Handball, 1. Bundesliga: Thüringer HC mit knappem Sieg über Blomberg

Mit 35:33 (18:17) besiegte der Thüringer HC die HSG Blomberg-Lippe. In der torreichen Begegnung blieben die Gäste aus dem Lipperland lange Strecken auf Tuchfühlung und verschoben die Entscheidung bis in die Schlussekunden. Erfolgreichste Werferinnen für den THC waren Kerstin Wohlbold und Nadja Nadgornaja mit acht und Michaela Hofmann und Sabrina Richter für die HSG mit je sechs Treffern.

Wer erwartet hatte, das Salza-Hallenpublikum könnte kurz vor den PlayOffs vielleicht auch nochmal eine Pause einlegen, sah sich getäuscht. In der gut gefüllten Halle wollten wiederum knapp 1000 Zuschauer beim möglichen zehnten Heimsieg in einer bisher phantastischen Saison dabei sein

Die Voraussetzungen beider Teams unterschieden sich deutlich. Während der THC alles bis auf Pearl van der Wissel an Deck hatte, musste Gästetrainer Andrè Fuhr gleich wieder auf drei seiner Stammkräfte verzichten. Für die fehlenden Saskia Lang, Annika Leppert und Franziska Müller sprangen aus der HSG-Zweiten Kim Berndt, Xenia Smits und Lisa Keim ein. Und die bewiesen, dass die nachrückende Generation der Gäste schon Bundesligareife besitzt und zu Recht die Tabelle der 3.Liga Ost anführt. Vor allem die groß gewachsene Smits machte es der THC-Abwehr ein ums andere Mal schwer und erzielte wie auch Kim Berndt fünf Treffer.

In der Startphase standen vor allem drei Akteurinnen im Blickpunkt. Kerstin Wohlbold und Nadja Nadgornaja wollten ihrem Ex-Club beweisen, dass ihre Leistungsstärke weiter gewachsen ist. Genau dasselbe wollte im Blomberger Tor Isabell Roch, die beim Thüringer HC die Stipendienphase durchlief und erste Bundesligaluft schnupperte, bevor sie den Verein verließ. In der Startphase gelang der jungen Torhüterin das recht gut - vor allem die flachen und halbhohen Würfe Nadgornajas in die Torwartecke waren bei ihr sicher. Gegen die dynamischen Durchbruchtreffer von Kerstin Wohlbold war sie allerdings machtlos. Der THC-Kapitän erzielte beim 4:2 bereits den dritten Treffer.

In der Folgezeit legte stets der THC vor und führte meist mit zwei oder drei Toren. (6:3 - 9.Min; 11:8 - 17.Min) Die Gäste wirkten dann aber konzentrierter und waren auch in den Wurfvarianten vielseitiger. Mit einem schönen Hüftwurf gelang Michaela Hofmann in der 21. Minute der erste Ausgleich zum 12:12 und Xenia Smits schon kurz darauf die erste Führung (12:13) für die Gäste. Blomberg deckte Außen jetzt offensiver und kam zu Ballgewinnen und leichten Treffern. Jetzt waren die Thüringerinnen gefordert und Herbert Müller wechselte. Petra Blazek kam ins Tor, Stephanie Subke holte sofort einen Strafwurf heraus, im nächsten Angriff traf sie selbst aus dem Rückraum zum 15:15-Ausgleich. Der THC war wieder am Drücker. Aber auch die Gäste hielten gut dagegen. Die Mischung aus Routiniers (die ehemalige Welthandballerin Nadine Krause gefiel mit sehr viel Übersicht und schönen Rückraumtreffern, Michaela Hofmann machte viel Druck und damit Platz für ihre Mitspielerinnen) und den jungen Nachwuchskräften beindruckte. So blieb es in dieser Phase Idalina Borges-Mesquita überlassen, den THC zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Tempo und Technik beim Tempogegenstoß und dann die totale Abgeklärtheit beim Wurf von außen brachten kurz vor Schluss der Partie den THC auf 18:15 in Führung. Ein Fehler im Angriff und zwei Unkonzentriertheiten in der Abwehr belohnten dann in den letzten 45 Sekunden der ersten Hälfte die Gäste. Richter und Hofmann trafen und mit einem hauchdünnen 18:17 ging es in die Pause.

Die HSG blieb auch nach dem Wechsel im Spiel. Wurffehler im THC-Angriff und Abwehrunkonzentriertheiten brachten dann sogar den Ausgleich (21:21 - 37.Min) Katrin Engel - sonst stets eiskalt vom Punkt - scheiterte an Isabell Roch und im Gegenzug traf Xenia Smits. Für den THC kam Maike März wieder zwischen die Pfosten zurück und konnte sich jetzt im Vergleich zur Startphase steigern. Bis zur 41.Minute blieben die Gäste dran, dann gab es doch ein leichtes Übergewicht für die Thüringerinnen. Kontinuierlich wurde die Führung auf ein beruhigendes 30:25 in der 49.Minute ausgebaut und das Spiel schien gelaufen. Es kam anders. Die Schlussphase gehörte noch einmal den Gästen. Die spielten jetzt fast ohne Fehler und waren in der 56.Minute durch Kim Berndts Treffer wieder heran. (32:31) Nun packte Nora Reiche Vollstreckermut und ihre beiden Treffer in Folge brachten drei Minuten vor Schluss eine scheinbar sichere 34:31-Führung. Wieder kam es anders und Blomberg schlug zurück. Kim Berndt verkürzte, Nadja Nadgornaja erhielt eine Zeitstrafe und in der Überzahl erzielte Nationalspielerin Sabrina Richter noch einmal den Anschlusstreffer. Im Team-Timeout 80 Sekunden vor Spielende gab Herbert Müller wohl eine klare Ansage. Die Routine Stephanie Subkes reichte. Mit einer konzentrierten Einzelleistung stellte sie den 35:33 Endstand her - der THC hatte sein Minimalziel erreicht: Der zehnte Heimsieg der Saison war in trockenen Tüchern.

Dass am Ende beide Trainer die zu schwache Abwehr- und Torhüterleistung beklagten, dagegen ihre Angriffsreihen loben konnten, lag auf der Hand. Ebenso kann man zustimmen, wenn Fuhr mit seinem Team optimistisch in die PlayOffs geht und Müller anmahnt:"In den PlayOffs sind andere Qualitäten gefragt, wir müssen schnell wieder unseren Rhythmus finden."

Das kann das Team schon in wenigen Tagen, denn am Samstag wartet gegen den VfL Sindelfingen eine interessante Auswärtsaufgabe.


Stimmen zum Spiel:

Herbert Müller (THC): Wir hatten nach der zweiwöchigen Spielpause heute Mühe unseren Rhythmus zu finden. 33 Gegentore sind einfach zuviel. Hier haben wir in der Abwehr nicht aggressiv genug gearbeitet, zu oft nicht auf der Wurfhand gestanden. Beim Fünf-Tore-Vorsprung haben wir es einfach nicht geschafft, den Sack zuzubinden. Wir brauchen in den PlayOffs eine deutlich bessere Leistung als heute.

Andrè Fuhr (HSG): Der Thüringer HC hat nicht unverdient gewonnen. Meine Mannschaft hat aufopferungsvoll gekämpft und damit das Fehlen von Saskia Lang und Franziska Müller gut verkraftet. Mit etwas mehr Glück in den Kleinigkeiten hätten wir vielleicht sogar einen Punkt mitnehmen können. Wir können mit dieser Leistung optimistisch in die PlayOffs gehen.


Statistik:

Thüringer HC: Maike März, Petra Blazek; Nadja Nadgornaja (8), Martina Knytlovà (4/1), Stephanie Subke (2), Nora Reiche (2), Danick Snelder, Ulrike Jahn, Franziska Garcia-Almendaris, Katrin Engel (7), Petra Popluharova (1), Idalina Borges-Mesquita (3), Kerstin Wohlbold(8).

HSG Blomberg-Lippe: Natalie Hagel, Isabell Roch; Xenia Smits (5), Kim Berndt (5), Lisa Keim, Nadine Krause (5), Michaela Hofmann (6/2), Anja Ernsberger, Katja Langkeit (4), Franziska Müller, Sabrina Richter (6/2), Caroline Thomas (2).

Strafwürfe: 5/4 - 4/4.

Zeitstrafen: 5 - 2.

Schiedsrichter: Christopher Biaesch / Frank Sattler (Bad Soden/Oberursel).

Zuschauer: 971.


Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Homepage.

http://www.thueringer-hc.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
Axel Heyder aus Erfurt | 24.03.2011 | 10:20  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige