Paradiesischer Job: Zwei Reiseblogger suchen die 22 schönsten Plätze auf der Welt

Mit Schildkröten tauchen auf Apo-Island (Philippinen): Arbeit könnte schlimmer sein. (Foto: 22Places)
 
Jenny und Sebastian in Koh Lanta (Thailand). (Foto: 22Places)
 
Selfie in Ahangama (Sri Lanka). (Foto: 22Places)
 
Auf dem Petersberg in Erfurt. (Foto: 22Places)

Sensationelle Strände, paradiesische Panoramen, einzigartige Erlebnisse: Jenny Mitscher und Sebastian Ritter haben das Reisen zum Beruf gemacht. Mir gaben die Weltenbummler mit Thüringer Wurzeln die besten Tipps für den perfekten Urlaub.

Ich packe meinen Koffer: Was darf ich nicht vergessen?
Auf keinen Fall vergessen sollte man den Reisepass und die Kreditkarte. Alles andere lässt sich im Zweifel auch auf Reisen beschaffen. Die meisten Reisenden packen ohnehin viel zu viel ein. Wir reisen in der Regel nur mit Handgepäck - egal, ob wir auf einen Wochenendtrip fahren oder ein halbes Jahr nach Asien. Wir haben immer Kleidung für eine Woche dabei, Kameras, Laptops und ein paar Reiseutensilien.
Es ist tatsächlich sehr befreiend, nur mit dem Nötigsten zu reisen. Gerade beim Fliegen spart es oft sogar Geld.


Und wie lasse ich den Alltag daheim?

Das ist für uns jetzt etwas schwierig. Da wir ja mittlerweile hauptberuflich reisen, ist das ja unser Alltag. Da wir unsere Arbeit immer mit dabei haben, fällt es uns mittlerweile recht schwer, einfach mal abzuschalten.
Abschalten ist aber wirklich das Zauberwort: Smartphone aus, keine E-Mails checken, dann vergisst man den Alltag zu Hause ganz schnell.

Wo geht es am liebsten hin? Stadt oder Land? Meer oder Berge?
Am liebsten alles. Wir lieben Städte! Je größer und je wuseliger, desto besser. Auf dem Land sind wir seltener, was vor allem daran liegt, dass wir beruflich auf eine gute Internetverbindung angewiesen sind und das in vielen Ländern auf dem Land nicht so gut funktioniert.
Wenn wir uns zwischen Meer und Bergen entscheiden müssen, würden wir immer das Meer wählen. Ein paar Tage Skifahren in den Bergen machen schon Spaß, aber danach kann es gerne wieder ein paar Wochen oder Monate ans Meer gehen.

Was macht einen Geheimtipp zum Geheimtipp? Und gibt es überhaupt noch Geheimtipps?
In Zeiten von Reiseblogs und Social Media ist ein Geheimtipp eigentlich kein Geheimtipp mehr, sobald er irgendwo online aufgetaucht ist.
Aber trotzdem gibt es sie noch. Meistens sind es die Orte, die etwas schwieriger zu erreichen sind. Das nehmen dann doch nur die wenigsten Reisenden in Kauf, auch wenn der Geheimtipp auf einem Reiseblog noch so verlockend ist. Wir raten unseren Lesern, sich einfach mal treiben zu lassen. Denn so findet man die tollen, noch nicht so bekannten Orte, meistens von ganz alleine.

Ihr liefert Stoff für eine „Bucket List“ - also Reiseziele, die ich noch besucht, und Abenteuer, die ich noch erlebt haben sollte, ehe ich sterbe und in die Kiste springe (Kick the bucket). Setzen einen diese Listen nicht unter Stress, ständig etwas zu verpassen im Leben?

Ja, ein bisschen ist das schon so. Wir haben ja selbst so eine Liste und obwohl wir fast das ganze Jahr auf Reisen sind, wird die Liste immer länger und niemals kürzer.
Alles sehen zu müssen, ist aber auch nicht unbedingt erstrebenswert. Wir reisen bewusst langsam und bleiben lieber ein paar Wochen an einem Ort, anstatt in der selben Zeit zehn Orte abzuhaken. Erst wenn man etwas länger irgendwo ist, kann man wirklich in den Ort eintauchen.

