Warum Weimars Müll Schiller glücklich macht

Erfolg macht glücklich : Mario Schiller hat gut Lachen, seine Geschäfte laufen.
Ein findiger Aufkäufer von Sekundärrohstoffen expandiert und verwirklicht seine Ziele

Von Thomas Gräser


Vor vier Jahren war bei Mario Schiller (42) das Maß voll. Andere wären glücklich über den Job als Anlagenfahrer, doch er fühlte sich unter Druck stehend, gemobbt… Er wollte freier entscheiden können, selbstständig sein, an der frischen Luft arbeiten. Da kam ihm damals die Annonce einer Verwertungsgesellschaft "Aufkäufer gesucht" gerade recht. Er bewarb sich, sein Unternehmertum nahm seinen steten Lauf. Heute resümiert er: "Ich bin ein glücklicherer Mensch geworden!"

Angefangen hat alles mit der Eröffnung einer Annahmestation 2005 in Apolda. Hinter dem Landratsamt befand er sich, der bescheidenen "Papieraufkauf". Neben den ausgedienten Druckerzeugnissen nahm der Jungunternehmer damals teilweise auch Alttextilien an. Schon zu dieser Zeit wusste er, dass er expandieren werde. Die Annahme von Flaschen, Gläsern und eventuell von anderem Recyclingmaterial stellte er sich kühn vor. Er sollte Recht behalten: Hohe Ziele gesteckt und erreicht. Ein kontinuierliches Dranbleiben zahlt sich eben aus.

Vor fast zwei Jahren kam die erste Filiale in Weimar Nord hinzu. Die zweite folgte im Mai letzten Jahres in der Milchhofstraße, und in Apolda zog er neben das Glockenmuseum um. Auch der Service und die Annahme-Palette sind vielfältiger geworden. Pfiffigkeit zahlt sich aus, auch oder gerade in dieser Branche, denn der Markt ist hart umkämpft. Und die Preise können schwanken. Bei Pappe ist der Markt zusammen gebrochen. Die Ursache liegt wohl in Fernost. China kauft nicht mehr genug auf. So sank Pappe auf Null Euro. Auch in dieser Branche bestimmt die Nachfrage den Preis. Doch das erschreckt Mario Schiller nicht mehr.

Heute nimmt er, der nun die Geschäfte mit seiner Frau führt, Papier, Textilien, Flaschen, Gläser, Pappe (wenn der Preis stimmt), Schuhe, Kabel, Schrott, Buntmetall und sogar CDs sowie DVDs an. Nun gut, horrende Entgelte kann man nicht für alles erwarten. Doch das Dezimieren der Müllberge wird wenigstens belohnt. Und kontinuierliches Kleingeld häuft sich letztendlich auch.

Der findige Aufkäufer verwirklichte, neben dem Ausbau der Annahmestellen, auch andere Geschäftsideen. So installierte er zehn Papiertonnen bei Unternehmen vor Ort und Container in Kindereinrichtungen. Die Kleinen sind richtig fleißig und die Einrichtungen sowie Pro Familia Thüringen haben auch etwas davon. Nach Abzug der Kosten spendet Mario Schiller den Papierwert bar. Eine kleine Symbiose zwischen Geschäft und sozialem Engagement. Bleibt zu hoffen, dass alle Container immer gut mit den Sekundärrohstoffen gefüllt werden.

Kontakt und Öffnungszeiten: Annahme Milchhofstraße 2: Di, Do 10-12, 14-18 Uhr, Sa 10- 12 Uhr, Infos: 0176-48292380

AA-Artikel, Ausgabe Weimar/ Apolda vom 11. Februar 2009
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige