Bilder, die meist diskutierten Beiträge, Beiträge zu Heimatthemen, Lifestyle, Ostern oder Weihnachten. Ich fände es gut, wenn bei der Ideenfindung auch BürgerReporter beteiligt sind, hierzu werden wir am besten einen separaten Aufruf starten.

Ich habe den Eindruck, dass weniger Beiträge der Bürgerreporter veröffentlicht werden. Oder ist der Anteil der Veröffentlichungen in den einzelnen Ausgabenbezirken unterschiedlich?
Wir haben jeden Mittwoch eine Seite mit BürgerReporter-Inhalten im Allgemeinen Anzeiger. Durch diese Regelmäßigkeit und den festen Platz finden mehr meinAnzeiger-Inhalte den Weg ins Blatt als vorher. In unseren insgesamt 15 Ausgaben variiert die Größe dieser Seite nur geringfügig.

Ich könnte mir vorstellen, dass "Themen der Woche" vorgegeben werden, zu denen die BürgerReporter dann schreiben.
Das sehe ich kritisch, schließlich wollen wir die BürgerReporter nicht in ein thematisches Korsett zwingen. Sie machen ja selbst die Nachrichten. In einer anderen Form praktizieren wir dies allerdings kontinuierlich: Wir rufen in der Zeitung auf, zu den gedruckten Themen mitzudiskutieren und selbst Beiträge einzustellen. So wollen wir herausfinden, welche Themen für die Nutzer wichtig sind. Geben wir Themen vor, stellen wir die Portalphilosophie "Jetzt machen Sie die Nachrichten" auf den Kopf. Dann würde die Redaktion Vorgaben machen und die BürgerReporter reagieren. Das wird der Kreativität der BürgerReporter nicht gerecht.

Man könnte jeden Monat Schnappschüsse veröffentlichen und auf eine Fotoserie durch eines der Bilder verweisen.
Dies setzen wir bereits um, sogar noch häufiger als einmal im Monat - auf unserer BürgerReporter-Seite am Mittwoch.

Könnte man in der Zeitung nicht auch auf eine meinAnzeiger-Gruppe verweisen, wodurch gezeigt werden kann, dass der mA auch gezielt ganz spezielle Interessen vertritt.
Dies ist eine gute Idee, die wir sicher auf unserer Mittwochsseite schnell umsetzen können.

Könnte man meinAnzeiger-Lesungen ausprobieren, bei denen BürgerReporter aus ihren Beiträgen lesen und ihre Motivation ansprechen?
Vielleicht können Sie Ihre Erfahrungen diesbezüglich mit unserer Redaktion besprechen. Ich denke, dass die Veröffentlichung auf meinAnzeiger bereits eine große Öffentlichkeit erreicht und dies auch Ziel des Portals ist. Die Motivation der BürgerReporter mehr herauszustellen, finde ich aber eine gute Idee, die wir in der Zeitung umsetzen sollten.

Ich habe die Idee, dass im AA die Leser aufgerufen werden, eine interessante Kurzgeschichte, die Darstellung eines Hobbys oder ein Gedicht einzureichen. Aus diesen werden dann einige ausgewählt und im Internetportal der ganzen Welt zum Lesen gegeben.
Sie meinen spezielle Aktionen, wie zum Beispiel der Aufruf "Mein Trikot"? Wir haben diese Aufrufe in der Vergangenheit nicht überstrapaziert, da wir gern langfristig aktive BürgerReporter gewinnen wollen - das ist im Rahmen einer Aktion meist nicht der Fall. Ich nehme diese Idee aber gern noch einmal mit in die Teamkonferenz.
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22 Kommentare
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 14.02.2014 | 20:49  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 14.02.2014 | 23:20  
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 15.02.2014 | 09:41  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 15.02.2014 | 14:26  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 15.02.2014 | 18:26  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 15.02.2014 | 20:24  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 16.02.2014 | 01:03  
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 16.02.2014 | 10:27  
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 16.02.2014 | 10:36  
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 16.02.2014 | 13:05  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 16.02.2014 | 13:31  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 16.02.2014 | 18:39  
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 16.02.2014 | 19:12  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 16.02.2014 | 19:41  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 16.02.2014 | 19:58  
2.126
Silke Dokter aus Erfurt | 18.02.2014 | 11:14  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 18.02.2014 | 11:39  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 19.02.2014 | 04:46  
2.126
Silke Dokter aus Erfurt | 19.02.2014 | 09:02  
719
Birgit Muncke aus Gera | 19.02.2014 | 10:04  
2.126
Silke Dokter aus Erfurt | 19.02.2014 | 14:28  
195
Simone Guhr aus Zeulenroda-Triebes | 19.02.2014 | 21:13  
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