Das Spiel mit den Rollen & für einen Vergessenen: Zum Rollschuhlaufen in die Erfurter Eishalle

Heute versuchen sich die Eiskunstlaufkinder Monika,Colin, Frida und Anne mal auf den Rollschuhen. Sie freuen sich, wenn es ihnen viele Gleichgesinnte nachmachen.
 
Noch fühlt sich das Ganze etwas wacklig an.
 
Kämpfer für den Rollschuh: Manfred Wozniak
Erfurt: Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle | Das Rollenspiel: Der Erfurter Manfred Wozniak lädt Kinder - auch aus Flüchtlingsfamilien - immer freitags zum Rollschuhlaufen ein. Damit regt er die Kleinen an, sich wieder mehr zu bewegen und kämpft gleichzeitg für einen in Vergessenheit geratenen: den Rollschuh.


Vorwärts, rückwärts, rechts herum, dann nach links, vielleicht sogar eine schwungvolle Über-Kreuz-Kombination. Die Rollschuhe machen alles geduldig mit. Oder auch nicht. „Sie tun gar nichts, wenn man sich nicht bewegt“, beschreibt Manfred Wozniak das geliebte Trainingsgerät. Es garantiert einen sicheren Stand und fährt nicht einfach drauflos. „Rollschuhe stellen sich auf das Können des Kindes ein“, sagt der ausgebildete Trainer und Sportenthusiast. Viele Jahre brachte einst der aktive Ruderer seine Mannschaft als Steuermann erfolgreich ins Ziel und zu manchem Sieg, er absolvierte ein Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und wurde Sportlehrer, trainierte unzählige Kinder im Eisschnelllaufen und im Rollschuhsport. Für letzteren ist er ein leidenschaftlicher Kämpfer. „Ein Widerstandskämpfer“, so bezeichnet er sich selbst. Für den Rollschuh, der in Vergessenheit zu geraten scheint. Den viele schon vergessen haben. Inlineskater sind in, über Rollschuhe redet keiner mehr. Dabei können sie so viel.

Der Rollschuh-Virus wirkt


Noch immer schwärmt er von seinen Rollschuhkindern, einige von ihnen sind längst erwachsen und führen noch immer mit ihren Zeiten die Bestenlisten an. Und als er sie noch in Urbich trainierte, hatte Manfred Wozniak wunderbare Unterstützung von der dortigen Regelschule. Er hatte sie wohl alle infiziert mit den Rollschuh-Virus, die Kinder sowieso, die Lehrer, die Eltern. Inzwischen ist er mit seinen rollenden Sportgeräten in die Erfurter Eishalle gezogen, dort bietet er immer am Freitagnachmittag Rollschuhlaufen für Kinder an. Schon die ganz Kleinen sind willkommen, Manfred Wozniak hat Rollschuhe in allen möglichen Größen dabei. Ganz weit öffnet er auch Tür und Herz für Kinder aus Flüchtlingsfamilien, er möchte da sein, ihnen gern zur Seite stehen. Das Verstehen kommt bei der gemeinsamen Betätigung, beim Spaß daran, er nennt es einfach „Integration durch Sport“.


Ein Sport ist Rollschuhlaufen allemal, natürlich, es gibt sogar Weltmeisterschaften im Rollkunstlauf. Doch in Manfred Wozniaks Gruppe geht es nicht um Höchstleistungen oder den Wettbewerb. Er möchte Kinder dazu anregen, sich mehr zu bewegen, eher spielerisch, die Freude daran zu entdecken. „Jedes Kind kann Rollschuh laufen“, lautet die feste Überzeugung des Trainers. Zwar seien die Bewegungsabläufe, würde man sie wissenschaftlich erklären, ziemlich kompliziert, trotzdem scheinen sie auch ungeübten Kindern im Blut zu stecken.

