Über Geld spricht man wieder

Über Geld spricht man nicht, oder? Ein Landgericht brachte jetzt neuen Schwung in die Diskussion. (Foto: Thomas Klauer/Pixelio.de)
Im Freundeskreis oder unter Kollegen kennt man sich. Ehescheidung und Liebeskummer, Urlaubsabenteuer, Probleme mit „missratenen“ Kindern – über viele peinliche Dinge unterhält man sich ganz offen. Nur wenn es ums konkrete Geld geht, um die Frage „Was verdienst du?“, dann trifft man meistens auf Schweigen. Unter Kollegen in der gleichen Abteilung ist die Bereitschaft, über das eigene Einkommen zu sprechen, besonders gering.

Seit mehreren Jahren zeigen Studien zur Gehalts­entwicklung, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer und Angestellten nur selten über den eigenen Verdienst spricht. Je höher die ­Hierarchiestufe in einem Unternehmen, desto verschwiegener geht es zu. Offensichtlich fürchtet derjenige, der mehr als der Durchschnitt verdient, den Neid seiner Kollegen. Wer darunter liegt, schämt sich womöglich dafür. Leider definieren viele Menschen ihren eigenen Wert über ihr Einkommen und die daraus gewonnenen Statussymbole. Neid, Depressionen und ein schwaches Selbstwertgefühl sind die Folgen.

Über ein Drittel der ­Beschäftigten vermuten, dass es bei ihrem Arbeitgeber große Lohnunterschiede in der Abteilung gibt. Die überwiegende Mehrheit – über 80 Prozent – beklagt die Intransparenz der Gehaltsstruktur im gesamten Unternehmen über alle Hierarchiestufen.

Das Tabuthema Gehalt hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten verfestigt und vielen Unternehmen war die Schweigsamkeit der Mit­arbeiter zu diesem Thema nur recht. In vielen Arbeitsverträgen wurde sogar die ­besondere Verschwiegenheit (Redeverbot) zum Thema ­Gehalt schriftlich vereinbart.

Doch ist das rechtens oder gerecht? Was passiert, wenn ich trotzdem mit einem Kollegen über mein Gehalt spreche? Diese Frage war Gegenstand eines Gerichtsprozesses vor dem Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern. Ein Unternehmen hatte einen Arbeitnehmer schriftlich abgemahnt, weil er sich mit einem Kollegen über sein Entgelt unterhalten hatte. In seinem Urteil stellte sich das Landesarbeitsgericht auf die Seite der Arbeitnehmer.

Wird der Arbeitnehmer verpflichtet, über ­seine Arbeitsvergütung auch gegenüber Arbeitskollegen Verschwiegenheit zu bewahren, ist diese Klausel laut Gericht unwirksam. Denn sie hindert den Arbeitnehmer daran, Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz zu ahnden.

Mit dieser Entscheidung machte das Landesarbeits­gericht dem Tabuthema ein Ende. Sie dürfen über ihre Entlohnung sprechen. Wenn Sie sich ­bezüglich Ihres eigenen Arbeitsvertrages nicht sicher sind, fragen Sie nach bei ihrem Anwalt oder einer anderen Rechtsauskunft.
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 17.03.2013 | 11:28  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 17.03.2013 | 17:36  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 17.03.2013 | 20:42  
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