Wie Hunde Nahrung verdauen – Die 6 größten Ernährungsirrtümer

 
Sommerliches Grillgut übt nicht nur auf den Zweibeiner eine magische Anziehungskraft aus, für Hunde birgt die Verlockung jedoch einige Gefahren.
 
Wohl alle Hunde würden sich eher über einen Teller mit Fleisch und Innereien freuen als über einen Veggie-Mix
 
Leckerli vom Tisch müssen von der Hauptnahrung abgezogen werden, fünf bis zehn kleinfingernagelgroße Stückchen getrocknetes Fleisch pro Tag reichen als Belohnung völlig aus.
 
Gerade Dunkel- und Bitterschokolade mit einem hohen Kakao-Anteil ist für Hunde in hohem Maße toxisch.

Jeder Hundebesitzer kennt ihn: Den mitleidsvollen, flehenden Blick des Vierbeiners nach oben zum reich gedeckten Mittagstisch, der so manches Herrchen oder Frauchen mintunter schwach macht. Dabei ist jedoch nicht immer das, was für den menschlichen Magen geeignet ist, unbedingt auch gleich geeignet für den Verdauungsapparat der vierbeinigen Lieblinge. Für Hunde ungesundes Essen bringt nicht nur ihren Stoffwechsel durcheinander, sondern belastet auch Leber und Verdauungsorgane, und kann zu einer ungesunden Gewichtszunahme führen. Einige Nahrungsmittel bergen auch echte Gefahren für Leib und Leben der vierbeinigen Lieblinge. Welche das sein können, und auf was der Hundehalter achten sollte, klärt das folgende Ernährungs-Ranking.

Irrtum 1: Kochsalz und Gewürze schaden dem Hund


Wie eine tierärztliche Fachberatung aufklärt, sind tatsächlich keine Erkrankungen in der Fachliteratur beschrieben oder bekannt, die auf gewürzte Nahrung beruhen. Entgegen landläufiger Meinung fördern Gewürze die Verdauung auch des Hundes und steigern die Bekömmlichkeit der Hundenahrung. Durch Stimulation der Verdauungsorgane wird die Bildung von nahrungszersetzenden Magensäften angeregt. Der Speichelfluss wird durch Gewürze zusätzlich in Gang gesetzt, neben einer Stimulation der Gallensaftproduktion kommt gleichsam auch die Peristaltik der Magenwände in Schwung – alles Vorgänge, welche eine ausreichende Verdauung positiv beeinflussen.

Hunde benötigen als ursprüngliche Raubtiere im Vergleich zum Menschen sogar eine höhere Kochsalz-Zufuhr, um das Hauptnahrungsmittel Fleisch besser zersetzen zu können. Denn Kochsalz wird zur Bildung von Salzsäure im Magen benötigt, deren Konzentration im Hundemagen höher liegt als beim Menschen. Ausnahmen bilden Nierenerkrankungen, eine zusätzliche Kochsalz-Gabe kann sich nierenschädigend auswirken. Kochsalz-Überdosierungen treten nicht auf, da der Körper nur die Menge aus der Nahrung herauszieht, die aktuell benötigt wird, Überflüssiges wird mit dem Kot ausgeschieden.

Irrtum 2: Knochen in jeglicher Form können unbedenklich verfüttert werden.


Knochen ist nicht gleich Knochen! Gerade bei Schweineknochen ist Vorsicht angeraten. Schweinefleisch sollte als Schutz vor dem sogenannten Aujetzkivirus vor einer Verfütterung ausreichend abgekocht werden. Der Virus, der vor Jahren in diversen Schweinbeständen grassierte und durch den Verzehr von rohem Schweinefleisch auf den Hund übertragbar ist hat für das Tier oftmals tödliche Folgen: Er löst eine Entzündung des zentralen Nervensystems aus, Appetitlosigkeit, Erbrechen bis hin zu tollwutähnlichen Symptomen sind typische Erscheinungsmuster.

Als Hauptlieferant für Calcium sollten Knochen rund zehn Prozent der Gesamt-Futterbestandteile ausmachen, blanke Knochen lediglich jedoch nur fünf Prozent, das sie keine Schutzfunktion für den Magen des Hundes darstellen. Zu bevorzugen sind Knochen mit noch anhaftenden Fleisch- und Fellresten, da beide Komponenten den Magen des Hundes schützen.

Knochen vor der Fütterung abzukochen kann nicht unerhebliche Risiken in sich bergen, Knochen verlieren durch den Erhitzungsprozess an natürlicher Elastizität und werden spröde. Durch den Zerkleinerungsvorgang im Hundemaul besteht dann die Gefahr einer Zersplitterung, Verletzungsgefahr im Maul, in der Speiseröhre oder auch im Magen droht. Am gefährlichsten sind hohle Knochen in gekochtem Zustand wie Hühnerknochen. Beginnt der Hund nach Verzehr zu würgen oder versucht sich zu erbrechen, ist schnelles Handeln erforderlich. Im Notfall sollte rasch ein Tierarzt gerufen werden, denn: Noch ein bis zwei Stunden nach der Futtereinnahme kann ein Tierarzt den Hund mithilfe einer Spritze zum Erbrechen bringen.

