Nur eine Frage: Wie kommt der Teddybär zu seinem Namen, Frau Schneider?

Warum heißt der Teddybär eigentlich Teddy? (Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de)
 
Reinhild Schneider ...ist Direktorin des Deutschen Spielzeugmuseums in Sonneberg. Die älteste Spezialsammlung für Spielzeuge in Deutschland wurde 1901 gegründet. (Foto: Deutsches Spielzeugmuseum)
 
Jüngst erschien der Text-Bildband "Kleine Welten. Die Sammlung des Deutschen Spielzeugmuseums" mit einem Kapitel zur "Geschichte vom Teddybären". Mehr Infos: www.deutschesspielzeugmuseum.de. (Foto: Peter Schneider)
Sonneberg: Deutsches Spielzeugmuseum |

Die Antwort auf die Frage, wie der Teddybär zu seinem Namen kommt, gibt Reinhild Schneider. Sie ist Direktorin des Deutschen Spielzeugmuseums in Sonneberg. Die älteste Spezialsammlung für Spielzeuge in Deutschland wurde 1901 gegründet. Jüngst erschien der Text-Bildband „Kleine Welten. Die Sammlung des Deutschen Spielzeugmuseums“ mit einem Kapitel zur „Geschichte vom Teddybären“.

Über den Ursprung des Teddybären gibt es zwei Versionen: eine deutsche und eine amerikanische. Darüber hinaus gibt es mehrere Legenden darüber, wie der Bär zu seinem Namen kam.

Aus Sicht des Deutschen Spielzeugmuseums ist die Version der Firma Steiff mit den durch die Firmengeschichte belegbaren Details über die Entwicklung dieses Spielzeugs durch Richard Steiff nachvollziehbar. Aus der amerikanischen Version wird nicht deutlich, wie die gestalterische und technische Umsetzung der Innovation erfolgt ist. In dem jüngst veröffentlichten Buch "Kleine Welten" ist auch ein Kapitel der "Geschichte vom Teddybär" gewidmet:

Um seine Erfindung ranken sich Legenden


Unter dem Spielzeug, das am Beginn des 20. Jahrhunderts die Spielzeugwelt bevölkerte, gab es einen völlig neuen Typ, ein Bärenkind mit beweglichen Armen und Beinen. Bald wurde es der Favorit in den Kinderzimmern und ein geliebter Held in Büchern, Bildgeschichten und Kinderliedern. Der putzige Geselle und Begleiter der Kindheit verlor bis heute nichts von seinem Charme. Um seine Erfindung ranken sich Legenden.

Die Geschichte des Bärenkinds begann, als Margarete Steiff um 1880 in Giengen an der Brenz jenen kleinen Elefanten nähte, der ihre Spieltier-Fabrikation begründete. Jahr um Jahr erweiterte sie das Spieltier-Angebot ihres kleinen Filzgeschäfts. Neben Elefanten gehörten bald zahlreiche andere Tiere – auch Bären – zu ihrem Sortiment.

1893 übertraf der Umsatz der Spieltiere den der Filzwaren. In jenem Jahr trat Richard Steiff (1877-1939) in ihre Firma ein, einer ihrer Neffen. Er hatte die Stuttgarter Kunstgewerbeschule besucht und einen Studienaufenthalt in England absolviert. Nun übernahm er die Entwurfs- und Versuchsabteilung in der Firma seiner Tante. Sein kreatives Talent und ein Fundus an Tierstudien, die er im Nill’schen Garten in Stuttgart gezeichnet hatte, sollten das Unternehmen in den nächsten Jahrzehnten prägen.

1902 entschloss man sich, die Spieltiere mit beweglichen Gliedern zu versehen. Die Umsetzung des Vorhabens oblag Richard Steiff. Nicht alle Tiere erschienen ihm geeignet, allein jene, denen der aufrechte Gang möglich war, vornehmlich Affe und Bär. Am Ende des Jahres konnte er eine ganze Kollektion vorweisen, darunter einen Bären mit der Firmenbezeichnung „Bär 55 PB“ (55 cm, Plüsch, beweglich). Das Aussehen des neuen Modells war in Farbe und Körperformen dem natürlichen Vorbild ähnlich. Die beweglichen Glieder fanden sich noch recht einfach mit einem dicken Bindfaden mit dem Körper des Bären verbunden.

Die Neuentwicklung stieß jedoch auf wenig Resonanz. Weder in New York, wo die Firma ein Musterlager unterhielt, noch auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1903 fanden sich Interessenten. Erst gegen Ende der Messe besuchte der Einkäufer des amerikanischen Einkaufshauses George Borgfeldt den Stand der Firma Steiff und bestellte kurzerhand 3000 Bären. Noch im selben Jahr ließ Margarete Steiff den beweglichen Bären als Geschmacksmuster eintragen und damit amtlich schützen.

