Der Mühlhäuser Marius Al-Ani kommt mit Deutschlands größter Wrestling-Liga wXw nach Erfurt

Wann? 04.06.2017 16:00 Uhr bis 04.06.2017 20:00 Uhr

Wo? Club From Hell, Flughafenstraße 41, 99092 Erfurt DE
"Mit 1,74 Meter bin ich einer der kleineren Jungs, aber stabiler gebaut. Einem Gegner meiner Größe bin ich meist körperlich überlegen", sagt Wrestler Marius Al-Ani über sich. (Foto: wXw Europe GmbH)
 
Der Mühlhäuser Wrestler Marius ­Al-Ani, alias Mr. No Bullshit (links), ist im Ring ein Allrounder. Zu seinen Parade­aktionen gehören der „Dropkick“... (Foto: wXw Europe GmbH/Oli Sandler)
 
...und der „Frog Splash“. (Foto: wXw Europe GmbH/Oli Sandler)
 
Insgesamt sieht sich der Thüringer als einen Techniker im Ring. (Foto: wXw Europe GmbH)
Erfurt: Club From Hell |

Mr. No Bullshit – dieser Name ist eine Kampf­ansage. Der Mühlhäuser Wrestler Marius Al-Ani ist amtierender „wXw World Tag Team Champion“. Derzeit ist der 26-Jährige mit Deutschlands größter Wrestling-Liga auf Deutschlandtour. Dabei macht die „Westside Xtreme Wrestling“ (wXw) Anfang Juni auch in Erfurt halt. Vorher sprach der Thüringer mit mir.

In Ihrem Wrestler-Profil steht: Lange Interviews und private Geschichten sind Ihnen zuwider. Das sind ja keine guten Voraussetzungen für dieses Gespräch.
Das ist ein veralteter Artikel. Alles gut. Wir können über alles reden.

Kommt denn daher ihr Kampfname: Mr. No Bullshit? Weil Sie statt mit Worten lieber mit Leistungen im Ring überzeugen wollen?
Jein. Ich habe zu Beginn meiner Karriere nicht das typische Entertainment gemacht, sondern habe eher auf das Sportliche gesetzt. Das hat sich mittlerweile aber geändert.

Anfang Juni kommen Sie mit Deutschlands größter Wrestling-Liga „Westside Xtreme Wrestling“ nach Erfurt. Eine Besonderheit der wXw ist die Nähe zum Zuschauer. Es gibt also keine Gitter um den Ring und die Wrestler führen persönliche Gespräche mit den Zuschauern nach den Kämpfen. Das machen Sie mittlerweile also alles gerne mit?
Natürlich, klar.

Wie groß ist denn der Showanteil beim Wrestling?
Schwer zu sagen. Beim Europäischen Wrestling liegt der Showanteil so bei 30 Prozent, das Sportliche bei 70 Prozent. In den USA ist es eher umgekehrt. Aber jede Liga hat eine andere Ausrichtung und jeder Wrestler auch. Bei mir überwiegt im Ring das Sportliche. Bei Interviews oder bei Promotion-Videos nehme ich aber den vollen Entertainer-Part ein.

Jeder Wrestler hat seine Rolle. Welche ist Ihre?
Ich bin ich mal 100. Naja, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber ich bin von Natur aus ein ehrgeiziger Typ, ein Athlet, der die sportliche Auseinandersetzung will. Jetzt habe ich noch einen Tackling-Partner. Er ist der volle Entertainer. Das gibt im Team einen guten Twist.

Sie ergänzen sich also gut. Wie gehen Sie denn mit Niederlagen um? Können Sie auch verlieren?
Das muss man ja können. Verlieren gehört zum Sport dazu. Am Ende steht die Show im Vordergrund, dass alles gut abläuft und der Fan zufrieden ist.

Wie sind Sie zum Wrestling gekommen. Haben Sie als Kind die Kämpfe von Hulk Hogan & Co. im Fernsehen verfolgt?
Genau. Ich habe so mit zehn Jahren das erste Mal Wrestling gesehen und wollte das auch machen. Ich habe auf der Bettmatratze oder auf der Hochsprungmatte in der Schule begonnen rumzuturnen. Mit 16 habe ich eine Schule entdeckt und bin von da an ins Training gegangen.