Gerade jetzt zur sommerlichen Grillsaison ist besondere Vorsicht und Aufsicht rund um die Grillstelle geboten, Grillfleisch und andere Leckereien sollten außer Reichweite des Hundes gelagert werden. Knochensplitter sind die eine Gefahr, eine andere besteht in einer Aufnahme von zu großen Knochenmengen, die Verstopfung verursachen können, sodass der Hund keinen Kot mehr absetzen kann. Die Gabe von pflanzlichem Öl – ein Esslöffel auf zehn Kilogramm Körpergewicht – kann jedoch bereits dem Tier helfen und Abhilfe schaffen.

Irrtum 3: Obst und Gemüse sind nicht nur für den Menschen gesund


Was für den Zweibeiner grundsätzlich gilt, ist für den Vierbeiner mit Vorsicht zu genießen. So kommen alle Vitamine im Gegensatz zu Fleisch und Innereien nicht vollständig in Obst- und Gemüsesorten vor. Die Vitamine D und B12 fehlen vollständig. Dagegen sind in im Fleisch und insbesondere in der Leber alle 13 Vitamine plus zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente in ausreichender Menge enthalten. Eine Fütterung von Obst und Gemüse ist demnach aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht dringend angezeigt, mehr noch: Einige Gemüsesorten sind für den Hund nicht gesund. Lebensmittel wie Zwiebeln, Avocado, Knoblauch und Lauch sollten Hunde nicht fressen. So befinden sich in den ätherischen Ölen von Zwiebeln und Knoblauch Sulfide, welche die roten Blutkörperchen im Hundeorganismus zerstören und Blutarmut auslösen können.

Auch sind Avocado-Sorten auf Grund ihres Persin-Gehalts der Gesundheit abträglich. Persin kann bei Hunden Herzmuskelschäden verursachen und zum Tod führen. Darüber hinaus können einige Obstsorten wie Weintrauben oder Kirschen Durchfall und Erbrechen auslösen.

Grundsätzlich sind Obst und Gemüse nicht Bestandteil der natürlichen Ernährung eines Hundes und sind daher mit Vorsicht zu genießen. Hunde fressen ihre tierische Beute normalerweise komplett mit Haut und Haaren. Daher decken sie ihren gesamten Vitamin- und Nährstoffhaushalt bereits durch die Innereien ab, die Funktion der Ballaststoffe übernehmen dabei zusätzlich aufgenommene Haar- und Fellreste.
Aufgenommenes Gras verdaut der Vierbeiner generell nicht, es dient ihm lediglich als Verdauungshilfe bzw. Mittel zur Magen-Darm-Reinigung, da es einerseits die Verdauung fördert, andererseits im Bedarfsfall leichtes Erbrechen zur Magenreinigung auslöst.

Der Fleischfresser Hund verfügt über kein Enzym, um Pflanzenkost zu verdauen. Pflanzliche Zellen bestehen jedoch zu 90% aus Zellulose. Im Gegensatz zu Pflanzenfressern, welche die Zellulose durch bestimmte Darmbakterien aufspalten und so dem Organismus als Nährstoff zur Verfügung stellen können, kommen sie im Hunde-Darmtrakt allerdings nicht vor.

Irrtum 4: Bei Hunden stellt sich nach ausreichender Nahrungszufuhr ein natürliches Sättigungsgefühl ein


Im Gegensatz zum Menschen verfügt der Hund über keine Rezeptoren in der Magenwand, die deren Spannung und damit den Füll-Grad des Magens messen. Hunde sind nur dann satt, wenn ihre einzige Messstelle im Gehirn signalisiert, dass genügend Nährstoffe im Blut angekommen sind. Die Gabe von volumenreicher aber nährstoffarmer Kost bewirkt beim Hund kein Sättigungsgefühl. Nur Nahrung, welche den Magen schnell passiert und schneller in den Blutkreislauf gelangt, kann das Sättigungszentrum im Gehirn erreichen, schwer verdauliche Kost dagegen bewirkt das Gegenteil und ist für ein anhaltendes Hungergefühl verantwortlich.

Eine Tierarzt-Praxis bestätigt das von Natur aus sehr späte Sättigungsgefühl und verweist auf die Ernährungsgewohnheiten der natürlichen Vorfahren des Haushundes, Wölfe und Wildhunde. Einmal pro Woche würden die wilden Artverwandten durchschnittlich fressen und sich dabei richtig sattfressen. Die meisten Hunde könnten demnach mehr fressen als ihnen guttut.

Im Gegensatz zu tierischer Nahrung, die im Magen durch die Salzsäure und das Pepsin schnell verflüssigt wird und rasch in den Blutkreislauf und Darm gelangt, verbleiben pflanzliche Produkte länger unverdaut im Magen und bewirken, dass der Hund längere Zeit hungrig bleibt.