Ein Bär gewinnt den Grand Prix


Mit einem überarbeiteten Modell, dem „Bär 25 PB“, der kleiner, feingliedriger und mit hellem Plüsch überzogen war, präsentierte sich das Unternehmen 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis. Überaus erfolgreich kehrte man nach Giengen zurück, mit Aufträgen über 12.000 Bären und mit dem „Grand Prix“, der höchsten Auszeichnung der Ausstellung.

Richard Steiff aber entwarf weiter Bären, um diese noch spiel- und kindgerechter zu gestalten. Er befasste sich vor allem mit dem Problem der beweglichen Verbindung der Glieder. Zunächst löste er es durch feste Metallstäbe, später durch Befestigungsdrähte, die im Innern des Bärenkörpers verbunden waren. Anfang des Jahres 1905 konnte er mit einem neuen Modell aufwarten. Das „Bärle“ mit der Firmenbezeichnung „Bär 35 PAB“ hatte ein rundes Gesicht mit stumpfer Nase und gestickter Schnauze. Es war mit Kapok und Holzwolle weichgestopft und deshalb viel leichter als seine Vorgänger. Pappscheiben an Gliedern und Körper, die mit einem Metallstift miteinander verbunden wurden, garantierten nun die Beweglichkeit – eine Lösung, die sich bewähren sollte.

Mit dem „Bärle“ war Richard Steiff der Prototyp aller nachfolgenden Bärengenerationen gelungen. Im Jahr 1907 wurden 975.000 Bären in Giengen produziert. Der Export in die USA nahm geradezu gigantische Dimensionen an.

Dort verdankte das Bärenkind seine Beliebtheit niemand anderem als Theodore Roosevelt (1858-1919), dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Den Anlass hatte eine Karikatur des Zeichners und Journalisten Clifford K. Berryman (1869-1949) gegeben, die am 16. November 1902 in der „Washington Post“ erschienen war. Sie zeigte eine Szene, auf der Theodore Roosevelt bei einem Jagdausflug zu sehen war. Ein kleiner hilfloser Jungbär wird an einer Leine festgehalten, damit der Präsident ihn abschießen kann. Roosevelt aber wendet sich entrüstet ab.

Ein Präsident wird zu "Teddy"


Die Zeichnung fand den Gefallen der Leserschaft. Berryman versah fortan alle Roosevelt-Darstellungen mit einem kleinen Bären, der immer rundlicher und niedlicher wurde. Das Bärchen geriet zur Symbolfigur für den Präsidenten.

Berrymans Karikatur hatte auch die russischen Einwanderer Rose und Morris Michtom erreicht, die in New York ein Schreibwarengeschäft betrieben. Inspiriert von der anrührenden Geschichte um den Präsidenten, soll Rose Michtom einen Bären mit drehbarem Kopf und Scheibengelenken skizziert haben. Aus Plüsch genäht und mit Holzwolle gestopft, sei der Bär im Schaufenster der Michtoms neben der Karikatur aus der „Washington Post“ ausgestellt worden.

Die Bären der Mitchoms verkauften sich ausnehmend gut. Nachdem ein Vertreter des Einkaufshauses Butler Brothers ihren gesamten Bärenbestand erhandelt hatte, gründeten Rose und Morris Michtom 1907 die „Ideal Novelty and Toy Company“, die als der erste Teddy-Hersteller der Vereinigten Staaten gilt. In den Jahren zwischen 1906 und 1908, die in den USA oft als „die Teddybär-Jahre“ bezeichnet werden, entstanden mehrere amerikanische Produktionen. Man hatte das Potenzial des neuen Artikels erkannt und nutzte Markt und Möglichkeiten.

Auch in Deutschland gelangte der Bär mit beweglichen Gliedern seit 1905 zu einem bevorzugten Erzeugnis von Spielwarenproduzenten, vor allem im Sonneberger Raum, in Nürnberg und Berlin. Über die Herkunft des Namens und die Beziehung des amerikanischen Präsidenten zu diesem Spieltier werden seither Geschichten in verschiedenen Versionen erzählt. Gewiss ist, dass die Bezeichnung „Teddybär“ erstmalig 1906 in dem amerikanischen Spielwarenkatalog „Playthings“ für den Spielzeugbären verwendet worden ist.

Da im Gründungsjahr des Museums bereits gestopftes Spielzeug im Raum Sonneberg hergestellt wurde, bestand von Anfang an Interesse, diese Spielzeugart zu sammeln. Die Begriffe „Teddy“ und „Teddybär“ tauchen jedoch erst ab 1938 in den Inventarbänden des Museums auf. Die Entwicklung des gestopften Spielzeugs wie auch die der Teddybären lässt sich – explizit für den Raum Sonneberg – anhand des stetig erweiterten Sammlungsbestandes bis in die Gegenwart belegen.

Mehr Infos

www.deutschesspielzeugmuseum.de
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