Wie ist das Leben als Tier-Präparator, Herr Fischer?

 

Marco Fischer vom Erfurter Naturkundemuseum erzählt von seinem Job, er sorgt als Präparator dafür, dass Tiere noch lange Zeit als Anschauungsobjekte dienen können. Wie ist es denn, Tier-Präparator zu sein?

Auf jeden Fall alles andere als langweilig“. Tiere ausstopfen und fertig? Weder das eine noch das andere stimmt. „Ein Kollege hat mal ausgerechnet, dass knapp hundert Berufe in dem des Präparators stecken“, erzählt Marco Fischer von der Vielschichtigkeit seiner Arbeit. Von jedem ist er ein bisschen was: Veterinärmediziner, Biologe, Grafiker, Plastiker, Designer, Handwerker, Ausstellungsgestalter, Airbrusher, Koordinator und noch so vieles mehr. Schon als Schüler ist Marco von dem Mann im Ort fasziniert, der Tiere präpariert, der macht, dass sie noch lange Zeit erhalten bleiben. Damit sie jeder ansehen und etwas über sie und ihre Art zu leben erfahren kann. Immer wieder einmal darf der Junge dabei helfen. Wie stolz ist er ein paar Jahre später, einen der wenigen Ausbildungsplätze in Berlin zu ergattern. Heute arbeitet er im Naturkundemuseum Erfurt.


“Dieser Beruf ist genau das, was ich immer wollte, ich würde ihn auch heute gegen keinen anderen tauschen“, ist der inzwischen 44-Jährige noch immer Feuer und Flamme für seine Arbeit und räumt endgültig mit Ausstopf-Klischee auf. Aber wichtig ist zu wissen, dass ihm lebende Tiere auch lieber sind als tote. Um ein Tier-Präparat entstehen zu lassen, muss zuerst vorsichtig die Haut gelöst werden, die kommt zum Gerben. Der verbliebene Körper wird millimetergenau vermessen. Nun fertigt der Präparator ein lebensechtes Modell, um das herum modelliert er den Tierkörper nach, mit allen Muskeln und Gesichtszügen. Künstlerische Freiheit ist hier nicht gefragt, alles muss anatomisch genau stimmen, um später wieder in die Haut zu passen. Vom Tonmodell wird eine Negativform erstellt, die wird mit Polyester ausgegossen. Das Ganze ist leichter als Ton oder Gips und vor allem sehr stabil, zudem weist es Feuchtigkeit ab. Schließlich soll es lange halten. Manchmal wird auch das Skelett noch extra zu Anschauungszwecken oder für die wissenschaftliche Sammlung hergerichtet.

Viel Zeit



Jedes Präparat braucht viel Zeit, oft sind es mehr als zehn verschiedene Exponate , denen sich der Experte parallel widmet. „Es gibt Präparate, die sind 400 Jahre alt“, weiß Marco Fischer und bescheinigt bei guter, fachmännischer Verarbeitung und Aufbewahrung manchem Präparat bis zu 1000 Jahre Haltbarkeitsdauer. Jedes Tier, ob Haussperling oder das um einiges größere Bison, ist für ihn eine neue Herausforderung. Vor der eigentlichen Arbeit befasst er sich intensiv mit den Eigenarten und Bewegungsabläufen des Tieres, entscheidet gemeinsam mit den Fachwissenschaftlern, welche Pose er abbilden wird. Alles soll naturgetreu sein. Auch die Umgebung, in der das Präparat zur Schau gestellt wird, gestaltet der Präparator. Viele der Exponate sind für Museen und Sonderausstellungen vorgesehen, andere für wissenschaftliche Sammlungen.


Die wenigen Präparatoren, die es in Deutschland gibt, pflegen einen engen Kontakt, tauschen sich aus. „Es gibt immer wieder neue Techniken und Materialien“, spricht Marco Fischer darüber, dass auch er nie auslernt. In den letzten Jahren, erzählt er, sind zu seinen vielen Aufgaben neue Herausforderungen hinzugekommen. Für ein Ausbildungsprojekt zwischen einer Universität in Bangladesch, dem Naturkundemuseum Erfurt, der Hochschule Bernburg sowie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst betreut er in der praktischen Präparatoren-Ausbildung gerade zwei Studenten aus Bangladesch und bildet diese zu den ersten Präparatoren für das Land aus.

Er kümmert sich außerdem um Projekte in Nepal und Vietnam. Anfragen diesbezüglich gibt es neben den bestehenden Projekten sehr viele, so auch aus dem Iran, Myanmar aber auch Polen und der Slovakei. „Aber ich muss ja auch hier in Erfurt meine Arbeit machen und kann nicht ständig in der Weltgeschichte unterwegs sein“. Natürlich ist es gut, dass auch in diesen Ländern immer mehr für Natur und Umwelt getan wird, sagt er und freut sich, auf seine Art dabei helfen zu können, wichtige Erkenntnisse für die Nachwelt zu bewahren und mit Ausstellungen die Menschen zu erreichen. Auch in Deutschland wünscht er sich mehr Aufmerksamkeit für die Naturwissenschaften. „Bei uns wird zu wenig in die Bewahrung der Naturschätze in Museen investiert“, sagt er. Neben den Exponaten selbst, den Zeitzeugen der Entwicklungsgeschichte der Erde, sammeln Museen auch wertvolle Daten und Fakten, lassen so Stück für Stück riesige Gen-Datenbänke entstehen welche immer mehr in der Wissenschaft und Biodiversitätsforschung benötigt werden. Ganz aktuell wird auch für die Forschungen im Bereich Bionik immer mehr auf die vorhandenen Museumssammlungen zugegriffen. Und die, so sagt er, seien von unschätzbarem Wert, vor allem für die kommenden Generationen.



Fakten zur Ausbildung:



Was?


Ein Präparator (genaue Bezeichnung „Staatlich Geprüfter Präparationstechnischer Assistent“) ist in einem der drei Bereiche tätig: im zoologischen, im medizinischen oder im geologisch-paläontologischen. Nach der Grundausbildung erfolgt die Spezialisierung.


Wie lange?


Ausbildung drei Jahre in Vollzeit, Voraussetzung ist die mittlere Reife.


Wo?


Berufsfachschule für Präparationstechnische Assistenten in Bochum, sie ist die einzige ihrer Art in Europa.


Marco Fischer:


Der 1970 Geborene absolvierte seine Ausbildung am Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1993 arbeitet Marco Fischer im Naturkundemuseum Erfurt. Arbeits- und Studienaufenthalte führten ihn u.a. nach Nepal, Indonesien, Myanmar,Thailand, Bangladesch, Vietnam, Philippinen, Borneo in die USA, nach Kanada und Neuguinea. Bei zwei Welt- und einer Europameisterschaft der Präparatoren erreichte er in verschiedenen Kategorien drei Gold-, sechs Silber- und drei Bronzemadaillen.
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1 Kommentar
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Constanze Fuchs aus Gotha | 27.06.2015 | 23:35  
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