TU Ilmenau forscht an Robotern, die Senioren längere Selbstständigkeit ermöglichen sollen

Kleiner Roboter namens Max: die TU Ilmenau forscht an Lösungen zum Pfelgenotstand. Andrea Scheidig, Projektleiterin. Fotos: Heyder
  Ilmenau: TU Ilmenau, Curiebau |

+ Roboter in Seniorenheimen + Kann Teile der Arbeit einer Pflegekraft übernehmen +

Der kleine Max kann mit den Augen rollen. Ist immer auf vier Rädern unterwegs. Er besitzt ein taubenblaues Streichelfell auf dem Kopf, kann schnurren wie ein Kater, wenn er gekrault wird. Sein Display auf der Brust ist großflächig und besonders einfach gehalten. Mit ein wenig Fantasie ist Max von „R2D2“ aus der Starwars-Trilogie gar nicht so weit entfernt. Nur eben, dass er viel besser zu verstehen ist. Denn der kleine Roboter kann zwar nicht hören, aber sprechen. Und folgen wie ein Haustier.

Selbst wenn die Projektnamen für seine Entwicklung kompliziert klingen (SYMPARTNER/SERROGA), die Idee dahinter ist einfach: Weil unsere Gesellschaft altert und der Bedarf an Pflegekräften wächst, sind Lösungen gefragt.

Neuroinformatiker der TU in Ilmenau arbeiten deshalb daran, es mit Hilfe von Robotern Senioren zu ermöglichen, so lange wie es geht, ihre Selbstständigkeit zu erhalten. Solche technische Hilfsmittel können zwar keine Pflegekraft ersetzen, aber Robotertechnik ist durchaus jetzt schon in der Lage, Teile der ihrer Arbeit zu übernehmen.

„Der Roboter, unseren Prototyp wir entwickeln ihn gemeinsam mit der Ilmenauer Firma MetraLabs, muss zwei Dinge leisten können: Als Roboter muss er sich bewegen und beispielsweise Personen erkennen können. Über ein eingebautes Kamerasystem ist er in der Lage Notfälle zu erfassen und zu melden.

Außerdem können Senioren mit ihm Videotelefonate führen, um nur einige Beispiele zu nennen“, erklärt Andrea Scheidig, wissentschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin. Das sei der technische Teil. Zudem kann der Roboter den Senioren Services anbieten. „Er kann Vitaldaten messen, wie den Puls, über die Durchblutung des Gesichtes. Aber er kann Wetterinformationen und Aktivierungsvorschläge anbieten, also die Senioren auffordern, etwas zu tun.“

Seit 2008 wird daran geforscht. Weil die TU nicht dafür zuständig ist, ein Endprodukt zu entwickeln, lasse sich jedoch nicht sagen, wann derartige Geräte in der Praxis eingesetzt werden.

Prototyp Max allerdings war schon im Einsatz bei Senioren. „Bei allem, es ist sicher der schwerere Weg, haben wir von Beginn an darauf geachtet, dass wir Senioren das Gerät testen lassen und die Rückmeldungen mit einfließen lassen.“ Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Erfurt sei da ein zuverlässiger Kooperationspartner, dort habe Wohngruppen mit Max „gelebt“ und „gerarbeitet“. Das System ist lernfähig, merkt sich Anforderungen, die häufiger gebraucht werden.

Mechanik, Software und Sensomotorik


Neben dem rein Mechanischen und den Services forscht man inIlmenau zudem daran, inwieweit sich Interaktionen mit dem Gerät verbessern lassen. „Er hat ein sensomotorisches Fell auf dem Kopf, wird er gekrault, fängt er an zu Schnurren wie ein Kater“, erklärt Scheidig. Die Senioren wüssten zwar, dass es sich um eine Maschine handelt, aber seinen Zweck erfülle es dennoch. Die gesamte Oberfläche sei sensomotorisch. Für die Praxis und den späteren Einsatz müssten vor allem die Serviceangebote erweitert werden. Dafür habe man den Softwareentwickler Cibek mit ins Boot geholt.

„Prinzipiell ist es möglich, all die Dinge zu integrieren, die man in Smartphones oder auf Tablets als App nutzt“, erklärt Scheidig, „unsere Aufgabe ist das aber nicht, das 'Wie' ist eine Sache des Marktes.“ Auf Bezahlbarkeit werde aber bei der Entwicklung geachtet. „Gut wäre ein Endprodukt, das zwischen 5000 und 10.000 Euro kostet.“ Und so wird Max zunächst weiter seine Runden bei der AWO drehen, wann immer eher etwas Neues dazu gelernt hat.
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