Die Jenaer Hip-Hop-Tänzer "Cucumbers" fahren zur Weltmeisterschaft

 

Von wegen Gurkentruppe! Die Jenaer Hip-Hop-Tanzformation "Cucumbers" (zu deutsch "Gurken") tritt Ende August als Newcomer bei den Weltmeisterschaften in Glasgow an.



"Gurke, Gurke, Cucumbers!“ Sie rufen, so laut sie können. Dazu stehen sie im Kreis, leicht nach vorn gebeugt, in der Mitte stapeln sich die Hände. Nur die linke jeweils, die vom Herzen. Die Gesichter glühen vor Erwartung, die durchtrainierten Körper lassen sich nur schwer zur Ruhe zwingen. „Gurke, Gurke...“ Nach dem Ruf kann die Schlacht beginnen. Die zehn Kämpferinnen und Sebastian als männlicher Part sind bereit. Ihre „Waffen“: Beine und Arme, starke Rücken, Köpfe - der ganze Körper in Bewegung. Und Musik natürlich, an die sich harmonieverwöhnte Ohren erst einmal gewöhnen müssen, so laut, abrupt und gewaltig sie daherkommt: HipHop. Die „Cucumbers“ tanzen dazu. Das tun sie sogar immer besser. „Dabei gibt es uns erst seit Ende 2012“, ist Henriette Holzheu ein wenig erstaunt über die rasante Entwicklung der HipHoper. Sie, die Erfurterin, die in Jena Sportwissenschaft studiert, hatte eigentlich nur eine Gelegenheit zum Tanzen gesucht und die Formation gegründet.


Sie haben sich schnell gefunden in Jena. Heute sind sie elf, neben Henriette sind das Karolin, Romy, Teresa, Angelina, Olga, Julia, Carolin, „Titi“, Maria und Sebastian, alle zwischen 17 und 27 Jahren alt, die meisten studieren noch. In Jena haben sich die „Cucumbers“ - was übersetzt „Gurken“ bedeutet - längst einen Namen gemacht. Nicht etwa als 'Gurkentruppe', sondern eine, die von ihrem Handwerk eine Menge versteht. Sie heben sich ab. Für sie ist HipHop zwar ein Tanz, aber eben auch Kultur, ein Lebensgefühl. Ein richtig gutes. Kommen die anderen in ihren Wettbewerbs-Outfits eher düster rüber, mögen es die Cucumbers farbenfroh. Bunte Käppis, schwarz-weißes Oberteil, farbige Tops und Schnürsenkel. Sie erzählen mit ihren Auftritten Geschichten. Jetzt zum Beispiel diese nach dem Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel. Sie sind die Spielfiguren und agieren fröhlich, beschwingt. In die zwei Minuten dieses Tanzes lassen sich alle möglichen HipHop-Stile einbauen. Mal bewegen sie sich roboterhaft oder wie Zeichentrickfiguren, eine Welle fließt durch ihre Körper, sie stampfen, sie wirken einen Augenblick wie eingeforen, gestikulieren wild, machen eine Bodenwelle... Ein paar kleine zusätzliche Stunts sorgen für den Wow-Effekt. Ihr Mix kommt an. Vor allem, wenn es wirklich drauf ankommt.


Das haben die Jenaerinnen in diesem Jahr eindrücklich unter Beweis gestellt. „Wir wollten einfach mal bei größeren Wettkämpfen dabei sein und sehen, wo wir so stehen“, erzählt Henriette von dem weiter gesteckten Tanzradius der Gruppe. Schon die Süddeutschen Meisterschaften bringen den Cucumbers das Ticket für die Deutsche und die Europameisterschaft. Mit dem 4. Platz in Deutschland und dem 9. europaweit holen sich die Jenaer Newcomer locker die Einladung zur Weltmeisterschaft. Sie konnten über den Erfolg erst einmal gar nicht jubeln, erinnern sich die HipHoper in einer kurzen Trainings-Verschnaufpause mitten in Jenas Zentrum. Schließlich ist die Teilnahme an so einer Weltmeisterschaft mit ziemlichen Kosten verbunden. Allein die Startgebühr beträgt 80 Pfund pro Tänzer. Schnell sind sie sich einig: Wir sind dabei, es geht nach Schottland!


Wenn die Cucumbers vom 28. bis 30. August ihren großen Auftritt bei den UDO (United Dance Organisation) World Championships haben, dann liegt ein Haufen Arbeit hinter ihnen. Wochenlang waren sie unterwegs, um das nötige Geld für Flug, Unterkunft und Teilnahme zusammenzutragen. Sie haben ein paar Sponsoren gefunden, fleißig Ohrringe gebastelt und verkauft, Kuchen verkauft... Fast haben sie alles Geld zusammen. Die meiste Zeit geht natürlich für das Training drauf. Jetzt, in der heißen Phase, an jedem Abend, nach einem anstrengenden Arbeits- und Studiertag. Immer wieder üben sie Teile ihrer gemeinsam entwickelten Choreographie und den Tanz im Ganzen, filmen sich beim Training, um jeden noch so kleinen Fehler analysieren und ausmerzen zu können. „Jeder Finger muss synchron sein“, formuliert die 25-jährige Henriette die schwierigen Ansprüche. Dazu kommt das Krafttraining, eine halbe Stunde mindestens in jeder Einheit. HipHop fordert den Körper immens, Rücken, Bauch und Beine müssen besonders stark sein. „Manchmal ist das alles wirklich Stress, aber wir sind hochmotiviert“, sagt Henriette, die anderen stimmen nickend zu. Die Jenaerinnen wissen nicht, gegen wieviele andere Teams sie antreten müssen, sie wollen es auch vorher nicht erfahren. Schließlich ringt ihnen schon das Bild der Wettkampfhalle riesigen Respekt ab, so gewaltig, wie sie aussieht. Ihr großes Ziel bei der WM? Auf gar keinen Fall Letzter werden, geben sie sich bescheiden. Naja, ins Finale zu kommen, wäre schon toll, gestehen sie lächelnd und schwitzend. Dafür müssen sie aber noch ein wenig trainieren, die Pause ist vorbei.


Noch mehr Informationen:www.udo-germany.de, Facebookseite der Cucumbers-Tanzformation.


HipHop:



HipHop (auch Hip-Hop oder Hip Hop geschrieben) ist ein auf dem Rap basierender Musikstil, der durch elektronisch erzeugte, stark rhythmisierte und melodienarme Musik und Texte, die ursprünglich vor allem das Leben der unteren sozialen Schichten in amerikanischen Großstädten widerspiegeln, gekennzeichnet ist. Der Begriff stammt aus dem Englisch-Amerikanischen und ist von hop = Hüpfer, Hopser, to hop = hüpfen abgeleitet. HipHop entstand in den afroamerikanischen Ghettos New York Citys der 1970er-Jahre und hat sich mittlerweile zu einer weltweiten Subkultur der urbanen Jugend (Jugendkultur) entwickelt. Aufgrund ihrer Ursprünge versteht sich HipHop als Kultur, die zum erheblichem Maße auf der Straße gelebt wird.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige