Über Fremdwörter: Abrasivität? Hauptsache niedrig!

Wer auf Zahnpasta pfeift, hat auch nichts mit Abrasivität am Hut. (Foto: N.Schmitz / pixelio.de)
Als ich noch klein war und keine vom Rauch verfärbten Zähne hatte, wirkte der abendliche Blick auf die Zahnpastatube etwa so bedrohlich auf mich wie heute ein Teller Tote Oma. Die Einstufung des Zähneputzens als besonders gefährliches Ereignis teilte ich damals mit meinem großen Bruder.

Heute teile ich mit meiner Freundin weder die Angst, noch die Zahnpastatube, wohl aber die Einschätzung unbekannter Fremdwörter auf dem Stiftung-Warentest-Vermerk. "Ich wollte Dich noch fragen, was dieses Fremdwort mit A auf der Tube bedeutet." Mich ehrt das. Allein die Mutmaßung, ich könne dank journalistischer Tätigkeit als Lexikon geeignet sein. Abrasivität. Das hatte ich allerdings auch noch nie gehört. Auf den ersten Blick kein Prädikat, um zu glänzen. Zumal das Zähneputzen zwischen Couscous und Kopfkissen für tiefgreifende Reflexionen weniger geeignet scheint. Warum also besondere Eigenschaften mit unverständlichen Fremdwörtern verkaufen, zumal auf einem Plastikding, dass den meisten Menschen wahlweise kurz vor oder direkt nach dem Tiefschlaf in die Hände fällt?

Fremdwörter wirken oft nicht nur fremd, sondern auch irgendwie bedrohlich. Abrasivität könnte die Eigenschaft eines Keimes beschreiben, der einem die Zähne zersetzt. Oder in Hauer verwandelt. Oder beides. Irgendwas zwischen Anthrax, Ataxie und Apathie vielleicht.

Wir putzen uns trotzdem die Zähne, mit der Paste aus der Tube mit dem Wort Abrasivität darauf. Ich stelle fest: Egal wie schlimm die Dinge liegen mögen, man muss das Fremdwort nicht verstehen. Entscheidend ist das Adjektiv. Niedrig. Abrasivität niedrig. So steht es direkt unter der Note 1,0. Dann kann es ja so schlimm nicht sein, ist ja niedrig, diese Abrasivität. Abrasivität hoch oder wahrscheinlich oder vorhanden oder unumgänglich - so würde ich mir nicht die Zähne putzen. Aber niedrig schadet ja nichts. Egal was. Hauptsache nicht zu viel.

Mit strahlenden Zähnen und frischem Rachenduft komme ich mir dann trotzdem einfältig vor, weil ich mich von minimalistischen Adjektiven beruhigen lasse. Das wäre mir früher nicht passiert. Nur ein kurzes Zähneputzen. Mit kleiner Bürste. Und ganz wenig Paste. Nein danke! Nichtmal ein Häppchen Tote Oma.

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25 Kommentare zum Beitrag
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Emanuel Beer aus Gotha am 09.12.2011 um 09:28 Uhr  
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Steffen Weiß aus Gera am 09.12.2011 um 09:32 Uhr  
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Emanuel Beer aus Gotha am 09.12.2011 um 09:39 Uhr  
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Axel Heyder aus Erfurt am 09.12.2011 um 09:48 Uhr  
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Steffen Weiß aus Gera am 09.12.2011 um 09:58 Uhr  
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Emanuel Beer aus Gotha am 09.12.2011 um 10:00 Uhr  
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Steffen Weiß aus Gera am 09.12.2011 um 10:02 Uhr  
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Emanuel Beer aus Gotha am 09.12.2011 um 10:32 Uhr  
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7.412
Hannelore Grünler aus Artern am 11.12.2011 um 03:20 Uhr  
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7.412
Hannelore Grünler aus Artern am 12.12.2011 um 06:54 Uhr  
1.927
Emanuel Beer aus Gotha am 12.12.2011 um 09:29 Uhr  
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