Streit im Büro: Neun Stufen liegen zwischen angeregt diskutieren und Existenzen vernichten – Wer rechtzeitig gegensteuert, entschärft den Konflikt

Streitstufe vier eindeutig erreicht: Zoff im Büro kann schnell eskalieren. (Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC |

Streit kommt in der besten Familie vor. Aber nicht nur dort, auch in der Arbeitswelt. Im Kleinstbetrieb, in der Verwaltung und im Großkonzern gehören Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen zum Alltag.

Der aktuelle Skandal im VW-Konzern, die unleidliche und öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung zwischen den Alphatieren Piëch und Winterkorn, verdeutlicht aber, dass eine ungebremste Eskalation von Konflikten sehr unternehmensschädlich sein kann.

Wie konnte es dazu kommen? Aus der Konfliktforschung wissen wir, dass ein normaler Streit der Stufe eins, wie er häufig dann entsteht, wenn zu einer Sache unterschiedliche Auffassungen bestehen oder wenn in Fachfragen Wissen auf Unwissen trifft, in mehreren Stufen langsam eskaliert. Die Fronten verhärten sich.

Schaukeln sich die Meinungsverschiedenheiten - oft begleitet von Missverständnissen - weiter auf, wird der Konflikt öffentlich gemacht und erreicht Stufe zwei. Jetzt ist es nicht mehr eine Sache "unter vier Augen", sondern die Streitpartner versuchen, Verbündete für ihre Position zu finden.

In Stufe drei der Eskalation bilden sich Lager oder Parteien heraus, die sich gegenseitig, schwarz-weiß gemalt mit den Vorwürfen konfrontieren. Den Worten folgen jetzt Taten, Machtkämpfe brechen aus und die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien wechselt zwischen Rückzug und Angriff, zwischen Stillstand und Blockade. Spätestens an dieser Stelle des Konflikts müssen alle Alarmsignale angehen. Wenn jetzt nicht umfassend gehandelt wird und die Konfliktparteien gebremst werden, geraten Streitereien außer Kontrolle und führen geradewegs ins Verderben.

Mit Erreichen der Eskalationsstufe vier beginnt bereits die Negativspirale nach unten. Alle Parteien können nur noch verlieren, denn sie konzentrieren sich nur noch auf das Negativbild vom Gegenüber, verhalten sich feindselig und versuchen, Dritte als Partner auf die Seite einer Konfliktpartei zu ziehen. Der Konflikt eskaliert nun auch in Bereichen, die vorher unbeteiligt waren. Was einst harmlos als "Machogehabe" zweier Vorgesetzter begann, entwickelt sich nun zum Konflikt zwischen Abteilungen und Bereichen in einem Unternehmen.

In der Stufe fünf wird der Konflikt stärker personalisiert. Es geht gar nicht mehr um die eigentliche Sache, sondern nur noch darum, dem Gegner ein Gesicht zu geben und ihn persönlich anzugreifen und zu diffamieren. Die Schlammschlacht hat begonnen. Sie kennen es aus den Medien, wenn dann plötzlich peinliche und private Details veröffentlicht werden, die mit der Ursache des Konfliktes gar nichts zu tun haben. Ab jetzt gerät der Konflikt immer mehr aus den Fugen.

In der Stufe sechs wird dem Gegner mit Strafaktionen gedroht und Vergeltungsmaßnahmen werden gegenseitig angekündigt: Strafversetzung, Kündigung, Gehaltskürzung, Verweigerung von Boni und Zusatzzahlungen und vieles mehr.

Sabotage und Manipulationen


Leider bleibt es nicht dabei. Von jetzt an werden in Stufe sieben "begrenzte Vernichtungsschläge", also konkrete Strafaktionen gegen Personen und Sachen, organisiert und durchgeführt. Dies können zum einen in die Welt gesetzte Gerüchte sein, manipulierte Daten und Berichte, das absichtliche Zurückbehalten von Wahrheiten bis hin zu Sabotageakten an Maschinen, Anlagen und Softwaremanipulationen. Es geht nur noch darum, dem anderen zu schaden.

In den Stufen acht und neun erreicht der Konflikt seinen Höhepunkt. Es werden die Existenzgrundlagen der gegnerischen Partei vernichtet und auch deren Verbündete werden offen angegriffen und verleumdet. In der Konfliktstufe neun führen zum Beispiel Staaten Kriege. Bomben werden abgeworfen und Menschen getötet. In Unternehmen geht es in Stufe neun um die psychische und berufliche Vernichtung von beruflichen Existenzen, die dann selbstverständlich auch hohe materielle Schäden für den Betroffenen nach sich ziehen. Es wird hart gekämpft und auch eigene Verluste werden akzeptiert. Gemeinsam geht es in den Abgrund.

Fazit: Ein Streit endet nicht zwangsläufig dramatisch. Wer die Eskalationsstufen kennt, dem bietet sich die Chance, rechtzeitig gegenzusteuern und den Konflikt zu entschärfen. Bis zur Stufe vier kann dies in der Regel noch mit eigenen Mitteln gelingen. Aber so weit muss es ja nicht kommen!

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