Dafür sind Sie immer nach Hannover gefahren.
Richtig. Es ging jedes Wochenende nach Hannover, vier Stunden Training und dann wieder heim.

Also war Ihnen Ihr Weg schon ziemlich früh klar?
Ja. Ich wollte es immer machen. Mit 14 habe ich es mir richtig in den Kopf gesetzt. Dann gab es keinen Weg mehr am Wrestling vorbei.

Hatten Sie ein Aha-Erlebnis?
Ja, ich hatte einen Autounfall und war lange im Krankenhaus. Das war für mich ein Zeichen. Ich beschloss für mich: Du musst deinen Traum wahr machen. Ich habe alles ein wenig ernster genommen, im Boxclub trainiert und dann die Wrestlingschule entdeckt.

Können Sie mittlerweile vom Wrestling leben?
Ja. Es haben sich dadurch noch viele Sachen nebenbei entwickelt, was Film und Fernsehen angeht oder Model-Geschichten. Alles rum um Entertainment war in der Wrestling-Ausbildung dabei. Ich war auf alles vorbereitet und habe Kontakte in jede Richtung.

Woher kommt denn die Leidenschaft für diesen ungewöhnlichen Sport?
Wer nicht Teil der Wrestling-Szene ist, kann diese Leidenschaft wahrscheinlich nicht nachvollziehen. Wrestler sind schon etwas Besonderes. Das Verhalten backstage, mit den Jungs unterwegs sein. Was man sich freiwillig antut, da muss man schon verrückt sein. Was mich wirklich fasziniert hat: dass die Leute damals als übermenschlich dargestellt werden. Natürlich sahen damals auch alle aus wie Comicfiguren mit riesigen Körpern. Dann die Show drumherum, das Feuerwerk, diese Präsenz der Leute – das hat mich - wie das Sportliche auch - fasziniert.

Sind Wrestler moderne Gladiatoren, die in die Arena ziehen?
So würde ich mehr fühlen, wenn ich Boxer wäre. Ich fühle mich eher wie ein Live-Stuntman. Man hat einen Film, den man den Leuten präsentieren will, und macht die Actionszenen live. Man denkt sich, dass bestimmte Aktionen bestimmte Reaktionen hervorrufen und will das Bestmögliche herausholen.

Wollen Sie das Publikum denn auf Ihrer Seite wissen oder provozieren Sie lieber?
Ich habe es lieber auf meiner Seite.

Wer sich die Bilder der Wrestler ansieht, blickt in grimmig guckende Gesichter. Typen, denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte. Aber eigentlich sind das alles ganz nette Leute, nehme ich an. Oder?
Ja. Man kommt mit den meisten schon gut aus. Mit den anderen pflegt man einen professionellen Umgang. Man will sich nicht verletzen. Aber es kann vorkommen, dass man sich eine mitgibt. Grundsätzlich sind das alles korrekte Typen.

Entschuldigt sich manchmal auch jemand backstage?

Ja und nein. Grundsätzlich schon, wenn irgendetwas gelaufen ist, wie es nicht hätte laufen sollen. Auf der anderen Seite nimmt es einem aber auch keiner übel, wenn mal etwas zu hart war. Dafür ist man Wrestler, das muss man auch wegstecken können.

Man muss schon verrückt sein, diesen Sport auszuüben. Sind denn alle privat so durchgeknallt wie im Ring?
Da gibt es solche und solche. Manche sind ganz ruhig und reden nicht viel. Bei anderen erkennt man gar keinen Unterschied – sie sind genauso verrückt wie im Ring. Es gibt auf jeden Fall viele verrückte Charaktere.

Und selbst wenn man sich im Ring beschimpft, verträgt man sich privat durchaus?
Manche geben sich noch härter, weil sie sich auch sonst nicht leiden können. Andere wissen, dass sie Grenzen übertreten können, weil es der andere einem nicht übel nimmt.