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo... Oder doch besser das Auto, das Flugzeug, ein Schiff?
Zug, Flugzeug, Fähre, Tuk Tuk, Moped, Bus - wir haben in den letzten Monaten alles davon genutzt. Ein eigenes Auto haben wir nicht. Das beschränkt sich dann wirklich auf kurze Taxifahrten.
Zugfahren ist eine unserer liebsten Reisearten. Gerade in fernen Länder umweht Zugfahren noch einen Hauch von Abenteuer und man kann an Bord so einiges erleben.

Am Ziel: Was sind die ersten drei Dinge, die ihr am fremden Ort unternehmt, um euch zu orientieren?
1. Lokale Sim-Karte kaufen. 2. Moped mieten. 3. Etwas leckeres zu essen suchen. Manchmal ist die Reihenfolge etwas anders, aber das sind an den meisten Orten unsere ersten Handlungen.

Hotel? Ferienwohnung? Zelt? Wo am besten übernachten?
Wenn wir länger an einem Ort sind, mieten wir uns in der Regel ein Apartment. Das ist dann für ein paar Wochen unser Zuhause, mit eigener Küche, Internet und allem, was man so zum Leben braucht.
Wenn wir nur ein paar Tage irgendwo sind, schlafen wir meistens in Hotels.

Jagt ihr Schnäppchen oder gönnt ihr euch Luxus?
Weder noch. Da wir das ganze Jahr unterwegs sind, achten wir schon darauf, dass unsere Unterkünfte vernünftig sind. Da zahlen wir dann auch gerne mal ein paar Euro mehr, anstatt mit aller Macht das günstigste Hostel zu buchen.
Als Reiseblogger hat man manchmal das Glück, in wirklich großartige Hotels eingeladen zu werden. Dann schnuppern wir ab und zu mal einen Hauch von Luxus, den wir uns selbst niemals leisten würden.

Ihr filmt und fotografiert. Sorgt ihr euch manchmal, dass ihr euern Urlaub zu sehr mit Blick durch die Kamera erlebt?
Wir haben da mittlerweile ein ganz gutes Maß gefunden. Wir haben zwar unsere Kameras wirklich fast immer dabei, machen aber nicht die ganze Zeit Fotos. Manchmal haben wir am Ende eines Tages nur 10 oder 20 Fotos.
Wir fotografieren mittlerweile viel ausgewählter und überlegter als noch vor einigen Jahren. Das geht auch gar nicht anders, denn die Fotos müssen am Ende auch sortiert und bearbeitet werden. Das gehört ja auch alles zu unserem Job und wenn wir täglich mit 500 Fotos nach Hause kommen würden, wäre das einfach nicht machbar.

Apropos: Der Eiffelturm ist schon soooooo oft fotografiert worden. Soll ich das jetzt auch noch machen? Und wie am besten?
Klar. Aber nicht so, wie es auf jeder Postkarte aussieht. Wir versuchen bei unseren Fotos immer einen besonderen Blickwinkel zu finden. Eine berühmte Sehenswürdigkeit einfach von vorne zu fotografieren, ist langweilig und austauschbar.
Aber selbst beim Eiffelturm gibt es mit Sicherheit noch ein Motiv oder eine Perspektive, die noch nicht jeder fotografiert hat. Man muss sich einfach mal ein paar Minuten Zeit nehmen und auch ein bisschen um die Ecke denken. Dann entstehen oft die besten Fotos.

Wasserfall, Schloss, toller Ausblick - sind die Sehenswürdigkeiten austauschbar? Wie sorgt ihr für Überraschungen im Urlaub?
Tatsächlich ist ein Wasserfall oder ein Tempel für uns jetzt nicht mehr das ganz große Highlight, dafür haben wir einfach schon zu viele gesehen.
Trotzdem entdecken wir überall noch Orte, die uns überraschen. Meistens hat das mit tollen Menschen vor Ort oder bestimmten Erlebnissen zu tun.
Und dann gibt es ja auch noch so viele großartige Orte, die man gar nicht so unbedingt auf dem Schirm hat. Meine (Sebastians) Heimatstadt Erfurt ist so ein Beispiel. Unserer Meinung nach ist Erfurt eine der schönsten Städte in Deutschland, aber kaum einer außerhalb von Thüringen weiß davon. Es gibt also immer noch eine ganze Menge zu entdecken.

