Schutz vor E.T.: Alien-Entführung, Golf-Asse, Körperteile – fast alles lässt sich versichern

Bei der Gesellschaft "Sir Huckleberrys" konnte man sich gegen die Entführung durch Außerirdische versichern lassen. (Foto: Pixelio / Wolfgang Pfensig)
 
Bianca Boss vom Bund der Versicherten.
Die junge Frau düst mit ihrem Wagen durch die Straßen. Aus dem offenen Fenster ragt der Gitarrenkoffer. Rums! Es hat gekracht - ein Unfall. Ihre Erkenntnis: "Musik kann man nicht versichern, seine Instrumente schon." Sieht Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) diesen Allianz-Werbespot, kann sie nur mit dem Kopf schütteln: "Ich weiß, dass es Geigen gibt, die einen erheblichen Wert besitzen. Eine Instrumenten- Versicherung spielt allerdings nicht die erste Geige. Viel mehr hoffe ich für die Frau, dass sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt."

Die Deutschen verteidigen sich mit knapp 450 Millionen Versicherungsverträgen gegen die Risiken des Lebens. Auf jeden Einwohner - vom Baby bis zum Greis - entfallen somit fast sechs Policen. Die Produktpalette ist groß: Die Gothaer versichert Jagd- und Sportwaffen samt Munition. Die HanseMerkur übernimmt die Kosten für die "Hole In One"-Party im Golfclub, die jemand springen lassen muss, sollte ihm beim Spielen ein Ass gelingen. Andere Anbieter wie die Siegemund GmbH versichern den Hochzeitstag.

"Grundsätzlich können Sie alles versichern", versichert wiederum Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). "Sogar einzelne Teile Ihres Körpers." So versichern Chirurgen ihre Hände und Profi-Fußballer ihre Beine. Auch die Stimme lässt sich vertraglich schützen. "Aber jedes Produkt basiert auf langweiliger Versicherungsmathematik", spricht Lübke von Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Definitionsklauseln im Vertrag.

Die skurrilsten Policen verkaufte bis vor wenigen Jahren ein Berliner Unternehmer mit seiner Gesellschaft "Sir Huckleberry". Bei einem Börsen-Crash, dem Abstieg des geliebten Fußballvereins oder einer Entführung durch Außerirdische zahlte seine Versicherung. Heute gibt es die Angebote nur noch als Geschenke-Gag im Internet. "Solche Versicherer sind mit Sicherheit nicht seriös", warnt Bianca Boss.

Der BdV hat sogar eine Top Ten der überflüssigsten Versicherungen aufgestellt. So lohnt es sich laut Boss nur, sich vor Glasbruch zu schützen, wenn man einen Wintergarten direkt neben einem Fußballplatz besitzt. "Totaler Unsinn ist auch eine Insassen- Unfallversicherung. Wird Ihr Beifahrer bei einem Unfall verletzt, tritt ohnehin die Kfz-Haftpflicht ein." Auch von einer Reisegepäck-Versicherung rät sie ab. "Hinterher streiten Sie sich nur mit dem Versicherer, ob Sie auch ausreichend auf Ihren Koffer aufgepasst haben."

Statt die Brille oder das Handy zu versichern, empfiehlt Boss eine Privathaftpflicht-, Hausrat-, Unfall- oder Risikolebensversicherung. "Wer die wichtigen Versicherungen nicht besitzt, verzichtet besser auf die unnützen." Christian Lübke kennt das Problem: "Leider sind solche Versicherungen nicht sexy. Sie erwerben damit keine Emotion. Deswegen investieren die Deutschen auch viel mehr Zeit in den Kauf ihrer Autos."


KONTAKT
• Bund der Versicherten: Telefon: 0 41 93 / 9 42 22, www.bundderversicherten.de
• Die Deutschen Versicherer: Telefon: 08 00 / 3 39 93 99, www.gdv.de
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