Nutze die Zeit und lebe deine (kleinen) Träume

Mein (brauner) Judogürtel. Eigentlich wollte ich ja irgendwann einmal auch den schwarzen haben...
Wer kennt das nicht: Der Arbeitstag ist bis zur letzten Minute ausgefüllt, an manchen Tagen kommt man kaum zum Luftholen. Auch die Freizeit hat nicht immer viel mit ihrem eigentlichen Wortsinn zu tun. Einkaufen, die Kinder von einem Termin zum nächsten bringen, Fenster putzen, das Auto in der Werkstatt abliefern, zwischendurch den Rasen mähen und ein bisschen Unkraut rupfen, die Unterlagen für die Steuererklärung heraussuchen, schnell noch ein paar Teile bügeln...

Schön, wenn endlich Abend ist. Zeit zum Durchatmen und Zurücklehnen. Zum Genießen. Doch die Kraft reicht gerade noch, nicht auf der Couch einzuschlafen und sich ins Bett zu schleppen. Dort kann man dann davon träumen, wie es wäre, das zu machen, was man schon immer gern einmal tun wollte.

Am nächsten Morgen beginnt alles wieder von vorn. Irgendwann einmal wird Zeit sein für die schönen Dinge des Lebens.

Irgendwann...? Wann genau ist das? Geht es mir eines fernen Tages noch gut? Dann, wenn ich einmal viel Zeit habe, um so vieles Versäumte nachzuholen? Lebe ich nicht jetzt?

Worauf also warten? Natürlich kann ich nicht von heute auf morgen meine Zelte abbrechen und mich auf eine lange Reise um die Welt begeben. Solche Träume dürfen gern noch eine Weile weitergeträumt werden. Wie aber sieht es mit den kleinen Sachen aus, jenen, die man immer schon tun wollte?

Habe ich nicht der alten Tante schon so lange versprochen, sie wieder einmal zu besuchen? Wer hindert mich daran, es zu tun? Stress, Arbeit, Bequemlichkeit, so viel Kleinkram. Dabei sollte ich doch froh sein, dass es meiner Tante mit über 80 Jahren noch immer so gut geht - und dass ich sie habe. Am besten, ich rufe sie gleich an und sage, wann ich losfahre.

Auf der Judomatte wollte ich auch lange schon wieder einmal stehen. Irgendwann, habe ich immer allen erzählt, gehe ich mal hin zum Training. Irgendwann? Ertappt! Wenn ich nicht sofort handle, dann wird das nichts. Nach dieser Erkenntnis war es nur ein winziger Schritt auf die Tatami. Und es war herrlich! Unsere Judo-Männer haben mich mit großem Hallo willkommen geheißen, ich habe mich fast gefühlt wie früher, als ich noch regelmäßig trainiert habe. Und ich habe sogar mächtig viele Liegestütze geschafft :-)) Und alles andere hat auch noch wunderbar funktioniert. (Na gut, ich gebe es zu, ein bisschen Muskelkater hatte ich am Tag danach schon... Oder war's der Muskeltiger...?)

Aber noch viel besser war das Gefühl danach: Traumhaft gut! Das hätte ich schon viel früher haben können.

Manchmal muss man sich eben zum Innehalten zwingen und Dinge einfach tun. Den Kletterwald erobern, Zelt und Bratwürste einpacken und spontan mit ein paar Freunden am See übernachten, übers Wochenende nach Paris fliegen, den Motorradführerschein machen, einen Fallschirmsprung wagen, Tango tanzen lernen, die erste Liebe aufstöbern und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, Russischkenntnisse auffrischen, der lieben Oma aus dem letzten Urlaub einen Brief schreiben, den sich sträubenden Teenie-Sohn in den Arm nehmen und und und...

Später könnte vielleicht zu spät sein.
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2 Kommentare
Helke Floeckner aus Erfurt | 25.07.2011 | 08:44  
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Peer Floeckner aus Erfurt | 25.07.2011 | 08:51  
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