Wie puschen Sie sich emotional auf, ehe Sie in einen Kampf gehen? Gibt es ein Ritual?
Ich brauche mindestens eine halbe Stunde mein Warm-up, damit ich erst einmal warm werde und weiß, dass ich auch Leistung bringen kann. Nicht aufgewärmt, ist es bei mir schnell vorbei und ich bekomme nicht richtig Luft. Ansonsten mache ich mir ein paar Gedanken, klopfe mich überall ab. Meisten beschütte ich mich noch mit Wasser. Dann geht es los, in mich gekehrt.

Cremt man sich ein, um flitschiger zu sein?
Am Anfang der Karriere machen das viele, damit der Loop besser ist. Aber eigentlich ist es voll dumm, weil man viel zu glitschig ist und so Verletzungen passieren können. Man muss aufpassen, dass man nicht abrutscht und den Gegner oder sich selbst dabei verletzt.

In der wXw soll es noch härter, direkter und actionreicher zugehen. Stimmt das?
Ja. In der bekannten WWE ist das ganze Produkt auf TV ausgerichtet. Sie müssen mit ihren Athleten, die dort unter Vertrag stehen, das ganze Jahr über rechnen. Sie dürfen sich nicht verletzen. Deswegen haben eine softere Art zu arbeiten. In allen anderen Indie-Wettbewerben steht der Sport mehr im Vordergrund und man arbeitet härter. Da das Publikum näher dran ist und besser sieht, was passiert, muss man das einfach. Man kann die Stellen nicht wegschneiden, wo groß getrickst wird.

Keine wirkliche Pause



Tun Ihnen nach dem Kampf alle Knochen für mehrere Tage weh? Und waren Sie schon einmal schwerer verletzt?
Eine richtig schlimme Verletzung hatte ich bisher noch nicht. Mit Standardsachen wie einem steifen Nacken oder mal einer Verstauchung steigt man trotzdem in den Ring. So ein Kampf ist nicht ohne. Aber es geht trotzdem weiter. Eine wirkliche Pause habe ich nicht. Nach drei Tagen Kampf am Wochenende kuriere ich mich maximal am Montag aus. Wenn überhaupt. Eigentlich geht es direkt wieder ins Training.

Werden Ihre Kämpfe nicht im Fernsehen gezeigt?
In Streamingdiensten werden Kampfe aus aller Welt gezeigt. Die wXw hat ihr eigenes Network, wo alles übertragen wird. Es geht alles mehr ins Internet. Tele5 zeigt eine amerikanische Liga. Einige der Wrestler sind am Wochenende bei einer großen Show bei uns.

Wie ist die Entwicklung: Nach den 90ern ist es doch erst einmal ruhiger geworden.
Seit ein, zwei Jahren gibt es wieder einen Hype. Die Fangemeinschaft war immer da. Das Interesse ist natürlich nicht so auffällig, wenn im Fernsehen kein Wrestling gezeigt wird oder gute Indie-Ligen touren. Die WWE ist wieder vermehrt im deutschen Fernsehen zu sehen. Einige wissen ja gar nicht, dass es Shows in ihrer Stadt gibt.


Wrestling ist ein Geschäft.



Wie sieht es in Thüringen aus?
Es gibt nur noch einen anderen Thüringer Wrestler.

Wer Wrestling betreiben will, wird wohl keinen Verein finden, oder?
Vereinsmäßig gibt es gar nichts. Das ist ein Geschäft. Wer sich dafür interessiert, muss zur Wrestling-Schule. Nicht alle würde ich empfehlen. Eine gute Adresse ist die Schule, an der ich in Hannover war oder die wXw hat eine eigene professionelle Akademie.

Sie sind 1,75 Meter groß. Spielt die Größe eine Rolle?
Es gibt einen großen Wandel zu früher. Mein Trainer zum Beispiel durfte in seiner aktiven Karriere nicht in den Ring ohne 90 Kilo Gewicht. Solche Geschichten kannst du heute vergessen. Es ist egal, weil sich die ganze Szene gewandelt hat. Wer gut trainiert ist und muskulös ist, schützt ja auch seinen Körper. Die Größe ist ein Hingucker. Wer groß und schwer ist hat es bei einer größeren Liga leichter, weil man schon viel aushält.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ich bin ein Allrounder – vom Techniker bis zum Herumfliegen. Es gibt Kraftaktionen. Alles drin bei mir – je nachdem, welchen Gegner ich habe. Ich bin einer von den kleineren Jungs, aber stabiler gebaut. Einem Gegner meiner Größe bin ich meistens körperlich überlegen, nutze meine Kraft. Bei größeren Gegnern setze ich eher auf Technik und Flugaktionen.


