Wer soll das bezahlen? Steuerbelastung wächst immer mehr

Trotz fleißiger Arbeit scheint einem das Geld nur noch durch die Hand zu rieseln. (Foto: Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de)
 
Einige müssen den Gürtel aufgrund der hohen Steuerlast immer enger schnallen. (Foto: Fionn Große/pixelio.de)
Erfurt: Freund HRC | Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber mit wem ich auch spreche: Jeder hat das Gefühl, dass trotz fleißiger Arbeit von Jahr zu Jahr unterm Strich immer weniger im Portemonnaie bleibt. Dieses Gefühl verstärkt sich - begleitet von den vielen Bankenrettungsplänen, Staatshaushaltskrisen und Inflationsszenarien. Trotz Rekord-Steuereinnahmen im letzten Jahr werden Politiker nicht müde, den Finanzbedarf des Bundes, der Länder und Kommunen immer weiter nach oben zu schrauben.

Wer soll das alles bezahlen? Sie kennen natürlich die Antwort: Wir alle. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erklärt dazu: Arbeitnehmer müssen in Deutschland so viel Steuern und Sozialabgaben leisten wie kaum in einem anderen Land. Der Faktor Arbeit wird in Deutschland durchschnittlich mit 51 Prozent besteuert, OECD-weit nur mit 36,4 Prozent. Sind Sie obendrein alleinerziehend oder alleinstehend mit geringem Einkommen, dann ergeht es Ihnen besonders schlecht.

Blicken Sie eigentlich noch im System der Steuern und Abgaben durch? Unser kompliziertes Steuersystem besteht aus direkten und indirekten Steuern. Zu den direkten Steuern gehören: Einkommenssteuer, Solidaritätszuschlag, Abgeltungssteuer, Erbschaftssteuer, Schenkungssteuer und die Vermögensteuer. Mit 36,37 Prozent war die Einkommensteuer inklusive Solidaritätszuschlag die größte Einnahmequelle des Fiskus am Gesamtsteueraufkommen. Wenn wir zu dieser noch die Sozialabgaben hinzurechnen, dann arbeiten die Deutschen in diesem Jahr bis zum 6. Juli nur für den Staat. 2013 zwei Tage länger als noch 2012.

Dies ist aber noch längst nicht alles. Weil sich nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes die direkten und indirekten Steuern annähernd die Waage halten, kommen über die indirekten Steuern weitere Belastungen auf Sie zu. Die Vielzahl der indirekten Steuern bemerkt man nicht sofort. Wissen Sie, dass Sie beim Kauf von je einem Kilogramm Röstkaffee 2,19 Euro und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilo Steuern zahlen? Ähnlich ist es bei der Mineralölsteuer: 65,45 Cent ist ihr Steueranteil für 1 Liter Benzin und 47,04 Cent für 1 Liter Diesel.

Dabei freut sich der Staat bei den meisten indirekten Steuern doppelt. Denn auf den Steueranteil für die jeweilige Verbrauchskategorie rechnet er noch 19 Prozent Mehrwertsteuer obendrauf. Eine Doppelbesteuerung, die eigentlich nicht den Grundsätzen der Steuergerechtigkeit entspricht. Nicht zu vergessen sind weitere Abgaben wie die Lkw-Maut oder die Brennelemente- Steuer, die dann über die Preise meistens an den Endverbraucher weitergegeben werden.

Unser Vielsteuersystem ist leider nicht transparent und wir haben kaum die Möglichkeit, unsere individuelle Gesamtsteuerbelastung auszurechnen. Die "kalte Progression" sorgt zusätzlich dafür, dass insbesondere untere Einkommensschichten über die erhöhte Besteuerung des Verbrauchs überproportional belastet werden. Der Inflationsausgleich findet nicht über eine vergleichbare Senkung der Einkommenssteuer statt, obwohl dies möglich wäre. Verdiener bis 30 000 Euro Jahreseinkommen haben durch die kalte Progression eine doppelt so hohe Belastung wie die Verdiener ab 100 000 Euro Jahreseinkommen. Wenn der aktuelle Trend zu einer Verlagerung auf indirekte Steuern weitergeht, führt dies weiter zu einer ungerechten Besteuerung der Klein- und Geringverdiener.

Sie sehen, wir brauchen wirklich eine Steuerreform und der Staat muss lernen, seine Ausgaben kritischer zu hinterfragen. Die Belastungsgrenze der meisten Menschen ist meines Erachtens erreicht.


INDIREKTE STEUERN
• Alkopopsteuer
• Biersteuer
• Branntweinsteuer
• Einfuhrumsatzsteuer
(Zölle)
• Feuerschutzsteuer
• Jagdsteuer
• Hundesteuer
• Kaffeesteuer
• Kraftfahrzeugsteuer
• Mineralölsteuer
• Umsatzsteuer oder
Mehrwertsteuer
• Schankerlaubnissteuer
• Schaumweinsteuer
/ Sektsteuer
• Spielbankabgabe
• Stromsteuer
• Tabaksteuer
• Vergnügungsteuer
• Versicherungssteuer
• Zweitwohnungsteuer
• Rennwett- und Lotteriesteuer.
• Bettensteuer
• Sexsteuer
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4 Kommentare
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 16.06.2013 | 00:37  
32
Heinz-Dieter Fiedler aus Saalfeld | 16.06.2013 | 23:36  
390
Dieter Mäs aus Jena | 17.06.2013 | 08:30  
14
Jens Müller aus Heiligenstadt | 27.06.2013 | 13:15  
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