Beißen, kämpfen, niemals aufgeben: Die elfjährige Luca hat große Ziele – Die Schülerin des Erfurter Sportgymnasiums schwimmt mit viel Disziplin ihrem Traum entgegen

Luca Emily Birkholz ist Nachwuchsschwimmerin im Schwimmverein 1906 Gotha und am Erfurter Sportgymnasium.
 
In den vergangenen beiden Jahren gewann Luca stets den Thüringer Sichtungswettkampf, war also Beste ihrer Altersklasse im ganzen Freistaat. Zudem ging sie zweimal als Siegerin bei den Vereinsmeisterschaften hervor. (Foto: Privat)
Erfurt: Roland Matthes Schwimmhalle |

Olympia ist mein großer Traum.“ Wenn eine Elfjährige so einen Zukunftswunsch äußert, nickt man als Zuhörer milde, wünscht viel Erfolg und denkt sich insgeheim: Süß, was Kinder doch so für Fantasien haben. Bei Luca ist das anders. Luca Emily Birkholz platzt beinahe vor Ehrgeiz, dass es nur eine Frage der Zeit scheint, bis sie mit Edelmetall um den Hals auf dem Treppchen steht.

Luca schwimmt seit sie vier Jahre alt ist in der SG Gotha-Arnstadt im Schwimmverein 1906 Gotha. „Es macht sehr viel Spaß und ich fühle mich gut im Wasser – es ist beinahe wie Schweben“, beschreibt sie. In den vergangenen beiden Jahren gewann Luca stets den Thüringer Sichtungswettkampf, war also Beste ihrer Altersklasse im ganzen Freistaat. Zudem ging sie zweimal als Siegerin bei den Vereinsmeisterschaften hervor. „Die Erfolge treiben mich weiter an. Sie zeigen, dass ich Ehrgeiz habe und auch weiter Ehrgeiz haben muss.“

Der Tag ist minutiös getaktet.

Seit September ist das blonde Mädchen mit den Sommersprossen Schülerin des Erfurter Sportgymnasiums. Ein großer Schritt: Ihre Familie in Gotha sieht sie nur noch am Wochenende. Ihr Tag ist jetzt ab 6 Uhr in der Früh minutiös getaktet: Training, Schule, Training. Für Freizeit scheint da wenig Platz. „Die ersten Wochen waren eine ganz schöne Umstellung. Das war richtig anstrengend“, sagt Luca, die nach anfänglichem Heimweh jetzt die Zeit im Internat genießt. Gut ist, dass sie auf viele ihrer neuen Klassenkameraden schon bei Wettkämpfen und in Trainingslagern traf.

„Lucas Talent habe ich damals schon beim Schwimmkurs fürs Seepferdchen erkannt“, sagt Schwimmwart Kornelia Plenge, eine von vier Nachwuchstrainerinnen im Gothaer Schwimmverein. Zweimal pro Woche bietet der SV 1906 das Training an. Gemeinsam mit dem Landesleistungszentrum lädt er die Talente regelmäßig zu Trainingslagern in den Ferien ein. Ihren Erfolg misst Plenge, die in den 80er-Jahren selbst das Sportgymnasium besucht hat, auch daran, wie viele ihrer Schüler sich immer wieder für das Sportgymnasium qualifizieren. „Es wird immer schwieriger, gute Nachwuchsschwimmer zu finden“, bedauert sie. Vor allem die Jungen seien eher an anderen Sportarten interessiert. „Für viele ist das Kachelzählen zu langweilig.“ Ein weiteres Problem: Viele Kinder lernen erst im Schulsport der dritten Klasse das Schwimmen. „Das ist zu spät. Mit dem Schwimmen muss man frühzeitig beginnen.“ Vor allem die Sprintfähigkeit sei später kaum mehr zu trainieren.


„So langsam wird es schon richtig ernst.“


Noch ist das Schwimmen für Luca ein Hobby. „Aber so langsam wird es schon richtig ernst“, bemerkt die Elfjährige. „Im Training muss ich beißen und kämpfen, auch in der Schule wird es schwerer.“ Beim Kraulschwimmen gehört sie zu den Besten. Trainingsbedarf erkennt sie hingegen noch in ihrer Beinarbeit. Überhaupt verbringt Luca mehr Zeit bei Athletikübungen als im Wasser. Der Muskelaufbau macht sich vor allem bei den Klimmzügen bemerkbar. „Ich schaffe elf, zwölf - deutlich mehr als die anderen“, sagt das Fliegengewicht. „Diszipliniert muss man schon sein. Denn wir haben eine strenge Trainerin.“

„Die Schule ist aber wichtiger als der Sport. Das war immer unserer Voraussetzung“, sagt Mutter Uta Lippert-Birkholz, die richtig stolz sein kann, denn ihre disziplinierte Tochter bringt nur Einsen und Zweien nach Hause. Durch Lucas Erfolg ist auch ihr Leben noch anstrengender geworden. „Es ist sehr zeitaufwändig. Es gibt viele Wettkämpfe, teils an beiden Tagen am Wochenende. Das ist schon eine Berufung für mich, mein Kind in der Hinsicht zu unterstützen. Doch sie hat es immer gewollt. Dabei haben wir sie darauf hingewiesen, dass der Weg hart und steinig wird.“ Derzeit sucht sie für Luca nach Sponsoren, denn die Ausrüstung, die Fahrten zu den Wettkämpfen und die Trainingslager gehen ins Geld und nicht immer ist der Verein in der Lage, seine Mitglieder finanziell zu unterstützen.

„Man darf einfach nicht vorher aufgeben.“


Luca denkt derweil ohne Unterlass daran, wie sie sich immer weiter verbessern kann. „Wenn man nicht ständig trainiert, geht das schnell nach hinten los und man wird langsamer.“ Kommt sie am Freitag von der Schule nach Hause, legt sie in Gotha noch einmal Sonderschichten ein. Und das, obwohl an fast jedem Wochenende Turniere in ganz Mitteldeutschland anstehen. Logischerweise geht der Sommerurlaub bevorzugt nach Rügen, wo Luca jeden Tag in der Ostsee schwimmt. Kaum zu glauben: Nebenher spielt die Sportlerin auch noch Fußball im Verein. Für Luca ist so ein Pensum reine Kopfsache: „Man darf einfach nicht vorher aufgeben und sich niemals einreden: Ich schaffe das ohnehin nicht.“

Kontakt:

www.sv1906-gotha.de
www.thueringerschwimmverband.de
www.sportgymnasium-erfurt.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 11.12.2014 | 17:55  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige