Wie ist das Leben als Musiklehrer, Herr Räsch?

Dieser Mann gibt den Takt an: Schlagzeuglehrer Stefan Räsch ist ­Inhaber und Leiter des „MusikWerk Fränzel“ in Erfurt.
 
Musik macht vor allem in der Gemeinschaft Spaß: Die Trommelschülergruppe präsentiert sich zum Gruppenfoto.
Erfurt: MusikWerk Fränzel |

Ein stilles Fleckchen gibt es nicht im Erfurter „Musik­Werk Fränzel“. In 15 Unter­richtsräumen proben ­parallel die Musikschüler. Es klimpert, zupft, streicht und schlägt von allen Seiten.

„Die Lautstärke nervt manchmal, ­gerade von Schlagzeugern“, gesteht Inhaber und Leiter Stefan Räsch. Er muss es wissen. Er ist Schlagzeuger, Chef von 30 Musiklehrern und Dienstleister für 600 Schüler. Sonst hat er an seinem absoluten Traumjob nur noch eines auszusetzen: „Dass wir die schlechtbezahltesten Akademiker Deutschlands sind.“

„Durch den Job und die Familie bleibt keine Zeit für eigene musikalische Projekte. Ich spiele nur noch fünf Konzerte im Jahr. Das vermisse ich schon."


Seine Pädagogen sind tatsächlich durch die Schulbank Akademiker, darauf legt der 30-Jährige großen Wert. „Doch man kann auch ohne Studium ein guter Musiker und Instrumentallehrer sein. Quereinsteiger gibt es immer, auch bei uns ist es nicht ausgeschlossen. Aber dann muss er schon sehr überzeugend sein.“

Zugleich stimmt das Klischee der brotlosen Kunst leider viel zu oft. „Es ist typisch für Musiker, dass sie viele kleine Jobs miteinander vereinen müssen, um von der Musik leben zu können.“ Sie tingeln von Auftritt zu Auftritt, komponieren und arrangieren oder unterrichten eben – meist als Frei­berufler, die Zahl der Festangestellten an kommunalen Musikschulen nimmt immer weiter ab. Viele müssen nebenher sogar in Jobs arbeiten, die mit ­Musik gar nichts zu tun haben. „Das Risiko ist groß, als Musiker kein gutes Einkommen zu erzielen“, gesteht Räsch. „Auf der anderen Seite sind Musiker genügsam.“

Überhaupt spricht der Beruf einen besonderen Menschenschlag an. „Musiker sind kreativ, sehr prägende, einnehmende Charaktere mit allen positiven und negativen Merkmalen, die das mit sich bringt: große Eitelkeit, andererseits große Begeisterungsfähigkeit.“ Diese offene und kommunikative Denkweise passt für Räsch gut zum Lehrer­dasein. „Wir wollen begeistern für unsere Instrumente, für unseren Unterricht. Dazu ist eine Frohnatur und Impulsivität von Vorteil.“

Ein Job für Langschläfer


Obwohl die Erzieher meist Einzelunterricht erteilen, müssen sie teamfähig sein. „Musik macht dann richtig Spaß, wenn man sie mit anderen zusammen macht. Die Lehrer bemühen sich, gemeinsame Projekte zu initiieren, Aufführungen und Konzerte zu planen, Stücke dafür zu komponieren.“

Es ist ein Job für Langschläfer, denn der Unterricht startet erst ab 14.30 Uhr. „Wir haben mit vielen unterschied­lichen Menschen zu tun, mit verschiedenen Intentionen und Zielen.“ Der eine Schüler will nur musikalisch bespaßt werden, im anderen schlummert ein Talent, das geweckt werden will. „Es ist die Kunst, sich darauf einzustellen.“


Hintergrund


Wo?
Musikerziehung bzw. -pädagogik kann beispielsweise an den Universitäten in Erfurt und Weimar studiert werden.

Was?
Die Praxis am Instrument überwiegt in der Regel die Theorie, beispielsweise in Musikgeschichte und -wissenschaft.

Wie lange?
Zum Bachelor dauert es sechs Semester, zum Master meist vier Semester länger.

VITA Stefan Räsch (30)
• Mit fünf Jahren kam Räsch zur Musik. Ausgerechnet mit Musiktheorie-Unterricht und Blockflötenspielen. Eigentlich eine spaßbefreite Mischung, mit der sich jedes Kind die Freude an der Musik abgewöhnt. „Bei mir war es auch kurz davor, dann hatte ich Glück im Unglück.“ Bei einem Unfall schlug er sich die Zähne aus. Mit der Blockflöte war es ebenso vorbei wie mit dem Tenorhorn, das Räsch lernen sollte. Der Weg war frei zu seinem Wunschinstrument: dem Schlagzeug.
• An seinem Gymnasium wurden auch die Musiker für die Stadtharmonie Erfurt ausgebildet, ein richtig gutes, prämiertes und international agierendes Jugendsymphonieorchester.
• Daheim im Plattenbau „erfreute“ Räsch die Nachbarn beim begeisternden Trommelüben. Zu seinem Schlagzeuglehrer sagte er: „Herr Jaschke, ich möchte mal das machen, was du machst.“ Der riet: „Stefan, mach’s bloß nicht.“
• Mit 18 kam Stefan Räschs erster eigener Lehrauftrag.
• Von 2008 bis 2012 studierte er Musikpädagogik und Erziehungswissenschaften an der Uni Erfurt.
• 2013 gründete er die Trommelschule Schlaghaus in Erfurt.
• 2014 übernahm er das „MusikWerk Fränzel“.
• Infos: www.musikwerk-fraenzel.de, www.schlaghaus.de

Stefan Räsch und eine Trommelschülergruppe.

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