Tiertafel in Not

Sabine Streng bangt um die Erfurter Tiertafel.
Liebevoll streichelt der ältere Herr seinem Hund übers Fell. Warte noch einen Moment, gleich gibt es etwas zu futtern, scheinen seine Hände dem quirligen Mischlingsrüden mitteilen zu wollen. Und richtig, schon ist der Mann an der Reihe und bekommt das Futter, das der Hund in den nächsten Tagen braucht. „Ich hätte es mir nicht leisten können, muss jeden Cent dreimal umdrehen“, sagt er leise, möchte eigentlich nicht darüber reden. Der Hund ist der einzige Luxus, den er sich leistet. Er hat ja sonst niemanden mehr...

An jedem zweiten Samstag öffnet die Erfurter Tiertafel ihre Pforten. Längst ist die Adresse am Berliner Platz ein fester Anlaufpunkt für jene, deren weniges Geld nicht ausreicht, um ihren tierischen Lieblingen ausreichend Futter zu geben. Gut 300 Tierbesitzer nutzen das Angebot, an jedem Öffnungstag sind es mindestens 100 von ihnen, die hier Nachschub holen.

Doch wie lange wird das noch so sein? Ausgaben­stellenleiterin Sabine Streng befürchtet Schlimmes. Der Hintergrund: Bislang hatte die Tiertafel einen Untermietvertrag mit tegut. Die Lebensmittelkette zeigte sich großzügig und wollte von der Tiertafel lediglich die entstandenen Nebenkosten erstattet haben. Eine perfekte Lösung, schließlich sind die Tierfreunde zu einhundert Prozent auf Spenden angewiesen. Jetzt aber wurde der gesamte Gebäudekomplex verkauft, ab November hat der neue Besitzer das Sagen.

 Er war auch schon vor Ort und stattete Sabine Streng einen Besuch ab. „Wirklich geäußert hat er sich nicht zu unserem Anliegen, aber er hat schon erklärt, dass er künftig Miete haben will“, erinnert sich die Tiertafel-Chefin an die Begegnung. Diese Miete muss erst einmal aufgebracht werden. Ihr Bauchgefühl verheißt noch Schlimmeres: „Wir werden wahrscheinlich dort raus müssen, und dann stehen wir auf der Straße! Das wäre Wahnsinn, denn die Bedürftigkeit steigt von Monat zu Monat“. Und das alles jetzt, wo es so gut läuft. Die Tiertafel hat sich seit ihrer Eröffnung 2008 einen guten Namen in der Stadt gemacht, inzwischen hat sie feste Sponsoren, die den Bedürftigen regelmäßig Futter spenden.

Aus Angst, von heute auf morgen die Nachricht über eine Kündigung zu erhalten und auch, weil die Tiertafel schon fast aus allen Nähten platzt, suchen die zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter nun dringend nach einer Alternative. „Wir brauchen einen Raum, der mindestens fünfzig Quadratmeter groß ist“, erklärt Sabine Streng. Er darf nicht viel kosten, muss halbwegs bezahlbar sein und sollte gut zu Fuß und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein.

KONTAKT
E-Mail: erfurt@tiertafel.de oder Tel. 0151/42336181.
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1 Kommentar
Helke Floeckner aus Erfurt | 07.11.2012 | 09:48  
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