Stoff zum Umdenken: Erfurter Studenten nähen Stoffbeutel und ziehen dafür Plastikbeutel aus dem Verkehr

Ina Dürig mit einigen der selbstgenähten Stoffbeutel

Viel Stoff zum Umdenken: Studenten von der Universität Erfurt starten ein Umweltprojekt und tauschen selbstgenähte Stoffbeutel gegen Plastiktüten

So bequem - und so schädlich



Es ist schön praktisch und so bequem: Beim Einkaufsbummel reicht die Verkäuferin das Neuerworbene im Plastikbeutel über den Ladentisch. So lässt es sich gut transportieren. Im nächsten Geschäft genau das Gleiche. Wunderbar, das ist Service. Gedankenloser Service: Die meisten der Plastiktüten landen schnell im Müll, später in den Meeren. Sie zersetzen sich so gut wie nicht, richten in der Natur und bei den Tieren schlimme Schäden an. Dabei ist der Einsatz dieser Beutel nicht notwendig, zumindest kann er verringert werden.

Anstoß zum Umdenken



Rebekka Kalbhenn, Theresa Pauser, Lisa Unglaub, Katharina Spannaus, Laura Link, Ina Dürig, Lisa Gebhardt, Franziska Schulz, Sissy-Carolin Schedel und Katharina Frisch nehmen sich genau dieses Themas an. Die Studentinnen der Universität Erfurt befassen sich innerhalb eines Nachhaltigkeitsprojekts bei ihrem Studium damit, wie sie etwas verändern, andere zum Umdenken bewegen können. Das tun sie nicht nur auf dem Papier, indem sie Fakten zusammentragen. Ihre Idee, die über das normale Projekt hinausgeht und für die sie viele Stunden mehr aufbringen, als nötig wären: Sie nähen Stoffbeutel. Die wollen sie nicht einfach verschenken, sondern an einem Tag im Januar im Thüringenpark gegen Plastiktüten tauschen, die die Besucher extra mitbringen. So soll etwas von dem Plastikmüll aus dem Verkehr gezogen werden.

Andere sensibilisieren



“Ganz wichtig ist es uns dabei, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sie zu sensibilisieren“, weiß Ina Dürig, die schon einige Beutel genäht hat. Ihre Argumente halten die Studenten in Form von Zahlen und Fakten in selbstgestalteten Flyern mit, die es zu jedem Beutel dazu gibt. Jeder soll wissen, warum es so gut für die Umwelt ist, keine Plastikbeutel zu benutzen. Am liebsten wäre es ihnen, wenn ihre Stoffbeutel dann ständig im Einsatz sind. Jeder einzelne, der mit Unterstützung der Lernwerkstatt auf dem Petersberg entsteht, wird ein Unikat sein. „Sie sollen schon ziemlich cool aussehen“, verrät Ina, dass die Beutel auch noch kleine Hingucker sein könnten. Um möglichst viele Beutel entstehen zu lassen, brauchen die Studentinnen Hilfe - in Form von Stoff für ihre Beutel, den sie an drei Tagen sammeln.


Vor ein paar Wochen, als das Projekt noch nicht aktuell war, sei sie selbst eher unbeschwert mit dem Thema umgegangen, gibt Ina zu. Doch längst geht es ihr so wie den anderen Studentinnen, auch den Freunden ringsherum: Stoff ist der Stoff, aus dem die guten Umweltträume sind. Plastik - das kommt nicht mehr in die Tüte!

Stoff-Sammelaktion



Bevor im Januar die Tüten-Beutel-Tausch-Aktion im Thüringenpark stattfindet (Termin wird noch bekanntgegeben), wollen die Studentinnen so viele Stoffbeutel wie möglich nähen. Dafür benötigen sie Stoff, er sollte einigermaßen robust sein. Wer der Umwelt Gutes tun und etwas beisteuern möchte, kann dies heute (Mittwoch, 10. Dezember) tun: Die Studenten nehmen die Stoffe bei Rewe im Melchendorfer Markt entgegen. Nächste Sammeltermine: 15. und 16. Dezember (Montag und Dienstag) vor der Mensa der Universität Erfurt.




Zahlen & Fakten zum Thema Plastiktüten:



1 Billion Stück - auf diese Anzahl wird der jährliche weltweite Plastiktütenverbrauch geschätzt.


Jeder Deutsche verbraucht im Jahr mehr Plastiktüten, als er tragen kann.


Neun von zehn Plastiktüten werden in der EU nicht recycelt.


Es schwimmen in jedem Quadratkilometer der Meere Zehntausende Teile Plastikmüll.


Im Nordpazifik treibt seit Jahrzehnten ein Müllstrudel, der mittlerweile so groß ist wie Zentraleuropa.


Bis zur völligen Zersetzung von Plastik können 350 bis 400 Jahre vergehen.


Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen, Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton.


Weitere Informationen: http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
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2 Kommentare
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 11.12.2014 | 13:46  
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Norbert Graebel aus Erfurt | 17.12.2014 | 13:42  
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