Was macht eigentlich das "Restaurant des Herzens" im Sommer?

Rena Hohlstein-Wessel plaudert mit einem der Frühstücksgäste.
 

Niemand is(s)t gern allein: Das Café des Herzens der Erfurter Stadtmission bietet zwölf Monate lang Bedürftigen ein Frühstück und benötigt dringend Unterstütung



Hunger haben sie nicht nur im Dezember und im Januar. In den beiden kalten Monaten öffnet Jahr für Jahr das „Restaurant des Herzens“ seine Türen. Für den Hunger von so vielen Bedürftigen, auch den nach Wärme und ein bisschen Geborgenheit, ist da gesorgt. Doch was ist in der restlichen, langen Zeit des Jahres?

Offene Türen und Herzen



Die Evangelische Stadtmission öffnet auch da Türen und Herzen. Im „Café des Herzens“ sind an jedem Wochentag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr Frühstücksgäste willkommen. „Während das Restaurant ja immer in aller Munde ist, werden wir hier übers Jahr vergessen“, bedauert Rena Hohlstein-Wessel, dass dieses Angebot im Erdgeschoss des Hauses weniger bekannt ist. Weniger Bekanntheit bringt auch mit sich, dass um jede Spende gerungen werden muss. Zum Frühstücksteller dazu gibt es Brot und Brötchen, Obst und Gemüse und Müsli. „Oft haben wir keine Milch, auch beim Käse sieht es nicht so gut aus“, muss die Leiterin von Restaurant und Café immer wieder feststellen. Aus dem Wenigen versuchen sie und ihre Helfer trotzdem das Beste zu machen. „Wenn jemand traurig herkommt, soll er später mit einem Lächeln wieder gehen“, so ihr Ansinnen.


Sie hat dabei viel mehr im Sinn, als die Café-Besucher 'nur' satt zu bekommen. Schließlich is(s)t niemand gern allein, weiß Rena Hohlstein-Wessel und wünscht sich, dass der Raum mehr und mehr auch zu einer Begegnungsstätte wird. Der Hunger nach ein wenig Geborgenheit und menschlicher Gesellschaft kann genau weh tun wie der im Bauch.


Ideen dafür hat sie viele. Sie spricht von Lesungen und von Kursen. Häkeln zum Beispiel. Vielleicht schlummert ja in dem einen oder anderen Besucher ein verborgenes Talent, an dem er die anderen teilhaben lassen kann. Handarbeiten, malen. Ein Schachspiel würde dem Café ebenfalls gut zu Gesicht stehen, andere Spiele auch. Oder die Möglichkeit, hier Vorträge zu hören, über gesunde Ernährung vielleicht, darüber, wie man Wohngeld beantragt oder zu ganz anderen Themen. Etwas gemütlicher würde es Rena Hohlstein-Wessel den Besuchern im Café auch gern machen. Sie sollen einfach herkommen, miteinander plaudern, sich beschäftigen, gern auch einbringen. „Ich glaube, das würde unseren Gästen hier sehr gut tun“, ist sie überzeugt. Draußen im Hof hat sie schon extra eine Sitzecke hergerichtet. Um herzukommen und ein wenig hierzubleiben, sich gut zu fühlen, nicht ausgeschlossen zu sein vom Leben, muss auch niemand einen Kaffee trinken. Nicht jeder hat dafür schließlich das Geld übrig.


Am liebsten würde Rena Hohlstein-Wessel sofort loslegen. Doch sie muss ihren Elan bremsen. „Wir können ja hier nicht wirklich planen oder rechnen, wissen nicht, ob wir Geld bekommen“, macht es der nicht beschlossene Haushalt der Stadt auch dem Café des Herzens schwer. Vielleicht, so hofft sie inständig, kann sie das Café ja wieder ein wenig mehr ins Bewusstsein der Erfurter rücken. Die haben zum Glück ein großes Herz.



Café des Herzens:



Frühstücksangebot (1 Euro pro Frühstücksteller) sowie Begleitung, Beratung und Unterstützung in sozialen Notlagen, Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr, Allerheiligenstraße 9 in Erfurt.

Wer helfen möchte:


Spendenkonto: Sparkasse Mittelthüringen, Kontonummer: 130 129 933, BLZ: 820 510 00, IBAN: DE36 8205 1000 0130 1299 33, BIC: HELADEF1WEM, Verwendungszweck: Café des Herzens.
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