Handball, 1. Bundesliga: Feuerwerk in Durchgang zwei

Mit einem deutlichen 35:26 (17:14) über den deutschen Meister HC Leipzig konnte der Thüringer HC seine Tabellenführung verteidigen und besonders in der zweiten Hälfte mit attraktivem Handball begeistern. Der HC Leipzig hatte dem wenig entgegenzusetzen. Beste Torschützinnen waren Katrin Engel mit elf, Steffi Subke mit sieben sowie Karolina Kudlacz und Ania Rösler mit jeweils sechs Toren.

Der mitteldeutsche Klassiker hat sich in dieser Saison zu einem Top-Event gemausert. Nach 15 Spieltagen stand der Tabellenführer und seinem unmittelbarer Verfolger gegenüber. Ein Säbelrasseln fand im Vorfeld nicht statt, wohl wissend, dass der Sieg zwar kein Muster ohne Wert ist, aber die wirklichen heißen Duelle erst in den PlayOffs warten.

Beide Teams begannen verhalten, beschnupperten sich und hatten viel Respekt voreinander. Gerade die Deckungsreihen hatten in diesem Spiel nicht ihren besten Tag erwischt. Es gelang keiner Mannschaft in der Offensive Akzente zu setzen. Die ersatzgeschwächten Gäste aus der Messestadt wussten um ihre Chance, wenn sie mit Geduld und Ruhe agierten. Bei der THC-Sieben wollte man das Szenario der ersten Saisonniederlage vermeiden, als man gegen Bayer Leverkusen von Anbeginn in Rückstand geriet und diesem bis zur Schlusssirene vergeblich nachrannte.

Dem ersten THC-Treffer ließen die HCL-Damen einen Doppelschlag folgen. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte, es sollte die einzige Gäste-Führung bleiben. Die Thüringerinnen antworteten mit zwei Toren in Folge. Leipzig glich aus, aber der THC legte immer wieder vor. Bemerkenswert das Spiel von Kerstin Wohlbold, die erstmals in dieser Spielzeit ohne eigenen Treffer blieb, aber dafür umso öfter ihre Nebenleute geschickt in Szene setzen konnte und von der Gäste-Abwehr sehr konzentriert verteidigt wurde. Die entstehenden Räume und Chancen nutzten Nadja Nadgornaja, Katrin Engel sowie nach ihrer Einwechslung eine wie entfesselt aufspielende Steffi Subke. Die erfahrene Aufbauspielerin wurde von Trainer Herbert Müller nach 13 Minuten als Joker ins Spiel gebracht und konnte ihre Klasse schnell nachweisen. Neben Katrin Engel wurde sie zur besten Spielerin der Begegnung.

Es gelang nun einen Vorsprung herauszuarbeiten. Nach dem 7:7 konnte der Gastgeber über 10:8 bis zum 13:10 davon ziehen. Just in dieser Phase zeigte der HC Leipzig seine Klasse und wies nach, dass er zu Recht deutscher Meister ist. Binnen drei Minuten glichen die Jensen-Mädels aus, was dem THC-Coach zum Zücken der grünen Karte veranlasste. Da auch die Torhüterinnen heute dem Spiel keinen Stempel aufdrücken konnten, der Thüringer HC früh auf Petra Blazek wechselte, wurde nun ein Spiel mit offenem Visier geführt. Als Maike Daniels per Strafwurf an Petra Blazek scheiterte, nutzte der Gastgeber die Chance und sicherte sich eine Drei-Tore-Pausenführung.

