Sympathisches Raubtier

Thomas Kümmel sammelt alles rund um das Lieblingstier des Menschen – Pokale, Fressnäpfe, Weihnachtsbaumschmuck, Spielzeug... In den kommenden fünf Jahren soll ein Info- und Dokumentationszentrum „Hund“ mit historischer Ausstellung in Weimar-Schöndorf entstehen. Fotos: Gräser
  Hundetrainer Thomas Kümmel will im „Hundezentrum“ aufklären, ausstellen und Traditionen bewahren

Was für ein Hundeleben in Thüringen: Im Freistaat werden hundefreundliche Bauernhofurlaube und Hundecamping angeboten. In Winterstein "liegt der Hund begraben" und ein anderes Denkmal ist in Apolda dem Dobermann gewidmet, der hier kreiert wurde. Und dann ist da noch der Weimaraner: In den waren die Amerikaner so verliebt, dass sie nach Kriegsende, durch Beschlagnahme ganzer Zuchtstämme, fast für das Aussterben dieser Rasse in und um Weimar sorgten. So viel Hund und keine Kultstätte.

Doch das soll sich ändern. Seit vielen Jahren sammelt Thomas Kümmel aus Weimar-Schöndorf Fakten, Exponate, Geschichte(n), etc. zum Thema Hund. Und genau so lange gärt in ihm das Verlangen nach einem Thüringer Hundemuseum. Rund 700 Exponate, darunter 400 Bücher, haben Susanne und Thomas Kümmel bisher zusammengetragen. In den nächsten fünf Jahren sollen diese auf einer 200 Quadratmeter großen Ausstellung in der Hundeschule "Passion" für jedermann zu sehen sein.

Dabei geht es den beiden Hundenarren darum, den Hund in seiner Komplexität darzustellen. "Es soll kein klassisches Museum werden, sondern ein Info- und Dokumentationszentrum ‚Hund‘ mit historischer Ausstellung zur Kulturgeschichte des Hundes", sagt Kümmel.

Die Hundetrainer wollen Menschen informieren und aufklären. Ihnen ist wichtig, dass altes Wissen, Erfahrungen von Züchtern, Jägern, Schäfern und Geschichten von Mensch-Hund-Beziehungen bewahrt werden. Im zukünftigen Hundezentrum können auch Schulungen und Infoveranstaltungen für Schüler, Züchter, Halter und Interessenten angeboten werden. Und Kümmel weiß aus Erfahrung, dass es Bedarf gibt: "Viele Hunde sind wegen der Lebensumstände überfordert." Eine artgerechte Beschäftigung fehlt oft. Manche Hundrasse will arbeiten, braucht aber auch Ruhepausen. "Ein Hund ist kein Dauerspielgerät. Er will nicht permanent bespaßt werden", mahnt Kümmel.

Der Hund ist ein sympathisches Raubtier, vom Menschen geschaffen. "Der Mensch hat ihn geformt, ihm bestimmte Verhaltensweisen angezüchtet", sagt Kümmel. Und auch das soll im "Hundemuseum" verdeutlicht werden. Hunde waren einst mehr Gebrauchstiere. Sie arbeiteten, hielten Wacht. "Heute verkümmern sie oft nur noch zum Sozialpartner des Menschen. Die goldene Substanz des Hundes wird nicht mehr genutzt", drückt es Kümmel aus. Und da besteht die Gefahr, dass Halter Dinge von Hunden verlangen, die sie nicht erfüllen können. "Das ist schon fast Tierquälerei, wenn Arbeitstiere in Wohnungen gehalten werden", sagt Kümmel. Der Mensch raubt - durch seine Verweichlichung - vielen Tieren ihren Grundcharakter. "Da brauchen wir uns nicht zu wundern, dass manche Hunde ausrasten", so Kümmel. Ein Hund muss ausgeglichen sein, muss sich in der Familie unterordnen. Und das ist erlernbar.

All das soll im "Hundezentrum" thematisiert werden. Es soll eine Plattform für das Kulturgut Hund sein und Entwicklungen in der Geschichte über Zucht, Jagd, Hundesport, Diensthundeund Veterinärwesen sein. Hier soll der Hund als Spiegelbild der Gesellschaft im Mittelpunkt stehen.


Mitmachen
• Für das Info- und Dokumentationszentrum "Hund" werden gesucht: - Nachlässe von Züchtern, - Geschichten über Mensch- Hund-Beziehungen,
- Hunde-Fotos und -filme,
- Erfahrungsberichte,
- Hunde-Gebrauchsgegenstände, Historisches
- Erfahrungen von Jägern, Schäfern, Züchtern, Haltern, Vereinen

• Hinweise nach 18 Uhr an:  0 36 43 - 41 04 47, Inform@tionen: hundeschule-passion.de


Wussten Sie schon,
• ...dass in Deutschland rund 5,5 Millionen Hunde leben?
• ...dass Deutschlands Hundebesitzer 2009 über eine Milliarde Euro für Futter ausgegeben haben?
• ...dass zwischen 30 und 50 Prozent der Hunde Übergewicht haben?
• ...dass Rittmeister Max Emil Friedrich von Stephanitz den Deutschen Schäferhund
erschuf?
• ...dass es früher nicht unüblich war, Hunde zu essen?
• ...dass zwischen 1905 und 1940 235 000 Hundeschlachtungen amtlich registriert wurden?
• ...dass die letzte offizielle Hundeschlachtung 1985 in Augsburg stattfand?
• ...dass 71 Prozent der Hundehalter ihrem Tier alle ihre Probleme erzählen?
• ...dass im Jahr 2011 in Weimar 2574 Hunde gemeldet waren?
• ...dass eine Universitäts-Tierklinik Silikon-Hundehoden für 400 Euro anbietet?
• ...dass es für Hunde Nasenschwärzmittel, Vorhautreiniger, Zahnpasta, Ballkleider und
Lebensversicherungen gibt?
• ...dass Erinnerungsdiamanten aus eingeäscherten Hunden in Mode sind?
• ...dass in Österreich Hundekadaver zu Biodiesel verarbeitet werden?
• ...dass im Jahr 2011 in Thüringen 6 202 407 Euro Hundesteuer eingenommen wurden?
• ...dass einst Fleischer und Bäcker ihre Waren mit Zughunden im Geschirr vor kleinen
Holzwagen ausfuhren?
• ...dass im II. Weltkrieg 200 000 Melde-, Sanitäts-, Minensuch- und Panzer-
Bekämpfungshunde im Einsatz waren?
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1 Kommentar
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 23.11.2013 | 11:41  
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