Wild auf Nektar: Schmetterlinge verbreiten Sommerlaune. Tipps, damit sie auch auf den eigenen Garten fliegen

Wo es ihm schmeckt, setzt sich der Distelfalter nieder.
 
Schmetterlingexperte Andreas Heuer
Der Admiral fliegt jedes Jahr von Südeuropa über die Alpen in unsere Breiten. Der Zitronenfalter übersteht im Winter Temperaturen von minus 20 Grad und der Glasflügler gibt sich ein wespenähnliches Aussehen, um Gefahr vorzutäuschen. Faszinierend, was die zarten Falter leisten. Doch eines können sie besonders gut: mit leichtem Flügelschlag Sommerlaune verbreiten.

Kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen ihr Tanz Schlechtes verhieß. Im Mittelalter galten sie als böse Wesen, die es darauf anlegten, beim Naschen von Rahm die Milchwaren zu verderben. Daher kommt ihr englischer Name "Butterfly", auch das altdeutsche Wort "Schmetten" bedeutet "Rahm".

Heute stehen Milch und Sahne sicher im Kühlschrank und die farbenfrohen Gartengäste sind gern gesehen. Nur ist längst nicht jeder Garten so einladend, dass sie darauf fliegen. "Der deutsche Ordnungssinn macht es den Schmetterlingen nicht leicht", schildert Andreas Heuer. Der 50-Jährige, der im Naturkundemuseum Erfurt für die Schmetterlingssammlung verantwortlich ist und im Vorstand des Thüringer Entomologenverbandes wirkt, erklärt auch warum. Alles soll akkurat sein. Kurz geschnittener Rasen, Thujahecke und einige fremdländische Koniferen - das ist für viele der Inbegriff vom gepflegten Grundstück.

Dabei muss ein Garten, der sich an der Natur orientiert, keineswegs ungepflegt sein. "Es kommt auf die Pflanzenauswahl an", betont er. Als Nektarspender eignen sich vor allem einheimische, möglichst naturbelassene Blumen und Sträucher. Im Frühjahr sind die Falter für Zwiebelblumen, Buschwindröschen, Schlüsselblume, Leberblümchen und Seidelbast-Strauch dankbar. Im Sommer umschwärmen sie Phlox, Lavendel, Schmetterlingsstrauch und Wiesenblumen wie Weidenröschen, Flockenblume oder Distel. Spät blühende Pflanzen wie Fetthenne, Herbst-Aster oder Herbst-Anemone locken die letzte Schmetterlingsgeneration des Jahres an.

Die meisten Falter kann aber der Hobbygärtner begrüßen, der ihnen nicht nur den Tisch mit Blütenpflanzen deckt, sondern auch an den Nachwuchs denkt. Die Raupen von Admiral, Kleinem Fuchs, Tagpfauenauge und Landkärtchen zum Beispiel leben an der Brennnessel. "Warum also nicht einmal eine Brennnessel-Ecke stehen lassen", regt Andreas Heuer an. Denn soviel steht fest: Schmetterlinge stehen auf Wildpflanzen. Machen wir ihnen also Appetit, um sie zu mehren. Denn: "Wo heute ein Falter fliegt, waren es vor 100 Jahren noch etwa 100.“

Praxistipps: Damit sich Schmetterlinge im Garten wohlfühlen, sollte der Hobbygärtner:

- in Teilbereichen des Gartens der Natur ihren freien Lauf lassen,
- heimische Sträucher und Laubbäume gegenüber Exoten und Koniferen bevorzugen,
- einen Teil des Rasens in eine nicht so häufig gemähte Blumenwiese umwandeln,
- möglichst auf die chemische Keule verzichten,
- eher einfache Blumenarten als Nektarquelle pflanzen oder säen,
- einen kleinen Kräutergarten anlegen (auch Insekten lieben Dill, Wilden Dost, Liebstöckl, Salbei, Thymian und Lavendel),
- im Herbst den Garten nicht komplett abräumen, einige Staudenstängel und Äste stehen lassen (als Winterquartier für Larven),
- den Schmetterlingsstrauch freistehend pflanzen (Bäume bieten Vögeln eine bequeme Sitzwarte bei der Jagd nach Schmetterlingen),
- faulendes Obst an einer Stelle im Rasen auslegen (köstlich für Admiral, C-Falter & Co.),
- eine Sal-Weide (große Kätzchen) pflanzen, die im Frühjahr als Nektarquelle für Insekten und als Futterpflanze für Raupen dient,
- mit Geißblatt, gelben Nachtkerzen, Seifenkraut, Phlox, Ziertabak und Wunderblume großen Nachtschwärmern Nahrung bieten.

Informationen: www.schmetterling-raupe.de
Buchempfehlungen: Reinhard Witt: „Ein Garten für Schmetterlinge“, Kosmos-Verlag; Ute Evers: „Schmetterlinge im Garten“, Ulmer-Verlag

(geschrieben im Juli 2009)
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3 Kommentare
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Gerald Kohl aus Erfurt | 17.02.2011 | 13:31  
Sibylle Klepzig aus Nordhausen | 18.02.2011 | 15:27  
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Gerald Kohl aus Erfurt | 20.02.2011 | 20:53  
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