Verstehen Sie den Beipackzettel?

Thüringens Apotheker helfen, das Kleingedruckte im Beipackzettel zu verstehen

Es gibt ihn im Nasenspray und in Kopfschmerztabletten, in pflanzlichen Arzneimitteln und in Blutdrucksenkern - Beipackzettel kommen in allen Arzneimittelpackungen vor. Er enthält für Patienten wichtige Informationen zum Medikament, wie die Art und Dauer der Anwendung, Dosierung und Lagerung. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker unterstützen Verbraucher, das Kleingedruckte in der Packungsbeilage zu verstehen.

Fachwörter wie Agranulozytose, pseudomembranöse Enterokolitis oder Stevens-Johnson-Syndrom lassen Verbraucher schnell verzweifeln. "Was in der Packungsbeilage stehen muss, ist gesetzlich genau geregelt. Das ist unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Medikament der Selbstmedikation oder aber um ein verschreibungspflichtiges Präparat handelt", erklärt Apotheker Danny Neidel, Pressesprecher der Region Erfurt.

Einer Studie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zufolge, das in Deutschland für die Zulassung von Medikamenten zuständig ist, hat von den 100 am häufigsten verordneten Arzneimitteln nicht einmal die Hälfte eine gut lesbare Packungsbeilage. Einen sehr gut verständlichen Text haben sogar nur vier der geprüften Arzneimittel.

"Am häufigsten sind Verbraucher von der langen Liste der Nebenwirkungen irritiert", so Neidel. Schon allein aus haftungsrechtlichen Gründen weisen Unternehmen auf alle möglichen unerwünschten Wirkungen hin. Dabei ist es egal, ob die Reaktionen "sehr selten", also bei weniger als einer Person unter 10.000, auftritt oder "sehr häufig" - bei einem von zehn Patienten. Bei den Angaben handelt es sich lediglich um statistische Wahrscheinlichkeiten. "Patienten sollten immer bedenken, dass jeder Mensch individuell auf ein Arzneimittel reagiert. Das ist zum Beispiel auch davon abhängig, ob noch weitere Arzneimittel eingenommen werden", sagt Neidel.

Seit fünf Jahren müssen Hersteller Lesbarkeit und Verständlichkeit der Beipackzettel von Laien prüfen lassen. Sie werden angehalten, kurze, leicht verständliche Sätze zu verwenden und Fachwörter zu vermeiden. Dennoch: "Die Fülle an Informationen kann verunsichern oder sogar Angst machen", so Neidel. "Im schlimmsten Fall leidet die Therapietreue darunter, die Behandlung wird abgebrochen oder die Arzneimittel landen im Müll."

Soweit darf es Neidel zufolge gar nicht erst kommen: "Wer Zweifel an seinem Medikament hat, sollte diese mit seinem behandelnden Arzt oder einem Apotheker besprechen. Nutzen und Risiko eines Präparates abzuwägen, ist nicht immer leicht. Doch in einem Beratungsgespräch lassen sich die Bedenken häufig klären."
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Thomas Twarog aus Erfurt | 10.03.2011 | 18:22  
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