Ein harter Kerl - Max Böttner startet als Sommerbiathlet und sucht Herausforderungen der besonderen Art

Max Böttner beweist beim Sommerbiathlon sein Geschick am Schießstand. (Foto: Böttner)
 
Max Böttner überwindet beim „Getting Tough – The Race“ die schwierigen Hindernisse. (Foto: Böttner)
Skifahren ohne Schnee, das ist doch Quatsch?
Beim Sommerbiathlon geht es nicht um Skifahren. Stattdessen bestehen Wettkämpfe aus dem Crosslaufen – also Laufeinheiten querfeldein über unbefestigte Wald und Wiesenwege – und aus Schießeinheiten.

Was sind die großen Unterschiede zwischen Sommer und Winter-Biathlon?
Der größte Unterschied besteht darin, dass die Sportart Sommerbiathlon kein richtiger Profisport ist, sondern für alle Sportler nur ein Hobby. Eine weitere Besonderheit zum Winterbiathlon ergibt sich daraus, dass wir im Sommer die Waffe nicht mittragen müssen, sie bleibt am Schießstand.

Was können Sommerbiathleten besser als Biathleten im Winter?
Schwierige Frage, was kann ich denn besser? Ich denke, wir Sommerbiathleten können besser laufen. Denn Crosslaufen gibt es im Winterbiathlon nur bis zur Altersklasse 15/16. Danach erfolgt das Training auf andere Art.

Wie viele Trainingskilometer legen Sie in der Woche zurück?
Ich würde sagen, so 80 bis 120 Kilometer. Es kommt ganz auf die Intensität an. Als „Ultra- Läufer“ lege ich Distanzen zurück, die länger sind als normale Marathons.

Wie viel Paar Turnschuhe verschleißen Sie im Jahr?
So genau zähle ich da nicht mit – aber normalerweise sollten Schuhe nur 1000 Kilometer gelaufen werden, sonst wird es schlecht für die Füße.

Bekommen Sommerbiathleten auch kalte Füße?
Aber klar, vor jedem Schießen.

Möchten Sie das Training auch manchmal ausfallen lassen?
Das Training ist kein Zwang für mich, dafür macht es mir viel zu viel Spaß draußen zu sein. Das ist meine größte Motivation: Raus gehen, etwas Erleben und einen Ausgleich zu dem ganzen geistigen Stress von der Uni zu bekommen.

Mit welchem Sportler würden Sie gerne einmal trainieren?
Ich trainiere gern mit Leuten zusammen, die den Sport genauso mögen wie ich. Leute, mit denen man sich austauschen kann und die ähnlich leidenschaftlich dabei sind. Da ist es mir egal, ob diese Sportler Unbekannte oder Weltstars sind.

Gab es einen besonders spannenden Wettkampf?
Da muss ich sofort an die Verfolgung beim Sommerbiathlon-Wettkampf im vorherigen Jahr in Zerbst denken. Letztes Stehen-Schießen: Mit zwei weiteren Athleten komme ich an den Schießstand, es geht um die Podiumsplatzierungen. Ein von ihnen verlässt als Erster den Stand, sein Sieg ist ihm nicht mehr zu nehmen. Der andere Sportler und ich schießen jeweils zwei Fehler. Wir müssen pro Fehler eine Strafrunde absolvieren. Zurück auf der Strecke bekomme ich neue Energie – mit viel Mut überholte ich den Zweitplatzierten und ab da geht es für mich nur noch nach Vorn. Im Ziel kann ich es gar nicht glauben, dass ich einen der Schnellsten aus dem ganzen Feld überholt und den zweiten Platz erzielt habe.

Die Wettkämpfe im Sommerbiathlon sollen sich ändern ...
Ja, die Internationale Biathlon-Union und der Deutsche-Schützenbund wollen jetzt eine andere Sportart unterstützen, die zwar an Sommerbiathlon angelehnt ist, aber kaum etwas mit dem zu tun hat, was ich so liebe – lange Strecken zu laufen. Sie nennt sich „Target Sprint“ und die Strecken werden nur noch 400 Meter pro Laufeinheit nach jedem Schießen betragen. Sommerbiathlon wird in Zukunft deshalb für mich eine kleinere Rolle spielen.