Tierhalter neigen daher oft aus Unkenntnis dazu, dem Hund mehr zu verfüttern, als er eigentlich benötigt. Daher leiden statistisch gesehen bis zu 40 Prozent der Hunde über sieben Jahren an Übergewicht. Die Folgen: Arthrose, Kreislaufbeschwerden, Lethargie bis hin zu Diabetes. Besonders bei Welpen kann übermäßige und unausgewogene Energiezufuhr in späteren Jahren zu irreversiblen Schäden führen. Bei Fütterung mit Fertigprodukten sollten daher unbedingt die Hersteller-Empfehlungen berücksichtigt werden.

Irrtum 5: Der Verzehr von Schokolade ist für den Hund unbedenklich


Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass das im Kakao enthaltene Theobromin ab 16 Milligramm Theobromin pro Kilogramm Körpergewicht bereits Vergiftungserscheinungen auslösen kann, spätestens ab 300 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht besteht akute Lebensgefahr. (Quelle: Zentrum der Gesundheit). Die mit dem Koffein verwandte organische Verbindung kann vom Hundeorganismus nur sehr langsam abgebaut werden und zu schweren Herzproblemen führen.

Da Kakao etwa 1,2 Prozent des Alkaloids enthält, befinden sich beispielsweise in einer Tasse selbst gemachtem Trinkkakao aus 5 Gramm reinem Kakao bereits eine Dosis von 60 Milligramm Theobromin, die für einen kleinen Hund schon problematisch werden könnte.

Laut einem Artikel über Vergiftungserscheinungen bei Schokoloden-Konsum sind bereits rund 70 bis 100 Gramm Milchschokolade, 20 bis 30 Gramm Zartbitterschokolade oder sieben bis zehn Gramm Blockschokolade für kleinere Hunderassen oder Jungtiere lebensgefährlich. Für einen zehn Kilogramm schweren Hund sind 200 Gramm Zartbitterschokolade oder 70 Gramm Kuchenkuvertüre hochgiftig.

Die Faustregel gilt: Je höher der Kakaoanteil in einer Schokolade, desto höher ist der Gehalt an Theobromin und umso höher die Gefahr.

Die häufigsten Krankheitssymptome reichen von Durchfall, Erbrechen über Atemnot, Schwäche, Fieber, Herzrasen und, Zittern bis hin zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen.

Schließlich gehört Schokolade letztlich auch aus dem Grund nicht in ein Hundemaul, da sie als hochgradige Zucker- und Kalorienbombe nicht nur nicht zu einer natürlichen, artgerechten Ernährung gehört, sondern auch maßgeblich zu Gewichtszunahme und damit einhergehender Verfettung des tierischen Organismus beitragen kann.

Spezielle Hundeschokolade weist dagegen nicht nur einen geringeren Zuckergehalt auf, sondern verzichtet auf das Theobromin.

Irrtum 6: Selbst zubereitetes Futter ist immer noch das Beste


Um Fehlernährung, Übergewicht oder Mangelerscheinungen zu vermeiden, ist eingehende Beratung und intensive Auseinandersetzung mit entsprechender Literatur unumgänglich, um eine ausgewogene Mahlzeit für den Vierbeiner zu zubereiten. Tiere haben grundsätzlich einen anderen Nährstoffbedarf als Menschen, daher ist es oft schwierig, als Laie lediglich aus einer Mischung aus Hörensagen und eigenem Bauchgefühl die exakt richtige Auswahl zu treffen. Heutige Fertignahrung ist darum mittlerweile mehr als eine Alternative, da sie auf Basis aktueller ernährungswissenschaftlicher Ergebnisse und Tatsachen exakt auf die Spezies Hund zugeschnitten ist. Gesetzliche Regelungen schaffen eine breite, verlässliche Basis, der Gesetzgeber hat einen umfangreichen Regelkodex vorgeschrieben, der teilweise strenger gehandhabt wird, als es für die Nahrung des Zweibeiners der Fall ist.

Häufig wird beispielsweise zu viel Protein verfüttert, das auch eine Hauptnahrungsquelle für Darmkeime des Fleischfressers sein kann, wenn Protein nicht komplett verdaut werden kann. Bakterienwachstum im Darm ist die Folge. Auch rohes Fleisch stellt eine latente Gefahrenquelle durch Keime, Bakterien etc. dar.

Lisa Bachmann, Tierernährungsexpertin an der Universität Leipzig, sieht im eigenen Bekochen denn auch eine weitere Schwierigkeit darin, dass nur eine vom Experten durchgeführte Rationsberechnung sicherstellen könne, dass der Hund Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und Vitamine in ausgewogener Menge erhält. Sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung könnten Probleme bereiten. Was die Angaben zum Bedarf an Nährstoffen angehe, seien Züchtungsempfehlungen im Internet häufig falsch.


Bilder:

Abbildung 1: pixabay©Horst64 (CC0 1.0)
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