Das Gute am Rollschuh sei, so der ehemalige Sportlehrer, dass er das Kind selbstbestimmt fahren lässt, es ist von niemand anderem abhängig. Sogar geistig Behinderte kommen wunderbar mit dem Sportgerät zurecht, hat Manfred Wozniak die Erfahrung gemacht. Wer dranbleibt, wird bald schon fit sein, sich so manches kleine Kunststück zutrauen. Bei der regelmäßigen Betätigung entwickelt der Rollschuhläufer seine Kraft und die Kondition, Orientierungs- und Koordinationsvermögen werden besser, die Anstrengungen mit neuem Können belohnt. Ein Talent, so weiß der erfahrene Trainer, ist man nicht einfach. Man wird es erst, durch Training, durch Fleiß, durch den Spaß daran, etwas zu tun und darin immer besser zu werden. Manfred Wozniak freut sich auf viele neue Kinder, die gemeinsam mit ihm das Rollschuhlaufen entdecken wollen. Auch die Eltern dürfen gern mitmachen.

Termin zum Rollschuhlaufen:



An jedem Freitag von 15 bis 16 Uhr, Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle (Eisschnelllaufhalle) in Erfurt. Willkommen sind Kinder aller Altersklassen, Rollschuhe sind vorhanden. Wenn es genügend Interessenten gibt, möchte Manfred Wozniak demnächst gern den „Erfurter Kindersport- und Spielverein für Roll- und Eissport“ gründen.



Rollschuhe:


Rollschuhe bestehen im Wesentlichen aus Schuhen und darunter auf einem Chassis angebrachten Rollen. Es gibt Rollschuhe, bei denen das Chassis und der Schuh fix miteinander verbunden sind, und solche, die angeschnallt werden können. Im Allgemeinen sind Rollschuhe über ein gummigefedertes Gelenk lenkbar.


Eine unsichere Überlieferung berichtet von Rollschuhen, die bei einer Londoner Theateraufführung im Jahr 1743 verwendet worden seien. Gegen 1760 baute der Musikinstrumentenbauer und Violinist Jean-Joseph Merlin aus dem belgischen Huy eine Konstruktion aus drei hintereinander unter den Schuh montierten Laufrollen, die als skaites bezeichnet wurden. Ziel war eine Nachahmung des Schlittschuhlaufs auf Parkett oder Bühne. Bei einem Maskenfest spielte er rollschuhlaufend Geige.


Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gewann das Rollschuhlaufen erneut als Bühnenspektakel eine gewisse Attraktion. So kam in der Oper „Le prophète“ von Giacomo Meyerbeer, 1849 in Paris uraufgeführt, eine Eislaufszene vor, die auf Rollschuhen ausgeführt wurde.


Am 6. Januar 1863 erhielt der Amerikaner James L. Plimpton ein US-Patent auf den von ihm erfundenen Rollschuh mit vier Rollen. Um 1870 war Paris fast vollständig asphaltiert, die anderen europäischen Großstädte folgten. 1883 wurden durch die Erfindung der Kugelschleifmaschine Kugellager für Alltagsgeräte erschwinglich. Diese beiden Voraussetzungen trieben die Entwicklung zu einem von städtischen Jugendlichen auf der Straße nutzbaren Spiel- und Sportgerät voran.


Außerhalb des Leistungssports gehörten bis in die 1950er-Jahre eiserne Rollen und an die Schuhsohlen geklemmte Spannbacken mit Lederriemen zu den Rollschuh-Standardmerkmalen. 1956 wurden Gummirollen üblich, die bald durch Kunststoff ersetzt wurden. Später gab es fest an die Stiefel montierte Rollen, und 1980 wurden Rollerboots mit ihren bunten Stiefeln, weichen Rollen und lenkbaren Chassis zum Trend. Ein erneuter Modewechsel brachte um 1980 Inline Skater auf den Markt. (Quelle: Wikipedia)

Übungen fürs Rollschuhlaufen:

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