Flugstunde: Skispringen für jedermann am Rennsteig

Der Mut zählt. Haltungsnoten gibt es später. (Foto: Rennsteig Outdoor Center)
 
Auf dem Schanzentisch geht der Springer tief in die Hocke.
Kaum zu glauben: Jeder kann Skispringen. AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt hat es ausprobiert.

"Das Gefährlichste am heutigen Tag war die Autofahrt hierher", macht Heiko Walter Mut, als wir durch den Schnee in Richtung Sprungschanze stapfen. Noch mehr als seine Worte beruhigt das Equipment, das er lässig über der Schulter trägt. Es ist ein Sicherungsseil, wie man es vom Bergsteigen kennt. Mit ihm wird das Unmögliche möglich. Ich kann zwar weder Felsen erklimmen, noch über Pisten wedeln. Doch heute werde ich als Skispringerin durch die Luft gleiten. Wow!

Im "Rennsteig Outdoor Center" in Steinach lässt sich ohne Risiko authentisch nachempfinden, wie sich ein echter Skispringer fühlen muss. Die Schanzenanlage des ROC-Teams ist einmalig. Am Stahlseil gesichert, geht es rund 150 Meter durch die Luft. "Bei dieser Weite spricht man von Skifliegen. Darum heißt unsere Anlage auch Skiflyer", erklärt Inhaber Heiko Walter. Doch ganz gleich ob Springer oder Flieger, beide beginnen ihr Training schon im Vorschulalter. Diesen Zeitpunkt habe ich um Jahrzehnte verpasst. Mal sehen, was sich in zwanzig Minuten Trockentraining nachholen lässt.

Schon die Anfahrtshocke hat es in sich. Der Trainer geht in die Knie: "Tief nach unten. Das Körpergewicht gleichmäßig verteilen. Die Arme nach hinten strecken." Jeder in unserer zwölfköpfigen Gruppe folgt aufs Wort. Auf dem geraden Boden kein Problem. Aber später auf der steilen Anlaufspur? Keine Zeit zum Grübeln. Mental sind wir am Schanzentisch angekommen. "Jetzt nicht einfach nach oben, sondern kraftvoll nach vorne springen." Heiko Walter weiß, das verlangt Mut. Er setzt noch einen drauf: "Gleichzeitig die Fußgelenke nach oben ziehen, damit der Wind unter die Ski greifen kann." Ich gebe mir alle Mühe. Springe nach vorn, den Kopf in Bauchhöhe meines Gegenübers. Lasse mich fangen. Verflixt, die Füße vergessen. Nochmal.

Der ohnehin große Respekt vor Skispringern wächst ins Unermessliche. Welchen Mut müssen sie aufbringen, um sich bei 90 bis 100 Stundenkilometern vom Schanzentisch ins Nichts zu katapultieren? Ich werde nicht halb so schnell sein und vom Seil getragen. Und trotzdem ist mir mulmig.

190 Stufen liegen vor dem großen Abenteuer. Auf halber Strecke wird in einem Holzhaus die Ausrüstung verteilt. Schnell Helm und Sicherungsgurt anprobiert, die Ski geschultert und weiter. Als einzige Frau am Start gebe ich erst einigen Herren den Vortritt. Dann stehe ich an der Luke des Schanzenturmes. Die Ampel schaltet auf Grün. "Wir sind soweit", vernehme ich eine Stimme aus dem Hintergrund. Eine volle Ladung Adrenalin versetzt mich in Anspannung. Tief durchatmen und los. Hocke. Anfahrt. Absprung. Alles ist nur Sekundensache. Was zum Teufel wollte ich beachten? Mein Kopf ist leer. Schon schwebe ich mehr oder weniger elegant übers Tal. Vielleicht die Nasenspitze noch etwas tiefer, die Ski vorn noch etwas auseinander… Plötzlich ist die Luftfahrt zu Ende. Ich werde gebremst und über ein Podest wieder auf den Boden abgeseilt. Ein tolles Erlebnis - und Platz eins in der Damenwertung. Wer hätte das gedacht! (Januar 2010)

Informationen: Das „Rennsteig Outdoor Center“ wurde 2001 von Heiko Walter in Steinach gegründet. Attraktionen sind der Skiflyer und ein Hochseilgarten. Mit dem ROC-Team kann man aber noch mehr erleben: Höhlen-, Kanu- und Mountainbike-Touren, Floßbau, Bogenschießen, Skike und Felsklettern.
Telefon: 0700-77007711; Internet: www.roc-team.de

skiflyer
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2 Kommentare
Sibylle Klepzig aus Nordhausen | 16.02.2011 | 09:02  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 02.03.2011 | 12:10  
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