Wo hatten Sie Ihren emotionalsten Moment?
Da fallen mir gleich zwei ein:
Der Erste war 2013 in England, beim „Tough Guy“, dem härtesten Hindernislauf. Da gab es einen Punkt, an dem ging nichts mehr: totale Erschöpfung und Desorientierung, meine Kraft und Motivation war verbraucht und die Kälte hatte mir übel mitgespielt. Ich musste mich wieder motivieren und dachte: „So kurz vor dem Ziel gibst du jetzt nicht auf, nicht nach der langen Anreise.“ Die Zuschauer an der Strecke feuerten einfach jeden an, das gab mir dann den nötigen Schub. Am Ende kam ich ins Ziel – zwar total unterkühlt, aber glücklich - der 20. von über 5 000 Startern. Dabei kommen nicht mal die Hälfte aller Starter im Ziel an, sondern geben vorher auf.
Und der Zweite war in diesem Jahr, Anfang Juni. Spontan kam die Idee, am 100-Kilometer- Lauf um die Zugspitze teilzunehmen. Im vorherigen Winter hatte ich mich verletzt und kaum Vorbereitung. Nach 50 Kilometern meinte der Medizinmann an der Verpflegungsstation: „Komm Junge, hör lieber auf.“ Ich war dehydriert, hatte mir die Kraft falsch eingeteilt. Dann nahm ich mir Zeit, habe gegessen, getrunken und eine Pause gemacht. Ich merkte, wie die Kraft wiederkam und überlegte mir eine bessere Taktik, veränderte meinen Ess- und Trink-Rhythmus. Kurz vor dem Ziel rannte ich den Berg hinunter, vor mir das Ziel und im Hintergrund ging die Sonne auf. Da erkannte ich: Es hat sich mehr als gelohnt, weiter zu rennen.

Was war Ihre schmerzhafteste und ärgerlichste Niederlage?
Daran erinnere ich mich sehr ungern, aber Misserfolge gehören auch zum Sport.
2009 nahm ich zum ersten Mal an einer Sommerbiathlon-Saison mit Kleinkaliber teil – sogar für die Weltmeisterschaften konnte ich mich qualifizieren. Dann kam der Start. Auf dem Weg dorthin merkte ich, dass ich mich beim Einlaufen zu sehr verausgabt hatte - zum Erholen blieb keine Zeit mehr, ich gehörte zu den ersten Startern im Feld. Kurz vor dem Start wies mich ein Kampfrichter darauf hin, dass ich den Transponder, der Zeitmesser am Knöchel/Bein, vergessen hatte. Ich musste zurückrennen und ihn holen. Zwischenzeitlich war aber mein Start - den ich verpasste. Mit knapp 25 Sekunden Rückstand ging ich auf die Strecke. Ich war völlig durch den Wind, beim Schießen kamen noch sieben Fehler dazu. Als ich endlich im Ziel ankam, schaute ich auf die Anzeigetafel: „Max Böttner: 5:14 Minuten Zeitstrafe“ - beim Laufen der Strafrunden hatte ich mich auch noch verzählt. Da wollte ich mich echt vergraben.

Welches sportliche Ziel würden Sie gerne erreichen?
Ich würde gern einmal einen Ironman absolvieren (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen). Allerdings nicht in nächster Zeit.
Im Dezember findet in Rudolstadt wieder das Getting Tough Race statt. Vor zwei Jahren war ich Achter – aber unter die Top drei beim „härtesten Hindernisrennen in Kontinentaleuropa“ zu kommen, wäre in diesem Jahr mein Ziel. Vielleicht auch als dritter Deutscher den Tough Guy in England gewinnen. Das wird echt eine harte Nuss. In diesem Jahr überschneidet sich das mit der Abgabe meiner Bachelorarbeit, da ist die Teilnahme noch unsicher.

Uni und Sport?
Klar. Mit meinem Cousin fuhr ich im vergangenen Jahr 18 Stunden mit dem Auto nach England zum Tough Guy, zum angeblich härtesten Lauf der Welt. Abends kamen wir im Hotel an, machten eine Pause. Am nächsten Tag lief ich beim Rennen mit, danach ging es sofort ins Hotel zurück, duschen und auf den Rückweg – wieder 18 Stunden Fahrt. 6 Uhr morgens kam ich in meiner Wohnung in Jena an, habe gefrühstückt und saß Punkt 8 Uhr in der Uni. Ein bisschen zu wenig Schlaf hatten wir an dem Wochenende, ansonsten hat alles gepasst.
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