Ein Fan für „FC Carl Zeiss Jena“ und ein Fan für „FC Rot-Weiß Erfurt“ – und ich

Unsere Kinder waren so um die 8-11 Jahre und starke Fans. Martin schwärmte für Erfurt, während Achim Jena die Treue hielt. Natürlich wollten beide einen entsprechenden Schal haben. Da Muttern gern und gut strickte, waren diese Wünsche bald erfüllt und sorgten für stolze Kinderaugen.

Auch damals gab es Thüringen-Derbys und stand eines Tages wieder ein Spiel im Jenaer Ernst-Abbe-Stadion zwischen Erfurt und Jena an. Da wollten beide hin. Unbedingt! Und das Drängen nahm wahrlich Ausmaße an, dass ich schließlich klein beigab, zumal man mir damit kam, dass dieses Spiel doch in meiner Heimatstadt Jena stattfinden würde und sie dadurch gleich das Stadion erleben konnten, von dem ich ihnen schon mehrfach erzählte. Nun wollten sie auch mal dort Fußballluft schnuppern.

So fuhren wir nach Jena. Im Bereich der alten Jenaer Brauerei stellte ich den Skoda „weit genug“ vom Stadion ab. Die Kinder waren happy und löcherten mich mit Fragen, wie das so sei, was zu erwarten wäre, wo wir stehen würden usw. Nunja, ehrlich gesagt bin ich wahrhaftig kein Fußballfan und schon gar nicht mit den Gegebenheiten eines solchen Spiels vertraut.
Im Stadion standen wir bald darauf. rechts hinter der Kurve (gegenüber der Tribüne) hatte ich unseren Stellplatz festgelegt – nicht wissend, was das für Folgen hatte!
Kaum waren wir in der Kurve, wurden wir auch schon verbal voll angegriffen. Was das solle, wenn wir dort als „Erfurt-Fans“ durch wollten, was an Martins Schal deutlich zu sehen sei. Dann spendete man uns lachendes Gelächter: „Nicht übel diese Truppe! Haben gleich einen Fan für jeden mit!“ Wie Spießrutenlauf kam mir das vor, zumal die Kinder am liebsten stehen geblieben wären, um ihre Leidenschaft zu erläutern und die Erwachsenen aufzuklären.

Den ausgemachten Stellplatz erreicht, Wollte Martin in die „Erfurt-Fan-Kurve“. Mit der Zeit machte ich mir dann aber schon Sorgen. Als er wieder kam, war er ganz verstört. Er hatte seinen schönen Schal unter die Jacke gezogen, damit man ihn überhaupt aus dieser Fan-Kurve herausließ.

Wer nun gewonnen hatte und wie hoch, ist mir nicht mehr erinnerlich. Es muss Erfurt gewonnen haben. Denn als wir unser Auto erreichten, war dessen Dach mit drei Dellen geschmückt – ein „Freundschaftsgeschenk“ für die Gothaer-Erfurter. Da vergaß ich sofort den Spruch eines Betrunkenen während des Spiels: „Haut se, haut se, haut se auf die Schnauze bis ihr Blut zum Himmel spritzt!“
Na nun war meine mangelnde Fußball-Leidenschaft aber restlos dahin!

Als Wochen später Jena immer mehr den Boden unter den Füßen verlor, fragte imich unser Jena-Fan, ob man eigentlich als Fan den Verband wechseln dürfe?! Ein richtiger Fan geht durch alle Höhen und Tiefen seines Clubs, habe ich geantwortet.
Somit blieben wir „Erfurt-Fan“, „Jena-Fan“ und ich.
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Frank Schönemann aus Erfurt | 14.05.2011 | 12:18  
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