Alles über Rugby: Erfurter Oaks räumen bei ihrer Geburtstagsfeier mit einigen Missverständnissen auf

Wann? 10.09.2016 10:00 Uhr bis 10.09.2016 16:00 Uhr

Wo? Oaks, Essener Str. 16, 99089 Erfurt DE
Männer und Frauen trainieren bei den Erfurter Oaks gemeinsam.
 
Die Erfurter Oaks (von links): Jugendcoach Achim Schindler, Trainer Fabian Scheuring und Vera Tränkner vom Damenteam.
Erfurt: Oaks |

Rugby besitzt in Thüringen noch immer Exotenstatus. Dabei benötigt der Sport viele verschiedene Spielertypen. Die Erfurter Oaks feiern am Samstag ihren 15. Geburtstag und klären ein Missverständnis auf.



Hünenhafte Männer, kräftig wie Eichen, verbissen im Kampf ums ovale Leder. Eine wilde Rauferei mit schlammverschmierten Trikots und blutigen Nasen. Wer diese Bilder beim Rugbytraining der Erfurter Oaks erwartet, der wird enttäuscht. Friedlich, freundlich, fröhlich geht es auf dem Sportfeld an der Essener Straße zu. Die Männer trainieren fernab von Geschlechter- und Altersgrenzen gemeinsam mit dem Damen- und Juniorenteam. Ein paar Spieler haben ein paar Kilos zu viel auf den Hüften oder schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Von Brechstangen-Brutalos mit Blumenkohlohren keine Spur.

„Es stimmt, Rugby hat dieses falsche Image, dass jeder nach dem Spiel mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus muss“, weiß Fabian Scheuring, der die Oaks trainiert. „Das stimmt aber auf keinen Fall. Rugby ist nicht rüde.“ Der Sportstudent erinnert an ein britisches Sprichwort, es lautet: Fußball ist eine von Raufbolden gespielte Gentleman-Sportart und Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart. „Zum Beispiel hat der Schiedsrichter absolut das Sagen. Rugbyspieler respektieren auch immer ihre Gegner und verhöhnen sie nicht. Und nach dem Spiel wird sich umarmt.“

Für Scheuring ist dieser faire Umgang miteinander auch Lebenseinstellung und vor allem für die jüngeren Spieler wichtig. „Gerade für die Jungs ist dies eine sehr gute Erziehung.“ Scheuring bemerkte im Training: Wer zunächst herumpöbelte, hat seine Einstellung geändert - auch abseits des Platzes. Miteinander und Respekt stehen in diesem Sport an erster Stelle.

Er selbst kam ebenfalls früh zum Rugby, als vor sieben Jahren das Juniorenteam als Sport-AG an der Erfurter Edith-Stein-Schule gegründet wurde. Der erste Jahrgang gewann 2010 gleich die deutsche Schulmeisterschaft. An der Dominanz hat sich wenig geändert. „Im Jugendbereich sind wir in Deutschland ganz weit vorn.“

„Ich war gleich angefixt.“



Von der erfolgreichen Nachwuchsarbeit will das Männerteam der Oaks profitieren. „Rugby hat einen guten Ruf unter den Schülern. Wir haben keine Nachwuchsprobleme“, freut sich Achim Schindler. Er gehörte zu den Pionieren des Rugbys in Thüringen und trainiert die jungen Eichen. Nach dem Studium war der heutige Lehrer in Neuseeland, wo Rugby Nationalsport ist. „Ich war gleich angefixt.“

In Deutschland ergeht dies nicht jedem gleich so. Noch steckt Rugby, obwohl es zu den ältesten Mannschaftssportarten zählt, hierzulande noch immer in den Kinderschuhen. Im Jahr 2001 gründeten rugbyfreudige Enthusiasten den Club in Erfurt. 15 Jahre später ist die Sportart noch so exotisch wie ehedem. Eine übersichtliche Zahl von Zuschauern verirrt sich an den zwölf Spieltagen pro Saison zu den Turnieren in der mitteldeutschen Liga. Sieben Spieler statt wie üblich 15 agieren hier pro Team.

Achim Schindler erklärt: „Die Liga ist entstanden, weil es hier im Osten viele kleine Vereine gibt, aber keine Rugby-Tradition. Die Vereine schaffen es daher kaum, eine 15er-Mannschaft zu stellen.“ Mit Ersatzbank bräuchte man nämlich die doppelte Spielerzahl. „Es ist schade, dass wir in einer Stadt wie Erfurt mit über 200.000 Menschen keine 30 Mann für diesen attraktiven Sport zusammenbekommen“, klagt Fabian Scheuring. Auch wenn gerade erst bei den Olympischen Spielen im Siebener-Modus gespielt wurde, bezeichnet er diese Phase als Durststrecke für die Oaks. „Unser mittelfristiges Ziel ist es, wieder als 15er-Team in der Regionalliga zu spielen.“ Wie das Jenaer Team zum Beispiel.

„In unserer Vereinskneipe, dem Double B, verfolgen wir als Fans die Rugby-Champion-Chip. Zum WM-Finale im vergangenen Jahr kamen über 100 Leute.“

Oaks-Trainer Fabian Scheuring


„Rugby im Siebener- oder im 15er-Modus - dies sind zwei verschiedene Sportarten“, weiß Achim Schindler. „Für beide Varianten werden verschiedene Sportlertypen gefragt.“ Auf dem gleichen Spielfeld machen nur sieben Akteure pro Team das Spiel schneller und dynamischer. „Dadurch ergeben sich mehr Räume“, erklärt Schindler. Den klobigen Schrankwandtypen geht hier schnell die Puste aus. Siebener sind Athleten, Kraft ist weniger gefragt.

„Generell benötigt Rugby verschiedene Spielertypen, ob dick oder dünn. Der Star ist ohnehin die Mannschaft. Daher stehen auf den Trikotrücken keine Namen. „Es ist ein Spiel, bei dem du vieles können musst“, erklärt Fabian Scheuring. „Ich fange und werfe den Ball mit den Händen, gleichzeitig muss ich aber fußballerisch in der Lage sein, den Ball zu kicken. Ich muss etwas von Kampfsport verstehen, denn ich muss den Gegner tackeln, niederringen, wenn er auch mich zukommt. Außerdem muss ich mental auf der Höhe sein, weil es taktisch in manchen Situationen nicht einfach ist. Dieser Sport deckt alles ab. Das macht ihn für mich so attraktiv.“

Termin:

15 Jahre Oaks Erfurt, 10. September, von 10 bis 16 Uhr, Rugbyplatz Essener Straße 16 in Erfurt, zur Geburtstagsfeier haben sich einige befreundete Vereine angemeldet.

Thüringer Rugbyvereine:

„Fiddlers Green Rugby Team“ im USV Jena
Erfurt Oaks im SSV Erfurt Nord
Edith-Stein-Schulsportverein Erfurt 98 e.V.
Klosterschule Rossleben
Eastern Procince Rugby Club Gera (erster Rugbyclub Thüringens, seit 1995)
Ilmperators Ilmenau
Rugby Nordhausen

Infos im Netz:

Erfurter Oaks: www.rugby-erfurt.de
Mitteldeutsche Rugbyliga: wirsindrugby7.de
Rugby-Verband Thüringen: www.rugby-thueringen.de
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3 Kommentare
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Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 03.09.2016 | 08:45  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 03.09.2016 | 09:22  
719
Jürgen Wesiger aus Nordhausen | 03.09.2016 | 17:14  
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