Small Talk der Profis: Die besten Tipps der Thüringer Experten für die perfekte Plauderei

Manuel Müller vom Erfurter Friseursalon Suite 406.
 
Michael Panse, Generationenbeauftragter im Thüringer Landtag. (Foto: Privat)
 
Pfarrer Bernhard Schilling aus Gräfenroda. (Foto: Ines Heyer)
 
Der Mann an der Bar im "double b" in Erfurt, Ronald Staedler, besser bekannt als "Granate". (Foto: Helke Floeckner)

Und sonst so...? Über wenig auch viel reden zu können, ist eine Kunst. Hier geben ­Thüringer Plauderprofis ihre Small-Talk-Tipps, um das Eis zu brechen, ins tiefere ­Gespräch ­einzusteigen und einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen

.





Manuel Müller
vom Erfurter Friseursalon Suite 406

Wie kommt man ins Gespräch?
Relativ einfach. Neue Gäste fragen wir, ob sie gut zu uns und beispielsweise einen Parkplatz gefunden haben. Je nach Tageszeit fragen wir, ob der Kunde gerade direkt von der Arbeit kommt oder ob er den Tag frei hat und genießen kann. Dann sind wir auch gleich beim Thema Wetter, denn für den Kunden ist es natürlich traurig, wenn er gerade einen Friseurtermin hat und es dann draußen regnet. Bei manchen Gästen fällt das Gespräch leichter, andere sind eher wortkarg. Darauf nehmen wir aber Rücksicht, denn die Leute kommen ja zur Entspannung zu uns. Wenn jemand keine Lust auf ein Gespräch hat, merken wir das schnell und lassen ihn auch in Ruhe.

Worüber redet man?
Wir arbeiten nach Termin und kennen unsere Gäste. Dann erinnern wir uns: „Ach, Sie waren doch jetzt auf einer Kreuzfahrt. Wie war es denn?“ Die aktuelle Lokalpresse ist immer ein Thema, auch politische Themen. Oder wir werden um eine Empfehlung gebeten, wo man gut Einkaufen oder Essen gehen kann. Ein Gesprächsthema ist auch immer unser Hund im Salon – vor allem natürlich mit anderen Hundebesitzern. Gäste bringen ihre Bücher mit, über die man redet, oder über den Klatsch und Tratsch in den Zeitschriften. Manchmal holen wir uns Informationen beim Kunden. Da können dann aber auch Missverständnisse entstehen: Ich habe geglaubt, dass Spaghetti Bolognese aus Bologna kommen, weil mir das drei Gäste erzählt haben. Beim Messebesuch in Bologna habe ich dann bemerkt: Spaghetti Bolognese sind noch nicht einmal typisch italienisch.

Welche Fallen muss man vermeiden?
Einige reden schnell über ganz private Dinge. Da redet man automatisch leiser, damit die anderen Kunden das Gespräch nicht mithören können. Peinlich wäre es, wenn man die Person mit einem anderen Gast verwechseln würde. Es gibt auch No-Go-Themen. Wir vermeiden es, das Thema Beziehung anzuschneiden, wenn eventuell eine Trennung ansteht. Ganz schlecht wäre es dann, Partei zu ergreifen. Auch bei Krankheiten können wir keine guten Ratschläge abgeben.

Michael Panse, Generationenbeauftragter im Thüringer Landtag

Wie kommt man ins Gespräch?
Politiker müssen beruflich viel reden und Entscheidungen erklären. Sie müssen aber auch den Menschen zuhören und das Gespräch mit ihnen suchen. Im Wahlkampf, am Infostand, bei Bürgersprechstunden oder öffentlichen Veranstaltungen ist das direkte Gespräch gefragt.

Worüber redet man?
Am Infostand hat ein Politiker dabei 30 Sekunden, um den potenziell interessierten Gesprächspartner zu fesseln und zu begeistern. Wenn das gelingt, bekommt er noch einmal 30 Sekunden Aufmerksamkeit, um seine „Botschaft“ zu transportieren. Anders ist dies, wenn die Bürger selbst mit konkreten Anliegen kommen. Da geht es darum, das Anliegen ernst zu nehmen, zuzuhören und gemeinsam eine Lösung zu suchen.

Welche Fallen muss man vermeiden?
Der direkte Blickkontakt ist das A und O jedes Gesprächs. Auch wenn es in einzelnen Fällen lang wird, muss am Ende immer das Angebot zu einer Fortsetzung des Gesprächs stehen. Mein (Politiker-)Gesprächsmotto stammt von Gottfried Benn „Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.“

Pfarrer Bernhard Schilling aus Gräfenroda

Wie kommt man ins Gespräch?
Auf die schnell hingeworfene Frage „Wie geht es Ihnen?“ gibt es beim Small Talk die kurze Standartantwort „Gut“. Wie es einem wirklich geht, darüber traut sich keiner zu reden. Stelle ich aber jemandem diese Frage, so meine ich sie ernst. Denn für mich ist es spannend zu erfahren, wie es meinem Gesprächspartner wirklich geht. Bekomme ich eine ehrliche Antwort, so ist es kein Small Talk mehr.

