Spione am Geldautomaten: 50 Skimming-Fälle in Thüringen 2010

Kriminalobermeisterin Jana Schilling vom LKA Thüringen zeigt einen manipulierten Kartenleser, den die Täter einfach vor das Original klebten. (Foto: Thomas Gräser)
 
Die Montage zeigt einen sichergestellten Tastaturnachbau. Von vorn ist er vom Original nicht zu unterscheiden. Doch die Rückseite birgt eine elektronische Schaltung mit winzigen Chips, um die Geheimzahl zu speichern.
Erfurt am 5. März 2011: Ein Besucher aus Chemnitz will am Domplatz Geld abheben. Weil es ein Außenautomat ist, schaut er genauer hin. Er entdeckt eine unübliche Leiste an der Blende. Als er sie abzieht, kommt eine Mini-Kamera zum Vorschein. Ein Fall von Skimming. Polizei und Bank werden informiert.

Leider kein Einzelfall. Immer öfter manipulieren Ganoven Geldautomaten, um EC-Kartendaten auszuspionieren. Auch in Thüringen. "Es sind vorwiegend ausländische Tätergruppen, die organisiert vorgehen", erklärt Peter Hehne, Abteilungsleiter des Landeskriminalamtes Thüringen. Die Datenbeute wird ins Ausland versendet und dort auf Kartenrohlinge, sogenannte White Plastics, übertragen. Mit der Kopie der EC-Karte heben Komplizen dann weltweit Geld ab. Mit einer Ausnahme: Die Geldautomaten in Deutschland lehnen White Plastics ab.

"50 Skimming-Fälle gab es im vergangenen Jahr in Thüringen. 18 davon in Erfurt und 10 in Jena." Mit Zahlen belegt Peter Hehne, dass das Problem ernstzunehmen ist. 342 Mal haben sich die Täter mit Hilfe der im Freistaat ausspionierten Daten an fremden Konten bedient. Geld abgehoben wurde unter anderem von Italien, Spanien und Großbritannien aus. Der Schaden, der dabei entstand, beträgt knapp 500 000 Euro.

Um die Täter zu ermitteln, agieren Kriminalisten international. Peter Hehne zeigt ein Schreiben von Interpol, in dem der australische Zoll von beschlagnahmten neuartigen Skimming-Modulen berichtet. Werden Täter geschnappt, haben sie mit hohen Strafen zu rechnen. Im April 2010 wurden zum Bespiel fünf Rumänen vom Landgericht Gera zu Freiheitsstrafen zwischen drei und acht Jahren verurteilt.

Hintergrund:

- Skimming (übersetzt: abschöpfen) ist ein englischer Begriff für das Ausspähen von EC-Kartendaten. Für die Herstellung einer EC-Kartenkopie brauchen die Täter die Daten des Magnetstreifens und die Geheimnummer (PIN).
Darum bringen sie manipulierte Kartenleser am Geldautomaten oder Türöffnern an. An die PIN kommen sie durch Tastaturnachbauten oder durch Mini-Kameras, die die Eingabe aufnehmen.

-Die Banken reagieren mit verschärften Sicherheitsregeln. Sie arbeiten an neuen Geldautomaten mit Skimming-Schutz und an der Umstellung auf die sicherere Chiptechnologie. Das Problem: Es gibt keine internationalen Standards. Eine Beruhigung für Skimming-Opfer: In der Regel erstatten die Banken das Geld zurück. Wichtig ist es, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Die Schadenswiedergutmachung ist zivilrechtlich geregelt.

Präventionetipps

Die technischen Manipulationen sind nur schwer zu erkennen. Diese Tipps verringern das Risiko, durch einen Skimming- Angriff geschädigt zu werden:
• Geben Sie Ihre PIN nie an einem Kartenleser zur Türöffnung ein. Kein Geldinstitut verlangt für den Zugang die PIN.
• Besser unterschiedliche Karten für die Türöffnung und den Geldausgabeautomaten nutzen.
• Verdecken Sie die Sicht auf die Tastatur.
• Achten Sie auf Veränderungen des Karteneinzugsschachts und der Tastatur. Ruckeln Sie an Vorrichtungen, die ihnen sonderbar vorkommen. Die Nachbauten sind nur angeklebt und lassen sich leicht entfernen.
• Wer nicht oft in andere Länder reist, kann seine Geldkarte für das Ausland sperren lassen. Das nimmt den Tätern die Chance, sich vom Ausland aus an ihrem Konto zu bedienen. Bei Bedarf kann man die EC-Karte zeitweise für eine Reise freischalten lassen.
• Rufen Sie bei Skimming-Verdacht die Sperrzentrale der Bank oder den Sperrnotruf 116 116 an und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

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