Wie ist das Leben als freier Schauspieler & Regisseur, Herr Blumenthal?

 
Fernando als Kjeld (links) in einem Stück über die Olsenbande. (Foto: privat)
Der Sommer ist voller Theater. In sieben verschiedenen Inszenierungen hatte Fernando Blumenthal in den heißen Monaten eine Rolle, wechselt in Theatern in Sachsen-Anhalt ständig zwischen Olsenbande und Michel in der Suppenschüssel, Schillers sämtlichen Werken, Hänsel und Gretel... Das hat Tradition, der Sommer gehört seit 2008 dem Nordharzer Städtebundtheater und Co. So viele Texte mit einem Mal im Kopf zu haben, ist für Fernando Blumenthal normal. Als freier Schauspieler, der auch als Regisseur arbeitet, ist das eben Job. „Das ist Gehirnakrobatik“, sagt der Erfurter lächelnd zu seiner Art von Kopffgymnastik. Hat er die Texte einmal gelernt, sind sie abrufbereit da. Er muss nur umschalten.


Schon früh weiß der 1960 Geborene, dass er einmal Schauspieler werden will, der Schauspielunterricht ab der fünften Klasse an der Jenaer Volkskunstschule war genau das Richtige für ihn. Nach Buchhändlerlehre und Armeezeit geht sein Traum in Erfüllung, auf Anhieb besteht Fernando Blumenthal 1980 die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. „Ein hartes Studium, viel anstrengender als gedacht, aber auch eine hochinteressante Zeit“, erinnert er sich an die Jahre des Lernens. Die seien unbedingte Voraussetzung für den Beruf, konstatiert er. Immer wieder ärgert er sich, dass der Begriff „Schauspieler“ nicht geschützt ist, sich im Grunde jeder so nennen und auch die Preise unterbieten darf.


Zwei Jahre steht er nach dem Studium in Annaberg-Buchholz auf der Bühne, erhält dann ein festes Engagement am Erfurter Schauspielhaus, in dem er 17 Jahre lang bleibt. Schon 1999 führt Blumenthal zum ersten Mal nebenbei Regie. Eine neue Herausforderung, die „ganz schön Fracksausen“ mit sich bringt, wie er erzählt. Als im Jahr 2003 die Schauspielsparte aufgelöst wird, startet er neu durch. Nun als freier Schauspieler und Regisseur.


“Mich reizt beides“, sagt er. Besonders die Regiearbeit hat Faszinierendes an sich. Sonst stehe er immer auf der Bühne, nun muss er für Impulse von unten nach oben sorgen. Für ihn ist es ein Vorteil, auch das Gefühl zu kennen, Schauspieler zu sein, so kann er sich als Regisseur besser in die Akteure einfühlen. Manchmal, wenn er wie jedes Jahr einmal bei der neuen „Arche“-Kabarett-Inszenierung Regie führt (“Das liebe ich“, sagt er), genießt er die Zusammenarbeit mit Darstellern, die er kennt. „Da weißt du genau, wo du ansetzen musst, kannst so immer wieder Neues herauskitzeln.“ Andere Inszenierungen, bei denen alles neu ist, sind manchmal die reinste Abenteuerreise. Beides hat seinen Reiz.


“Ich bin eigentlich zu zwei Dritteln Schauspieler, der Rest gehört der Regiearbeit“, bringt er seine berufliche Gewichtung auf den Punkt. Freier Schauspieler zu sein, ist immer auch ein ständiger Kampf. Um jede Rolle. jeden Auftritt, jede Lesung. Klinkenputzen. Hat er dann die Rolle, ist das Umfeld jedes Mal anders. Mal liegen Kostüme und Requisiten säuberlich bereit, dann wieder müssen die Schauspieler vorher und nachher mit anpacken, die Bühne aufbauen, Kostüme bügeln, Schuhe putzen. Das gehört eben dazu. „Dafür hast du auch wieder tolle Freiheiten, du kannst zum Beispiel immer entscheiden, ob du die Rolle spielen willst oder nicht“, genießt Fernando Blumenthal, sein eigener Herr zu sein. Und in seinen Rollen alles ausleben zu können. Er träumt davon, eines Tages den König Lear zu spielen. „Das Tragische, ernste Stoffe werden eher selten mit freien Schauspielern besetzt“, weiß er. Ein Freier wird er für die komischen Rollen und in Kinderstücken besetzt.


Von einer anderen Schauspieler-Tätigkeit würde er am liebsten gar nichts wissen: „Der ganze Bürokram nimmt ungefähr 60 Prozent der Arbeitszeit ein, du musst dich um deine Steuern und Abrechnungen allein kümmern, dich überall bewerben, dir neue Engagements suchen. Das brauchst du als fest Angesteller natürlich nicht.“ Trotzdem: tauschen möchte er nicht. „Den ganzen Tag im Büro sitzen, das könnte ich nicht“, weiß Fernando Blumenthal. Zu Hause, schwört er, sei er so gar kein Schauspieler, ganz der Bodenständige. Obwohl, manchmal spielt er doch schon ein bisschen die komische Figur. Und ab und zu mal in einer Unterhaltung ein passendes Zitat einzuflechten, komme immer gut an.



Der Beruf des Schauspielers:



Was?


Die Berufsbezeichnung Schauspieler ist nicht geschützt, ebenso die des Regisseurs. In Deutschland gibt es drei Arten von Schauspielschulen: Staatliche Schauspielschulen (Kunsthochschulen / Fachakademien oder Berufsfachschulen in öffentlicher Trägerschaft), Privatrechtliche Schauspielschulen (als höhere Berufsfachschule bzw. Fachakademie staatlich anerkannte beziehungsweise staatlich genehmigte Ausbildungsstätten in privater Trägerschaft) sowie Privatunterricht.


Wo?


Unzählige Schauspielschulen bieten ihre Dienste an. Zu den bekanntesten gehört die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.


Wie lange?


Die Schauspielausbildung an staatlichen und städtischen Hochschuleinrichtungen gilt als künstlerisches Studium und dauert in der Regel acht Semester.


Vita Fernando Blumenthal


1960 geboren, 1976-78 Ausbildung zum Buchhändler, 1980-83 Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, 1985-2003 festes Engagement am Schauspielhaus Erfurt, seitdem freier Schauspieler und Regisseur, erste Regiearbeit 1999.
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