Worüber redet man?
Für einen Pfarrer gibt es viele Gelegenheiten für Small Talk. Ich halte mich bei den Themen gern an Knigge, spreche über die Örtlichkeiten, das Essen, die Anreise, Kultur, Hobbys – Tischtennis ist mein großer Favorit - oder eben auch Gemeinsamkeiten, wenn ich diese kenne.

Welche Fallen muss man vermeiden?
Das Wetter ist nicht mein Thema. Auch Fragen zur Religion gehören nicht hierher, ebenso wie Tratsch, Krankheiten und Familienverhältnisse. Beim Small Talk bleibe ich oberflächlich, gehe nicht in die Tiefe, denn über Gefühle redet man gewöhnlich nicht.

Ronald "Granate" Staedler,
der Mann an der Bar im "double b" in Erfurt

Wie kommt man ins Gespräch?
Leute anzusprechen, fällt mir ganz leicht, Berührungsängste habe ich keine, ich mache den Job hier ja auch schon seit 21 Jahren. Hinterm Tresen zu stehen, ist einfach meine Welt. Bei Bekannten oder Erfurter Gästen fange ich einfach an zu plaudern, so in der Art "Na, wie geht’s, ist alles klar?". Oder sie wollen gleich von mir wissen, wo mein Zopf geblieben ist. Bei den Touristen, die man ja schnell am Dialekt erkennt, frage ich, wo sie herkommen - und schon ist man mittendrin.

Worüber redet man?
Wir reden über Erfurter Sehenswürdigkeiten und die Wege dorthin. Bier ist auch ein gutes Thema, über die verschiedenen Sorten gibt es viel zu erzählen. Mit Männern ins lockere Gespräch zu kommen, funktioniert übrigens am besten, habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht. Wer muffig guckt oder schlecht drauf ist, den lasse ich besser in Ruhe, dafür hat man schon das richtige Gespür. Obwohl manche natürlich bei mir ihren Kummer loswerden wollen. Da ist man immer auch ein bisschen Psychologe. Denen sage ich dann "Alles wird gut".

Welche Fallen muss man vermeiden?
Vermeiden sollte man es unbedingt, die Leute mit "Du" anzusprechen, zumindest die Fremden. Bei uns ist immer so viel Spaß, so eine lockere Atmosphäre, dass ich manchmal das Siezen vergesse.

Sabine Sennewald und Kerstin Ludwig
verkaufen Gemüse im Erfurter Stadtteil Rieth

Wie kommt man ins Gespräch?
Sabine Sennewald: Wichtiger als die Freundlichkeit ist der Blickkontakt. Wer jemandem nicht in die Augen blicken kann, hat etwas zu verbergen. Jedenfalls wird das meist so interpretiert. Wenn beides stimmt, ergeben sich sehr nette Gespräche mit den Kunden.

Worüber redet man?
Sabine Sennewald. Meist redet man über das Wetter, die Ernte und so weiter. Das ist ein guter Einstieg, womit man testen kann, ober der Kunde überhaupt reden möchte. Oder es funktioniert über das Angebot der frischen Möhren, die der Kunde vielleicht noch nicht gesehen hat. Was immer positiv ankommt, sind Komplimente. Männer hören zum Beispiel gern: “Sie haben aber abgenommen, Sie trinken wohl kein Bier mehr?” Zu einer Dame könnte man sagen: “Sie holen sich wohl Nachschub für Ihre Diät?” Man kann auch – wenn sie älter ist – ihre Fitness bestaunen oder den schicken Hut.

Welche Fallen muss man vermeiden?
Kerstin Ludwig: Ein absolutes Tabu ist die Anzugsordnung. Wenn die Kleidung oder die Frisur nicht passen, darüber schweigt man. Peinlich ist auch, wenn man die Mutter für die Großmutter hält. Wenn man es also nicht genau weiß, sagt man lieber nichts.
Sabine Sennewald: Es kommt auch darauf an, wie gut man den Kunden kennt. Wenn man ihn gut kennt, kann man ruhig privater werden.

Thomas Heinig, Einzelhändler in Gera

Wie kommt man ins Gespräch?
In dem man anderen Menschen begegnet und ihnen nicht aus dem Weg geht. Logischerweise muss man situationsbedingt richtig reagieren. Spaßig miteinander ins Gespräch zu kommen ist auf jeden Fall besser, als alles bierernst zu nehmen. Es gibt jede Menge kommunikationsfördernde Orte. Essen gehen bedeutet für mich beispielsweise weitaus mehr als nur die bloße Nahrungsaufnahme. Viele kleine Gänge und ein großer Tisch mit vielen Menschen regen die Kommunikation geradezu an.

Worüber redet man?

Ich komme aus Gera. Meine Heimatstadt bietet unendlich viel Gesprächsstoff. Wobei ich es persönlich besser finde, über die positiven Dinge der Stadt zu reden. Die ewige Herumnörgelei, was in Gera alles nicht so gut läuft, zieht die Leute doch nur noch weiter hinunter. Jetzt mit der beginnenden warmen Jahreszeit ist auch das Grillen ein beliebtes Gesprächsthema. Man kann wohl endlos darüber diskutieren, ob die Rostbratwurst vom Gasgrill anders schmeckt als die vom Holzkohlegrill. Und ob das Steak vor dem Grillen gesalzen werden sollte oder danach. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch in zig Jahren noch darüber gefachsimpelt wird, ohne auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Welche Fallen muss man vermeiden?
Logischerweise in kein Fettnäpfchen treten! Für ein gutes Gespräch ist es wichtig, Blickkontakt zu halten und interessiert an den Worten des Gegenübers zu sein. Wobei aufmerksames Zuhören nicht bedeutet, dass man selbst den Mund zu halten hat. Nachfragen und Aussagen hinterfragen ist enorm wichtig für einen guten Small Talk.

Renate Ernst, Taxifahrerin aus Nordhausen

Wie kommt man ins Gespräch?
Ich öffne die Beifahrertür und grüße freundlich. Die meisten, die neben mir Platz nehmen, möchten plaudern. Sie sagen nicht nur, wo es hingehen soll, sondern erzählen von sich aus mehr. Da hake ich nach. Nach gut 20 Jahren in diesem Job spüre ich schnell, ob jemand entspannt, gestresst, fröhlich oder verärgert ist. Wer sich wortkarg nach hinten setzt, will seine Ruhe haben. Dann ist es nicht meine Aufgabe zu animieren. Gerade deshalb fahre ich ja gern Taxi: weil man die unterschiedlichsten Menschen trifft.

Worüber redet man?
Das hängt vor allem vom Ziel ab. Gäste auf dem Weg zum Reisebus oder Flieger schwärmen vom Urlaub - und auf dem Rückweg von ihren Erlebnissen. Touristen frage ich, wie es ihnen hier gefällt, was sie sehen möchten. Ein Drittel meiner Fahrten sind Krankentransporte. Menschen, die zur Operation, zur Chemotherapie oder Dialyse müssen, erzählen von ihrem Leben und ihrer Angst. Ihnen tut es einfach gut, einen Zuhörer zu haben. Es gibt immer wieder Schicksale, die mir sehr nahe gehen, zum Beispiel der Krebstod eines 17-Jährigen. Andere Stammkunden wurden geheilt. Dann freuen wir uns gemeinsam.

Welche Fallen muss man vermeiden?
Hat ein Paar Streit, darf man sich auf keinen Fall einmischen. Ich höre weg, lasse mich auf keine Diskussion ein. Das gilt übrigens auch für den Fahrpreis. Der ist vorgeschrieben. Wer verlangt, dass ich den Taxameter ausschalte, hat keine Chance.

Frank Kütterer, Kundenberater und Teamleiter für Kobold-Staubsauger bei Vorwerk in der Region um Bad Sulza

Wie kommt man ins Gespräch?
Das ist relativ einfach, seit wir ein neues Geschäftsmodell haben. Bei Vorwerk klingeln wir nicht mehr unverhofft an Türen, sondern betreuen einen festen Kundenstamm. Da kann ich an Dinge aus der Vergangenheit anknüpfen, wenn ich zum Beispiel weiß, dass die Tochter gerade studiert oder mein Kunde gern in seinem Garten arbeitet.

Worüber redet man?
Ich gehe mit offenen Augen ins Kundengespräch. Da ergibt sich immer ein guter Einstieg ins Gespräch. Es sind meist die alltäglichen Dinge, zu denen der Kunde einen Bezug hat: das Haustier, das Auto, Hobbys. Ich kenne ihn. Auch aus früheren Unterhaltungen ergeben sich Anknüpfungspunkte.

Welche Fallen vermeidet man?
Ich möchte auf keinen Fall oberflächlich wirken. Man sollte auch nicht mit schlechter Laune zum Kunden gehen. Der merkt das garantiert. Ganz wichtig ist es, den Kundennamen zu wissen und ihn richtig auszusprechen. Themen zu Religion und Politik klammere ich grundsätzlich aus.


Von den AA-Autoren Jana Scheiding, Axel Heyder, Simone ­Schulter, Helke Floeckner, Michael Steinfeld, Sibylle Klepzig, Ines Heyer und Steffen Weiß
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
12.761
Renate Jung aus Erfurt | 28.06.2015 | 23:39  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige