Handball, Bundesliga: Kein Oldenburger Wunder und Riesenjubel in der Salza-Halle

Der Thüringer HC schaffte mit einer 31:32 (16:14)-Niederlage nach dem 34:23 Hinspielsieg den Einzug ins Finale der Deutschen Meisterschaft und die Qualifikationsphase der Champions-League. Beim bisher größten Erfolg in der Vereinsgeschichte erzielte Katrin Engel mit sechs Treffer die meisten Tore für die Thüringerinnen. Lois Abbingh war mit acht Treffern erfolgreichste Werferin der Gäste.

Der Mathematiker Herbert Müller hatte sich wohl vorgenommen, die berühmte Quadratur des Kreises vorzuführen: Allen an dieser erfolgreichen Saison beteiligten Spielerinnen hohe Spielanteile geben, eine bereits zur erfolgreichen U19-Nationalspielerin gereiften Shenia Minevskaja für ein knappes Spieldrittel Verantwortung übernehmen zu lassen und der vollbesetzten Salza-Halle "Traumhandball" wie in Oldenburg zu zelebrieren, konnte eigentlich nur schief gehen. Schuld daran war wohl auch die Portion "Wut im Bauch" von der Sabrina Neuendorf nach dem "kollektiven Blackout" (Trainer Leszek Krowicki) im Hinspiel sprach.

"So ein Spiel gibt man doch nicht mehr aus der Hand", konnte es Co-Trainer Helfried Müller nicht fassen. Doch eigentlich interessierte das Resultat auf der Anzeigetafel nur die Statistiker. Die Freunde und Fans des Thüringer HC waren wohl fast vollzählig erschienen, einige mit weiter Anreise. Roland Bartels, Patenonkel von Shenia Minevskaja und langjähriger Nachwuchstrainer aus Rostocker Zeiten, Eltern und Familienangehörige der Spielerinnen vom Bodensee bis aus den Niederlanden wollten dabei sein, um zu sehen wie zu dem bekannten Bad Langensalzaer "Müllermeister" Alfred Heyl jetzt eventuell auch zwei "Meister-Müller" dazukommen (Spiel-Moderator Wolfgang Zilling). Linda, die mit 4 1/2 Monaten wohl jüngste Besucherin, reiste mit ihren Eltern aus München an, freute sich über Tante Kerstins (Wohlbold) Spiel und hatte dann auch mit dem Nachmittagsschlaf in der Halle kein Problem.

Die Gäste starteten konzentriert in das Spiel, mussten aber zusehen, wie Danick Snelder in der Kreismitte dreimal in Folge freigespielt wurde und auf engstem Raum gegen Julia Renner erfolgreich war. Dann allerdings übertrieben die THC-Damen dieses "Muster" und handelten sich Ballverluste ein. Oldenburg ging in der sechsten Minute mit 4:3 in Führung und konnte diese eine Viertelstunde lang behaupten. Dann brachte Stephanie Subke ihre Mannschaft wieder mit 10:9 in Front. Beim Stande von 7:8 vergab Lois Abbingh den einzigen Strafwurf der Gäste - Maike März war auf der Torlinie geblieben und verhinderte den Ausbau der Gästeführung. Die niederländische Nationalspielerin zeigte eine starke Matchleistung und erzielte im Spiel acht Treffer, vier davon vom "Punkt".

Nun waren die Gastgeberinnen am Drücker. Die Führung wurde bis auf vier Tore ausgebaut (16:12 - 28.Min), Ulli Jahn gefiel auf Linksaußen und Idalina Borges-Mesquita durfte sich über längere Bankpausen freuen. Der Trend wurde aber nicht fortgesetzt. Steffi Subke brachte den Ball nicht zum Mitspieler! und die frisch eingewechselte Shenia Minevskaja machte es sich mit einem unvorbereiteten Fernwurf in die Torhüterecke selbst schwer. Das nutzten die Gäste aus - zwei Treffer von Lois Abbingh sorgten für einen moderaten 16:14 Pausenstand, der allerdings 13 Treffer Vorsprung für den THC bedeutete.

Die zehn Nachpausenminuten brachten das bekannte Bild. Der THC kam konzentriert in die zweite Hälfte und schraubte das Ergebnis in der 40. Minute durch Katrin Engel auf 26:20. Auffallend stark in dieser Phase zeigte sich Pearl van der Wissel. Ihre dynamischen Angriffsaktionen, mehr noch ihr (teilweise spektakulärer) Kampf um jeden Ball in der Abwehr brachten ihr mehrfach Sonderbeifall ein. Mit einer solchen Leistung bieten sich neue Optionen für die Finalspiele - zu lange konnte die Niederländerin durch ihre Langzeitverletzung nicht so in Erscheinung treten. Ähnlich gestiegene Dynamik und Angriffsgefahr strahlte Nora Reiche aus. Wie schon in den letzten Spielen war sie von ihrer Außenposition sehr treffsicher, was auch Martina Knytlova sicher gern gesehen haben dürfte. Die langjährige Stammrechtsaußen befindet sich in der Reha-Phase und wurde nach ihrer Verletzung im Viertelfinale vom Hallenpublikum mit kräftigem Applaus begrüßt.

In den nächsten zehn Minuten verlief das Spiel ausgeglichen - der VfL kam zwar ein wenig näher heran (29:24 - 40.Min), aber man stellte sich wohl nun auf einen deutlichen Sieg ein und war wohl schon in den Gedanken beim bevorstehenden Finale. Nicht so Oldenburgs sympathische Torhüterin Tatiana Surkova. Die mit 1,91m größte Torhüterin der Liga zeigte sich von ihrer allerbesten Seite und hielt in der Schlussphase der Partie fast alles. Ihre massiven Bandscheibenprobleme, durch die ein vorzeitiges Karriereende droht, schienen wie weggeblasen. Die größten Probleme hatte damit Shenia Minevskaja. In der 54.Minute noch mit einem Siebenmeter erfolgreich, scheiterte die engagiert in die Zweikämpfe gehende 19Jährige bei zwei weiteren Strafwürfen. So kam es wie es kommen musste - die erfahrenen Oldenburgerinnen erkannten ihre Chance und drehten das Spiel. Ulrike Jahn gelang noch ein Treffer für den THC - Abbingh, Jakubisova und Schirmer schnürten mit ihren Treffern den Sack zu. Der 31:30 Auswärtssieg sei für die Gäste ein guter Saisonabschluss, betonte Trainer Leszek Krowicki. Was wohl bedeuten soll, dass der VfL auf die Option den dritten Platz auszuspielen, verzichtet.

Es endete ein faires Spiel gegen einen sympathischen Gegner, der eine schwere und auch im EHF-Cup erfolgreiche Saison hinter sich hat, mit Beifall für beide Teams und für viele mit der Gewissheit, am 14. Mai das bisher wichtigste und vielleicht auch emotionalste Spiel der THC-Vereinsgeschichte miterleben zu dürfen.

Stimmen zum Spiel:

Herbert Müller (THC): Wir hatten zur Halbzeit des 120-Minutenspiels gut vorgelegt und so war es klar, dass wir möglichst allen Spielerinnen genügend Spielanteile geben wollten. Ich habe mich gefreut, dass so eine junge Spielerin wie Shenia Minevskaja angefangen hat, zu lernen Verantwortung zu tragen. Ich habe für das Finale keinen Wunschgegner, wir werden in der nächsten Woche konzentriert auf das Finale hinarbeiten und ich denke, dass wir mit der Form der letzten Wochen eine reale Chance haben.

Leszek Krowicki (VfL): Wir sind nicht überrascht, dass der Thüringer HC das Finale spielen wird. Wir sind stolz, dass wir diese lange und schwere Saison mit einem Sieg beenden konnten. Wir haben heute gewonnen, aber der THC ist verdient weiter. Diese Mannschaft hat eine sehr starke Saison gespielt und ich glaube, dass sie die Meisterschaft als stärkste deutsche Mannschaft beenden wird.

Statistik:

Thüringer HC: Maike März, Blazek - Nadja Nadgornaja (3), Stephanie Subke (3), Nora Reiche (3), Danick Snelder (4), Franziska Garcia-Almendaris, Katrin Engel (6/2), Idalina Borges Mesquita (2), Petra Popluharova (1), Kerstin Wohlbold (2), Pearl van der Wissel (4), Ulrike Jahn (2).

VfL Oldenburg: Julia Renner, Tatiana Surkova; Lois Abbingh(8/4), Angie Geschke(3), Lydia Jakubisova(3/1), Sabrina Neuendorf(2), Laura van der Heijden(4), Julia Wenzl(2), Anna Badenhop, Kim Birke (2), Maike Schirmer(2), Barbara Hetmanek (2), Wiebke Kethorn(1), Thorey Stefansdottir (3).


Siebenmeter: 5/3 - 6/5.

Zeitstrafen: 4 - 5 .

Schiedsrichter: Nils Blümel /Jörg Loppaschewsk (Berlin) .

Zuschauer: 1100 (ausverkauft).

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Weitere Informationen unter:
http://thueringer-hc.de
und
http://www.twitter.com/ThueringerHC
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