Wo leben die freundlichsten Menschen?
Die großartigsten Menschen haben wir bislang auf den Philippinen getroffen. Die Philippinos sind einfach so unheimlich offen und lebensfroh und sie singen die ganze Zeit. Wirklich überall - im Supermarkt, im Bus, auf der Straße.
Und selbst die Beamten an der Passkontrolle, die eigentlich in jedem Land grimmig und schlecht gelaunt sind, sind auf den Philippinen freundlich. Sie haben uns bei unserer Ausreise freudestrahlend über unsere Reise ausgefragt und gefragt, ob wir bald wiederkommen. Die Menschen dort sind einfach zuckersüß.

Ohne eigene Wohnung



Und welcher Ort ist gnadenlos überschätzt?
Einer der schlimmsten Orte, den wir bislang gesehen haben, ist die Maya Bay. Das ist der berühmte Strand aus dem Film „The Beach“. Der kleine Strand wird mittlerweile so gnadenlos vermarktet, dass sich dort hunderte Touristen drängen, die mit unzähligen Booten heran gekarrt werden. Man sieht vor lauter Menschen kaum noch den Strand und leider ist alles auch entsprechend dreckig dort.

Die Schattenseiten des Reisens - was nervt am meisten?
Eigentlich nervt nichts. Wir lieben das Reisen und wir haben uns das Leben ja so ausgesucht. Was uns manchmal wirklich zur Verzweiflung bringt, ist langsames Internet.
Dann haben wir lieber gar kein Internet, anstatt die ganze Zeit krampfhaft zu versuchen, eine Seite zu laden. Aber das sind wirklich Luxusprobleme.

Welche Souvenirs bringt ihr von euern Reisen mit?
Nur Fotos! Da wir ja nur mit Handgepäck reisen, haben wir gar keinen Platz, um Souvenirs mit nach Hause zu bringen.
Bastis Opa sammelt Fingerhüte, die es in Souvenirshops auf der ganzen Welt gibt. Da bringen wir natürlich von jedem Ort einen mit. Die nehmen zum Glück auch nicht so viel Platz in Anspruch.

Habt ihr dauerhaft Fernweh? Oder freut ihr euch auch immer wieder aufs Zuhause?
Unsere gemeinsame Wohnung haben wir erst einmal für zwei Jahre untervermietet. Ein richtiges Zuhause haben wir also gerade gar nicht. Wenn wir in Deutschland sind, besuchen wir Eltern und Freunde oder mieten uns eine Wohnung in der Stadt unserer Wahl.
Heimweh hatten wir bislang noch nie. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir uns einfach an vielen Orten der Welt zuhause fühlen. Fernweh kommt schon eher auf, wenn wir mal wieder im verregneten Deutschland sind und die Menschen auf der Straße alle schlechte Laune haben.

Was kommt nach den 22 Orten?
Wir sammeln auf unserem Blog ja unsere 22 schönsten Orte der Welt, wozu natürlich auch Erfurt gehört. Wir sehen die Liste aber nicht als ein Projekt, das irgendwann zu Ende ist.
Die Liste ändert sich immer. Es kommen neue Orte hinzu und es fallen vielleicht auch mal Orte wieder heraus. Fest steht, dass wir noch ganz viel reisen und entdecken wollen. Die Welt ist ja groß genug.

Zur Person

Jenny Mitscher und Sebastian Ritter sind Reisefotografen und Weltenbummler aus Leidenschaft. Sebastian stammt ursprünglich aus Erfurt und obwohl die beiden schon so viel rumgekommen sind, ist Thüringens Landeshauptstadt für ihn noch immer einer der schönsten Orte der Welt.

Seit einem Jahr erfüllen sich die beiden ihren großen Traum: Sie leben und arbeiten ortsunabhängig und entdecken auf ihren Reisen die Welt. Auf 22places (www.22places.de) schreiben sie über ihre Reisen und geben Tipps zum Fotografieren. Außerdem bieten sie einen Online-Fotokurs an und veröffentlichen auf ihrem Youtube-Kanal Videos über ihre Reisen und die Fotografie.


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1 Kommentar
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Joachim Kerst aus Erfurt | 24.10.2016 | 11:48  
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