Großes Matten-Kino, ab durch die Lüfte: In schwindelerregender Höhe turnen die Akrobaten vom TSV Motor Gispersleben

 
Mal eben auf den Händen rumstehen. Kein Problem für die Akrobaten aus Gispersleben. Fotos: Heyder
Erfurt: Grundschule |

Akrobatikgruppe aus Gispersleben: Viel Ehrenamt, viele Kinder, viel Spaß

Es Mittwochabend, die Matten sind voll. In jeder Ecke der Sporthalle in Gispersleben, das nahe Erfurt liegt, herrscht Gewusel. Größere - und noch kleine Mädchen - wirbeln durch die Luft: Flik Flak, Salti, stehen auf zwei Händen, oder auch nur auf einer. In großer Höhe oder am Boden. Trainingszeit der Akrobaten in Gispersleben.

„Akrobatik ist wie Turnen, aber eben mit Partner“, erklärt die Kinderärztin Anne-Bärbel Hintz, die einen großen Teil ihrer Freizeit mit dem Nachwuchs-Training und auf Wettkämpfen verbringt. „Ich mag nicht nur das Sportliche daran, sondern auch, dass man sich ganze Choreografien ausdenken muss.“ Sogar eine Handvoll Jungs macht sich warm für das große Matten-Kino, das anmutet wie ein Jahrmarkt vor 100 Jahren.


Wie alles begann


Rückblende: Anfang der 1950er Jahre läuft der ehemalige Zirkusartist Willi Dietrich durch das beschauliche Gispersleben, inzwischen arbeitete er beim Stahlbau Thüringen, wo er in seiner Freizeit schon Sportakrobaten trainiert. Gerade ist er dabei, eine Gruppe aufzubauen, es fehlt jedoch noch an Nachwuchs. Derweil spielt die neunjährige Helga Goller im Garten. „Er hat mich gefragt und ich und mich so angeworben.“ Sie begann mit dem Training, turnte darauf hin fast 30 Jahre in unzähligen Turnhallen, auf Bühnen und zu Meisterschaften. „Ich wurde aber nur einmal DDR-Meisterin“, sagt sie fast entschuldigend. Da war sie 15 Jahre alt. Der Sport selbst fesselt sie jedoch bis heute. Und die Arbeit mit Kindern, die die Krippenerzieherin und spätere Sonderpädagogische Fachkraft ihr Leben lang auch beruflich begleitet hat.

Inzwischen heißt die kleine Helga von damals Hinz und sie ist 72 Jahre alt. Mutter und Großmutter von weiteren Akrobatinnen. Fast ein „Familienunternehmen“, rechnet man noch die Trainerinnen dazu, die ebenfalls hier als Mädchen angefangen haben und nun selbst den Nachwuchs unterrichten. Noch immer steht Helga Hinz bis zu zwölf Stunden jede Woche in der Turnhalle auf der Matte, leitet die Vorschüler als Trainerin des TSV Motor Gispersleben e. V. an. Alles ehrenamtlich. So bekommt der kleine Ort ein schönes Freizeitangebot.

Der neue Verein in der Ära nach Willi Dietrich wird im September 1977 durch Helga Hintz aus der Taufe gehoben. Ihre damals siebenjährige Tochter, Anne-Bärbel Hintz, will sie nämlich ebenfalls für diesen Sport begeistern. Aus den 1.-Klässlerinnen von damals entsteht eine Schulsportgemeinschaft Akrobatik. Erste Auftritte bringen Leben auf die Bühne. Begeisterung, Lampenfieber und Ehrgeiz. Das hält bis heute. „Der ersten Wettkampf war im Tanzsaal der Möbisburger Gaststätte“, erinnert sich die leidenschaftliche Trainerin. „Wir sind stolz auf rund 100 Mitglieder, Mädchen und Jungen im Alter von vier Jahren bis ins Erwachsenenalter“, sagt Bärbel Hinz. „Wer früh diesen Sport beginnt, hat es leichter“, ergänzt ihre Tochter und eine gewisse Beweglichkeit sei Voraussetzung. Allerdings werde in auf verschiedenen Leveln trainiert, eine Leistungsgruppe und Freizeitsportler. „Wir wollen sie mit Absicht nicht getrennt trainieren“, alle auf der gleichen 12-mal-12-Meter-Matte, eine große Familie eben. Katharina Schröder, Sabrina Steinbach, Melanie Klinger-Plewka und einige der größeren Mädchen, die schon länger dabei sind, helfen mit, dass das Training 2 bis 3-Mal die Wochen gelingt. „Manche Elemente zu erlernen dauert Jahre“, deswegen sei der Einstieg im Schulalter zu empfehlen. Beweglichkeit, Rhythmusgefühl, Sprungkraft, Körperspannung. Ein Teil davon lässt sich lernen, wer richtig gut werden will braucht zusätzlich Ausdauer und Ehrgeiz.
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