Zuhause mit Chance: Das Projekt Mädchenwohnen

Manche der Mädchen müssen es erst lernen, einen normalen Alltag zu leben. Die
Das Zuhause mit Chance

„Mädchenwohnen ToWin“ hilft auf behutsame Weise, den Weg wiederzufinden


Von Helke Floeckner

BISCHLEBEN. Jung an Jahren sind sie alle. So unterschiedlich ihre Geschichten auch sind, die sie zu erzählen hätten, haben die Mädchen eines gemein: Dinge, die sie erlebt haben, reichen für ein ganzes Leben. Oder mehr.
Nun haben sie die Chance, in einen normalen Alltag zu finden, Schlimmes zu vergessen, Notwendiges aufzuarbeiten. Das Projekt „Mädchenwohnen ToWin“ des Vereins Perspektiv e.V. macht es möglich. Vor wenigen Wochen bezogen die Mädchen ein Haus in Bischleben. Dort hat jede ein eigenes Zimmer, es gibt einen Raum, in dem sie zusammen essen, eine große Küche, Bäder, die von mehreren genutzt werden. Und es gibt immer jemanden, der da ist, einem zur Seite steht. Es ist Zeit für Gespräche und dafür, sich Ziele zu setzen. Es ist Gelegenheit für gemeinsames Kochen, für Ausflüge, die unterschiedlichsten Unternehmungen. Und es ist der richtige Rahmen, um zur Ruhe zu kommen und sich geborgen zu fühlen.

Die Betreuung der Bewohnerinnen erfolgt 24 Stunden am Tag. „Doch es ist viel mehr als ein betreutes Wohnen“, sagt Sozialpädagogin Sandra Bolze. Pädagogische Arbeit in einem gefestigten, ja familiären Umfeld - so lässt sich das Prinzip wohl besser beschreiben. Pädagoginnen und eine Psychologin nehmen sich der Mädchen an, mit Bedacht hat man sich dafür entschieden, dass die Schützlinge nur von weiblichen Fachkräften begleitet werden.

Für jede Woche, für jeden Tag gibt es feste Strukturen. Und Regeln, an die sich alle halten müssen. Schulbesuch und die tägliche Körperhygiene sind Dinge, an denen kein Weg vorbeiführt. Die Zimmer hingegen müssen nicht an jedem Tag zu einhundert Prozent tiptop sein. Natürlich gibt es Diskussionen, wenn die Zeit zum Ausgehen nicht ausreicht. Genau wie die Telefonminuten. Das ist wie in anderen Familien auch. Wie es sein sollte. „Die Mädchen brauchen ganz klare Strukturen und Regeln“, weiß Sandra Bolze und fügt hinzu: „Die Tätigkeit hier ist eine besondere Herausforderung, manches Mal auch ein hartes Stück Arbeit.“. Ob ein Mädchen ein Leben voller Probleme hinter sich hat oder ein traumatisches Ereignis: All das hinterlässt Spuren, die sich in Beziehungsstörungen und vielerlei Symptomen äußern können. Da kann es schon eine Herausforderung sein, die Mädchen an einen ganz normalen Alltag zu gewöhnen. Oft, so wissen die Betreuerinnen, ist schon zu viel passiert. Doch beinahe immer besteht die Chance, wenigstens noch ein paar wichtige Weichen zu stellen, den richtigen Weg zu zeigen.

Manchmal ist es auch möglich, Geschehenes gemeinsam mit den Eltern aufzuarbeiten. Kontakt zu den Eltern, die Arbeit mit ihnen, ist im Mädchenwohnprojekt sehr wichtig. Schließlich besteht für die meisten Bewohnerinnen das Ziel, wieder nach Hause zu können. Lässt sich eine solche Integration in die Herkunftsfamilie nicht verwirklichen, dann werden die jungen Frauen behutsam auf ein selbständiges Leben als Erwachsene vorbereitet.
Das Rüstzeug bekommen sie mit auf den Weg.

Wissenswertes:

• Das „Mädchenwohnen ToWin“ ist ein Projekt des Vereins Perspektiv e.V.
• Unter dem Dach des Vereins agieren weitere Einrichtungen und Dienste wie Sozialpädagogischer Dienst, Schulbezogene Jugendsozialarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Inobhutnahmestelle, Fanprojekt Erfurt
• Vor dem Umzug gab es das „Mädchenwohnen“ bereits 13 Jahre lang in der Erfurter Triftstraße
• Die stationäre, betreute Wohnform bietet Platz für bis zu acht Mädchen und junge Frauen
• Für die Ausstattung des Hauses brauchen die Bewohnerinnen dringend eine Miniküche und einen kleinen Pavillon für den Garten. Wer hat so etwas übrig und braucht es nicht mehr? Kontakt: 77 89 13
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