Die Leute wollen den Froh Splash sehen.



Es gibt Trademark-Manöver und jeder hat seine Paradeaktionen. Wie entstehen diese?
Jeder entwickelt seine eigene. Es ist ein Aushängeschild, weil die Zuschauer die typische Aktion vom Wrestler sehen wollen.

Die Fans wissen also, Al-Ani macht gerne Frog Splash.
Genau und den wollen sie sehen. Ich springe vom dritten Seil oben, vom Pfosten auf den liegenden Gegner. Die Arme sind zwischen den Beinen, die wie beim Frosch gespreizt sind.

Es gibt wahnsinnige viele dieser Techniken. Lernt man die auswendig?
Es ist wie ein anderes Kampfsporttraining. Man lernt die Techniken, das dauert lange. Aber heute muss ich beim Techniktraining nur manches auffrischen. Wenn man es einmal gelernt ist, kann man das auch.

Sind die Kämpfe choreografiert?
Es komplett durch zu choreografieren, ist gar nicht möglich. Wenn ich bis zu drei Kämpfe am Tag habe über mehrere Monate, kenne ich meinen Gegner vielleicht zehn Minuten vor dem Kampf. Man sagt sich meistens noch, welche Aktionen man machen möchte, um sich auf den Gegner einzustellen. Man will sich ja nicht verletzen. Sonst merkt man eben, wie es abläuft.


Jeden Tag vier Stunden Training



Haben Sie vor manchen Gegnern auch Schiss?
Nein. Schiss habe ich eher vor einem Wrestler, der noch nicht so lange dabei ist, weil er nicht so sauber arbeitet wie ein erfahrener Wrestler. Wenn er gefährliche Aktionen ankündigt, überlege ich schon, ob er sie sauber hinbekommt.

Wie viel müssen Sie trainieren?
Jeden Tag, etwa vier Stunden.

Beim Ninja-Warrior im Fernsehen waren Sie auch dabei. Dort waren die Parkour-Sportler im Vorteil, oder?
Ja, das war eher etwas für die Kletteraffen. Ich war ganz zufrieden mit meiner Leistung. Und es hat auch Spaß gemacht. Ich hatte Bock darauf. Dass ich mich nicht vorbereiten konnte, weil ich ein bisschen krank war, und außerdem gerade Gewicht zulegen wollte, war vielleicht kontraproduktiv. Aber es war eine schöne Sache.

Wie sind Ihre Ziele?
Ich war vor ein paar Tagen in London zum WWE-Sichtungstraining der ganz Großen. Wenn die sich melden, würde ein Traum in Erfüllung gehen. Ansonsten wäre eine Tour in Japan noch auf meiner Wunschliste. Ansonsten verletzungsfrei bleiben und es so lange machen können, wie es möglich ist.

Sie sind erst 26 Jahre alt, haben also noch ein bisschen Zeit bis zum Karriereende. Gibt es einen Plan für die Zeit danach?
Ich habe meine Karriere so geplant, dass es so läuft, wie ich das für mich vorstelle. Das sieht bisher alles ganz gut aus. Dabei entstehen viele Sachen nebenher: Film und Fernsehen, da könnte sich etwas entwickeln oder Modeling. Noch denke ich darüber nicht so viel nach. Ich gebe lieber Gas und treibe die Karriere voran.


Hintergrund

• Termin: Westside Xtreme Wrestling (wXw), 4. Juni, von 16 bis 20 Uhr, Club „From Hell“ in Erfurt, www.clubfromhell.de
• Kontakt:
Facebook – @marius.alani,
Twitter – @mariusAL_Ani,
www.wxw-wrestling.com


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1 Kommentar
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Petra Seidel aus Weimar | 19.05.2017 | 17:25  
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