Thüringer Gehälter steigen - so lange man nicht in Gera lebt

Deutschlandweit werden die höchsten Gehälter nach wie vor im Süden und im Westen gezahlt. (Foto: Benjamin Klack / pixelio.de)
 
Unter den akademischen Berufen führen bundesweit die Ärzte und Zahnmediziner die Hitliste der Einkommen an. (Foto: Philipp Flury / pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC |

Mit dem Lesen von Statistiken kann man sich den Tag verderben oder aber „das Licht am Horizont“ erkennen. Es ist wie mit dem Glas Wasser – halb voll oder halb leer!

Dieser Tage erging es mir ebenso, denn es kam ganz dick. Mehrere Institutionen veröffentlichen gleichzeitig Statistiken zu den Zukunftsprog­nosen in Deutschland, der unsymmetrischen Entwicklung unter den Bundesländern sowie zu den ­Unterschieden bei Löhnen und Gehältern nach Berufsgruppen, ­Regionen und Unternehmensgrößen.

Ärzte sind Deutschlands Topverdiener



Okay, betrachten wir das Glas Wasser als halb voll. Danach ist Thüringen um einen Platz nach vorn gerutscht, wir haben Sachsen überholt und liegen jetzt auf Platz zwölf hinsichtlich des Brutto-Durchschnittsgehalts im Vergleich der Bundesländer. 39.314 Euro Jahresgehalt werden für Thüringen ausgewiesen. An erster Stelle liegt Hessen mit 57.002 Euro gefolgt von Bayern mit 56.801 Euro. Im Vergleich zu 2012 haben die Thüringer immerhin 1500 Euro zugelegt. Doch die Hessen und Bayern sind mit 3000 Euro Zuwachs voraus.

Unter den akademischen Berufen führen bundesweit die Ärzte und Zahnmediziner die Hitliste der Einkommen an, jedoch die Ingenieure haben aufgeholt, jetzt auf Platz drei. Auf den hinteren Plätzen liegen die Geistes- und Erziehungswissenschaften. Ein Einkommensgefälle im Angestelltenverhältnis von über 20.000 Euro im Jahr.

Erfurt, Weimar und Jena holen auf



Deutschlandweit werden die höchsten Gehälter nach wie vor im Süden und im Westen gezahlt. An dieser Einkommensschere hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, das Auseinanderdriften setzt sich fort. Die neuen Bundesländer kommen auf maximal 79,4 Prozent Einkommen im bundesweiten Vergleich und liegen damit fast 36 Prozent hinter Baden-Württemberg. Schaut man sich die Einkommen nach den Landeshauptstädten an, liegt Erfurt auf Platz 13 (80,3 Prozent).

Aber nicht nur die Einkommen sind sehr stark von der Region abhängig, es sind auch die Zukunftsaussichten, die Lebensqualität und der Wohlstand. Man kann mit Unterschieden und Defiziten leben, wenn wenigstens die Perspektive in die richtige Richtung zeigt. Doch danach sieht es nach dem Zukunftsatlas von PROGNOS für große Teile des Ostens nicht aus. Die gute Nachricht ist aber, Erfurt (Platz 177 von 402) und Weimar (Platz 108) holen auf und Jena behauptet sich unter den 40 besten Landkreisen in Deutschland (Platz 35).


Düstere Aussichten für Gera und den Kyffhäuserkreis



Sehr düster hingegen sieht es für Gera (Platz 336) und den Kyffhäuserkreis (394) aus. Hier werden sehr hohe Zukunftsrisiken ausgewiesen. Die Regionen Gotha und Eisenach liegen im Mittelfeld mit einem ausgeglichenen Chancen-Risiko-Mix. Leipzig, Dresden und Berlin sind die größten Aufsteiger im Osten mit einer demographischen Verjüngung.

Grundsätzlich muss man feststellen, dass – mit steigender Tendenz – ein dramatisches Nord-Süd-Gefälle entstanden ist und sich in den ländlichen Regionen des Ostens eine voranschreitende Entvölkerung und Vergreisung abzeichnen. Natur- und Freizeitpark Ostdeutschland – eine düstere Version?

Die Besten ziehen in den Süden



Der Drang in die Metropolen­regionen des Südens ist ungebrochen. Die Groß-Regionen München, Stuttgart und das Rhein-Main-Gebiet bieten beste Jobchancen und ziehen damit die jungen Arbeitskräfte und Absolventen magisch an. Wo viel ist, kommt immer…!

Wie ernst sollte man Statistiken nehmen? Kommt es wirklich immer so wie prognostiziert? Die Tendenzen sind erst einmal eindeutig, aber es wird auch Gegenbewegungen geben. Schon erkennt man, dass in den Ballungsräumen die Lebensqualität mindernde Belastungen zunehmen. Der Bevölkerungszuwachs rekrutiert sich vorwiegend und temporär über Singlehaushalte, die – wenn sie eine Familie gründen – aus den hochpreisigen Zentren in die Regionen abwandern (müssen).

Neue Konzepte müssen her. Vielleicht stoppt ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ das Abwandern, führt zur Entschleunigung des Arbeitslebens und erhöht die Lebensqualität im ländlichen Raum. Lassen Sie uns darüber diskutieren.

Information


1. Wachstums- und Zukunfts­chancen der Län­der und Kreise in Deutschland im Zukunftsatlas von Prognos: www.prognos.com/zukunftsatlas/16/

2. Deutschlandweite Infos über Löhne und Gehälter nahezu aller Berufsgruppen: http://entgeltatlas.arbeits­agentur.de

3. Gehaltsvergleiche, Durchschnittseinkommen und regio­nale Unterschiede im Gehalts­atlas von Stepstone: www.stepstone.de/gehaltsreport/
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