Nur nicht schmollen! Kritikfähigkeit kann man lernen und trainieren

Viele nehmen Kritik des Chefs oder der Kollegen immer gleich persönlich. Dabei kann man von Kritik auch profitieren. (Foto: Benjamin Thorn/Pixelio.de)
 
Wir empfinden Kritik als Angriff auf unser natürliches Selbstwertgefühl und blasen oft gleich zum Gegenangriff! (Foto: Jürgen Jotzo/pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC | In der täglichen Zusammenarbeit mit anderen Menschen bleibt es nicht aus, dass man Fehler begeht oder sich in bestimmten Situationen falsch verhält. Wenn dies unbemerkt bleibt - kein Problem. Doch häufig folgt dem Fehler die Kritik an der eigenen Person.

Wir Menschen neigen sehr häufig dazu, kritische Kommentare sehr persönlich zu nehmen und fühlen uns verletzt. Wir empfinden die Kritik als Angriff auf unser natürliches Selbstwertgefühl und unser Bedürfnis nach Anerkennung. Wenn wir dabei den Ton und die Formulierung der Kritik als aggressiv wahrnehmen, kommt es zu typischen Abwehrreaktionen. Je nach Temperament bläst man zum Gegenangriff, ist beleidigt oder innerlich gelähmt, hat Angst oder man fühlt sich wie ein Verlierer.

Wenn der Chef am Ende des mühevollen Tages die Anstrengungen nicht sieht, den Fehler aber überbewertet, ist es nicht einfach, sachlich und ruhig zu bleiben. Kritikfähigkeit kann man aber lernen und trainieren. Nachfolgende Regeln helfen Ihnen, kritische Äußerungen besser zu verarbeiten. Diese Regeln gelten umgekehrt auch, wenn Sie selbst Kritik an Mitmenschen üben wollen.

1. Körpersignale aufnehmen und Stresssymptome erkennen
Unmittelbar nachdem Sie die Kritik erreicht hat, müssen Sie sofort Ihre Körperreaktionen analysieren. Beginnt ihr Puls zu rasen? Ist Ihre Faust geballt? Fühlen Sie sich wie vom Blitz getroffen? Möchten Sie aggressiv verbal zurückschlagen? Stehen Ihnen Tränen in den Augen? Möchten Sie am liebsten davonlaufen?

2. Selbstkontrolle erlangen und Stress abbauen
In diesem Schritt gilt es, Zeit herauszuschinden und die Stresssymptome zu verarbeiten. Zählen Sie bis 100 und holen Sie tief Luft. "Flucht oder Verteidigung" ist jetzt nicht der richtige Ratgeber. Gewinnen Sie Ihre Fassung zurück und versuchen Sie, die Situation zu analysieren. Dazu brauchen Sie wieder innere Ruhe.

3. Analyse der Kritik: Worum geht es eigentlich?
Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt. Ist die Kritik berechtigt? Dürfte Ihnen der Fehler aufgrund Ihres Wissens und Ihrer Erfahrungen eigentlich nicht passieren? Oder waren Sie einfach überfordert? Manche Chefs, aber auch Kollegen, üben häufig eine Erwartungskritik. Sie wünschen sich ein Ergebnis, obwohl die Voraussetzungen dafür bei realistischer Betrachtung gar nicht gegeben sind. Fragen Sie daher nach. In einer sachlichen Diskussion lassen sich viele Kritikpunkte ausräumen oder erklären.

4. Akzeptanz der Kritik
Ist die Kritik berechtigt, dann können Sie an dieser Stelle ruhig ein Eingeständnis signalisieren und für die Zukunft Besserung versprechen. Verbinden Sie dieses Eingeständnis gegebenenfalls mit der Bitte nach Unterstützung. Fragen Sie ruhig nach, wie Sie es zukünftig besser machen können. Zeigen Sie sich lernbereit und änderungswillig.

5. Hinterfragen Sie die Motive der Kritik
In den meisten Fällen sind kritische Äußerungen berechtigt. Man meint es eigentlich gut mit Ihnen. Aber eben nicht immer. In sozialen Strukturen und Hierarchien kommt es auch immer wieder vor, dass berechtigte oder unberechtigte Kritik zur Demonstration von Macht, zum "Ausschalten" von Rivalen oder für Mobbingaktionen missbraucht wird. Die Kritik ist nur vorgeschoben und wird häufig nach Zeitpunkt und Öffentlichkeitsgrad gezielt eingesetzt. Sie haben das "Herunterputzen vor versammelter Mannschaft" vielleicht schon erlebt.

6. Nachbereitung der Kritik: Bauen Sie sich wieder auf!
Wenn Ihnen Kritik widerfahren ist, geht davon die Welt nicht unter. Überprüfen Sie Ihr Selbstbild und stellen Sie die Kritik ins Verhältnis zu Ihren bisherigen Leistungen. Seien Sie sich ruhig Ihres Wissens und Könnens bewusst und erinnern Sie sich bitte an Erfolgserlebnisse der vergangenen Jahre. So erlangen Sie wieder das Selbstbewusstsein und die innere Ruhe für die kommenden Aufgaben. Souveränität entwickelt eine gewisse Gelassenheit zum "Aussitzen" derartiger Situationen.


Wie ich es schon sagte: Diese Regeln sollten Sie auch beherzigen, bevor Sie Kritik an anderen Menschen üben. Wir profitieren alle davon!
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9 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 12.05.2013 | 19:05  
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Hannelore Grünler aus Artern | 12.05.2013 | 20:07  
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Susanne Steinfeld aus Erfurt | 13.05.2013 | 11:03  
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Petra Seidel aus Weimar | 13.05.2013 | 13:02  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.05.2013 | 02:18  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 15.05.2013 | 08:07  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.05.2013 | 18:08  
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Petra Seidel aus Weimar | 16.05.2013 | 09:21  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.05.2013 | 21:53  
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