Nach dem Seitenwechsel in der stimmungsvollen Salza-Halle, wo beide Fanlager zu einem Handball-Fest beitrugen und sich durch große Fairness auszeichneten, überraschte der Thüringer HC seinen Gegner mit einer Tempoverschärfung. Fünfeinhalb Minuten reichten, um einen Sieben-Tore-Vorsprung herauszuwerfen. Gäste-Coach Heine Jensen zwang dies zu einem zeitigen Team-Time-Out. Die THC-Fans hielt nichts mehr auf den Sitzen und die Jubelszenen kannten keine Grenzen. Der Drops schien gelutscht. Der HC Leipzig versuchte alles, um die Niederlage abzuwenden. Jedoch war zu viel im Spielaufbau der Leipzigerinnen auf den Schultern von Karolina Kudlacz und Ania Rösler verteilt. Die halbrechte Position blieb die Achillesferse und Louise Lyksborg konnte auf Rechtsaußen ihre Schnelligkeit wenig einbringen, da es zu wenig Kontersituationen gab. Zwischen neun und sechs Toren pendelte der Vorsprung des Thüringer HC, der sechs Spieltage vor Ende der Hauptrunde zu einem heißen Titelkandidat geworden ist.

Abgeklärt und cool spielten die Thüringerinnen die Partie zu Ende und siegten am Ende deutlicher als es viele Handball-Fans vermutet hätten. Zwei schwere Spitzenspiele vor der Brust gehabt, konnte der THC diese siegreich gestalten. Die Angriffe auf den Tabellenführer wurden abgewehrt, aber die richtig harten Nüsse kommen im April und hoffentlich Mai.

Aufgrund der hohen Kartennachfrage wurde erstmals ein Spiel in die benachbarte Sporthalle übertragen. Hier konnten bis zu 100 Fans die Begegnung live auf einer Leinwand verfolgen. Das Angebot wurde gut angenommen. Die Verantwortlichen im Verein werden bei Bedarf weitere Veranstaltungen dieser Art planen.

Die Favoritenrolle kann der THC erst einmal in den Rucksack packen, um am 5. Februar beim Zweitligisten Bad Wildungen das DHB-Pokal-Achtelfinale zu gewinnen und am 12. Februar beim Aufsteiger SGH Rosengarten nicht auszurutschen. Der nächte Auftritt in der Salza-Halle hält für die Fans wieder ein Ost-Derby bereit - der Frankfurter HC gastiert am 19. Februar im Freistaat.

Stimmen nach dem Spiel:

Herbert Müller (Thüringer HC): Danke an die Fans für die Unterstützung. Danke an die Mannschaft für dieses tolle Spiel. Wir wollten gewinnen und dies ist uns gelungen, auch wenn das Pokalspiel kommende Woche wichtiger ist. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht auch in der Höhe verdient. Ich sage aber Dank an Vereine wie Buxtehude und den HCL, dass solche Spiele möglich sind. Ich wünsche dem HC Leipzig in der Champions-League-Hauptrunde alles Gute und hoffe, dass sie den deutschen Handball würdig vertreten.

Heine Jensen (HC Leipzig): Glückwunsch an den THC zum Sieg. Wir waren heute nicht in der Lage Paroli zu bieten und ich hoffe, dass wir das notwendige Niveau dann in den Champions-League-Spielen erreichen und uns steigern können.

Statistik:

Thüringer HC: Maike, März, Petra Blazek; Nadja Nadgornaja (4), Martina Knytlova (2), Steffi Subke (7), Nora Reiche (1), Danick Snelder (3), Franziska Garcia-Almendaris, Katrin Engel (11/5), Idalina Borges-Mesquita (5), Petra Popluharova (1), Kerstin Wohlbold, Pearl van der Wissel (1).

HC Leipzig: Katja Schülke, Julia Plöger; Rannveig Haugen, Louise Lyksborg (5), Natalie Augsburg (2), Maike Daniels (3/1), Sara Eriksson, Luisa Schulze, Karolina Kudlacz (6/3), Ania Rösler (6), Anne Müller (4), Maria Kiedrowski.

Strafwürfe: 5/5 - 7/4.

Zeitstrafen: 3 - 3.

Schiedsrichter: Holger Fleisch/Jürgen Rieber (Ostfildern/Nürtingen).

Zuschauer: 1100 (ausverkauft).

Autor: Marco Welsch
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2 Kommentare
Emanuel R. Beer aus Gotha | 01.02.2011 | 09:06  
Michael Steinfeld aus Erfurt | 01.02.2011 | 09:06  
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