Wie ist das Leben als Schmuckdesignerin, Frau Pannicke?

Silva Pannicke. Foto: Heyder
  Erfurt: Schmuckdesign | Es gibt Momente, die können Silva Pannicke zur Verzweiflung bringen: „Wenn mal das Lot nicht dahin fließt, wo ich es gern hätte. Oder, wenn eine Lötstelle nicht so richtig halten will.“ Auch, wenn sie die schwere Kurbel der Metallwalze mit der Hand bedienen muss. Aber zum Glück sind die Momente des Ärgers selten.

„Schmuckdesigner“ ist kein geschützter Begriff, im Grunde dürfte sich jeder so nennen. Bei Silva Pannicke steht jedoch eine fundierte Ausbildung zum Goldschmied dahinter. Was sie als Selbstständige entwirft, ist erst dadurch möglich, dass sie sich die Techniken schwer erarbeiten musste. Auch eine Menge an Theorie hat die junge Frau, die aus Leipzig stammt, gepaukt. Während ihrer schulischen Ausbildung in Arnstadt, die es so wegen mangelnder Nachfrage so nicht mehr gibt, hießen die Fächer unter anderem Werkstoff- und Edelsteinkunde, Kunstgeschichte und Gestaltung. In drei Jahren Lehre, mit einigen Praktika, hat sie wichtige Grundfertigkeiten gelernt: Schmieden, Hartlöten, Nieten, Schweißen, Gravieren und Punzieren gehören dazu.

Weil bei einem klassischen Goldschmied die Reparaturdienstleistungen einen Großteil der Arbeit ausmachen, hat sich die junge Frau nach weiteren Möglichkeiten umgeschaut. „Schon als junges Mädchen habe ich Ketten selbst gebastelt. Bei uns in Leipzig gab es diese Perlenläden“, erklärt sie, wie sie die „kreative Ader“ in sich entdeckt hat. „Oft setzte ich mich hin und lege einfach los.“

Manchmal kämen die Ideen auch unterwegs, bei völlig artfremden Dingen. Ein ausgefallenes Scharnier, ein Kompass auf dem Flohmarkt oder einfach nur eine ungewöhnliche Form. Wenn Silva Pannicke erst einmal an ihrer Werkbank sitzt, sprudeln die Ideen.

Neben dem Gestalten eigener Schmuckstücke, die sie dann auf Handwerker-Märkten verkauft, kämen noch, allerdings seltener, Reparaturen und Aufträge für individuelle Schmuckstücke nach Maß hinzu. „Manchmal kommt es vor, dass von einem geliebten Paar Ohrringe einer verloren gegangen ist. Bei manchen Stücken lässt sich ein Zweiter wieder nacharbeiten.“

All die Stücke würde es um ein Haar nicht geben: Dann nämlich, wenn sie einen Studienplatz Soziale Arbeit damals gleich bekommen hätte. So aber gibt sie ihr Wissen sogar weiter. In Goldschmiedekursen, in denen man sich sein eigenes Schmuckstück sägen, feilen, walzen oder schmieden kann.

Was? Goldschmied sind die Handwerker für Schmuck und Gegenstände aus Edelmetallen. Der Beruf gehört zu den ältesten Metallhandwerken überhaupt. Die Metalle werden selbst legiert, geschmolzen, gegossen, gewalzt und zu Blechen oder Drähten verarbeitet. Die Werkstoffe werden bearbeitet, beispielsweise mit Schmieden, Hartlöten, Nieten, Schweißen, Gravieren und Punzieren.

Wie? Der Beruf ist zulassungsfrei, erfordert aber handwerkliches Geschick im Umgang mit Metallen und künstlerische Fähigkeiten. Im Handwerk gestalten und formen Goldschmiede und -schmiedinnen der Fachrichtung Schmuck z.B. Ringe, Armbänder und Anhänger. Daneben fassen sie Steine, reparieren alte Schmuckstücke und arbeiten sie um. In der Industrie stellen sie Schmuck teilweise maschinell her. Goldschmiede und -schmiedinnen der Fachrichtung Schmuck sind vorwiegend in handwerklichen Gold- und Silberschmiedewerkstätten, bei Juwelieren mit angeschlossener Werkstatt oder in der Schmuck herstellenden Industrie beschäftigt. Darüber hinaus sind sie in Schmuckdesignateliers oder in Betrieben, die Edelmetalllegierungen herstellen, tätig. Goldschmied/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO). Diese bundesweit geregelte 3 1/2-jährige Ausbildung wird im Handwerk und in der Industrie in den folgenden Fachrichtungen angeboten: Schmuck, Ketten, Juwelen. Auch eine schulische Ausbildung ist möglich.

Geselle? Wer mindestens ein halbes Jahr nach der Ausbildung in dem Beruf bei einem Meister arbeitet, darf sich Geselle nennen.

Meisterschule? Wer eine Meisterprüfung ablegt, führt den Titel Gold- und Silberschmiedemeister/in. Weder der Meisterbrief, noch eine bestandene Gesellenprüfung sind nötig, um einen Gold- oder Silberschmiedebetrieb zu betreiben. Mit der Novellierung der Handwerksordnung zum 1. Januar 2004 wurde das Goldschmiedehandwerk aus dem Bereich der zulassungspflichtigen Handwerke der Anlage A zur HwO entlassen und dem Bereich der zulassungsfreien Handwerke (Anlage B1 zur HwO) zugeordnet.

Wo? Ausbildung in lokalen Handwerksbetrieben.
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