Die Pferdenarren

Thomas Dünisch (rechts) und Sohn Carsten zählen zu den erfolgreichsten Voltigierern Thüringens. Fotos: Gräser
 
Junge Voltigierer der PSG Waltersleben.
Erfurt: Reitsportanlage | Familie Dünisch sammelt viele Meistertitel und freut sich nach
25 Jahren wieder auf die Landesmeisterschaften im Voltigieren auf der Reitsportanlage in Waltersleben



Von Thomas Gräser

1979. Waltersleben bei Erfurt. Ein Konsum, die Gaststätte "Alte Grotte", 350 Einwohner. Zur DDR-Meisterschaft im Voltigieren aber platzt das idyllische Dörfchen aus allen Nähten. Großer Bahnhof auf der schmucken Reitanlage. Der gerade 15-jährige Thomas Dünisch hat ein Heimspiel und holt völlig überraschend den Meistertitel. Waltersleben rückt in den Blickpunkt der Voltigier-Elite. Dort trifft sie sich letztmalig 1985, zur Bezirksmeisterschaft.

Jetzt gibt es für Thomas Dünisch doppelten Grund zur Freude. Im Jahr 2010 - nach 25 Jahren - finden die Landesmeisterschaften im Voltigieren erstmals wieder in Waltersleben statt. Sein Sohn Carsten will den Titel holen. Zum elften Mal hintereinander. Voltigieren in Waltersleben ohne Familie Dünisch? Undenkbar!

Thomas Dünisch ist diesmal als Betreuer dabei und blickt auf eine lange Karriere mit drei DDR-Meistertiteln zurück. "Mein Sieg damals war nicht abzusehen, er kam völlig überraschend", erinnert sich Dünisch. Denn 1979 betrieb die Pferde-Sport-Gemeinschaft Waltersleben (PSG) erst seit vier Jahren das Voltigieren. So kurz turnte auch der damals 15-Jährige - der in der Einzelkonkurrenz antrat - auf dem Pferd.

"Als ich an der Reihe war wurde es ganz ruhig in der Reithalle." Das Pferd "Gamma" drehte an der Longe (Leine) gewohnt gelassen seine Runden. Thomas sprang auf - Reitsitz, Fahne, Mühle, Schere vorwärts, freihändig Stehen, Freie Flanke - eine sichere Pflicht. Es folgten später zwei Küren: Von außen anlaufen, Freie Flanke nach innen und gleich wieder zurück. "Ich war einer der wenigen, die diese Übung turnten", erinnert sich Thomas Dünisch.

Im zweiten Kürprogramm zeigte er das Hochspringen ins Knie, bewegte sich kniend auf dem blanken Pferderücken und sprang ins Stehen hoch, die Arme zur Seite ausgebreitet. Und das alles vier Mal hintereinander. Höchstwertung - Sieg - DDR-Meister!

Ganz Waltersleben war stolz. Nach dem Titelgewinn war der Überraschungsmeister die folgenden drei Jahre - bis auf ein Turnier - unschlagbar. In dieser Zeit holte Thomas Dünisch noch zwei weitere DDR-Meistertitel. Mit 18 Jahren war in der DDR automatisch das Karriereende besiegelt. Dem Reitsport ist er aber bis heute treu.

Auf der Reitanlage lernte Thomas seine Frau Christine kennen. Ihre zwei Söhne sind ebenso große Pferdenarren. Denn der Apfel fällt nicht weit vom Pferd! Sohn Carsten, Jahrgang 1987, waren die Fußstapfen seines Vaters nicht zu groß. Er begann mit sechs Jahren das Voltigieren. Früh schnupperte er Stallgeruch auf der "Ranch". Als er die kleine Schatztruhe seines Vaters beim Süßigkeitensuchen im Schrank entdeckte - randvoll mit Medaillen, Schleifen und Schärpen - spornte ihn das zusätzlich an. 1999 wurde Carsten mit der Gruppe Landesmeister im Voltigieren und 2005 Deutscher Jugendmeister im Einzel. Er ist seit zehn Jahren ununterbrochen als Einzelturner Thüringenmeister.

Daneben wurden Vater und Sohn Bezirks- beziehungsweise Landesmeister im Dressur- und Springreiten. Auch Sohn Jürgen, 1990 geboren, war zweimal Landesvizemeister im Einzelvoltigieren und mehrmals mit der Gruppe. Mutter Christine, einst Vize-Bezirksmeister in der Dressur, trainiert heute die Voltigierer der Pferde- Sport-Gemeinschaft Waltersleben. Wenn nach 25 Jahren Pause wieder eine Landesmeisterschaft in Waltersleben durchgeführt wird, ist sie natürlich mit dabei: die pferdeverrückte Familie Dünisch.


VOLTIGIEREN IST... Übungen in turnerischakrobatischer Form auf dem galoppierenden Pferd. Es kommt auf das harmonische Zusammenwirken von Pferd, Turner und Longenführer an.

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