Handball, Bundesliga, PlayOff-Viertelfinale: Großer Jubel in der Salza-Halle: Halbfinale erreicht

Der Thüringer HC hat sein zweites großes Saisonziel erreicht: Mit einem deutlichen 38:28 (20:18) Sieg über die HSG Blomberg-Lippe sind die Damen von Trainer Herbert Müller unter den vier besten deutschen Teams und treffen im Halbfinale auf den VfL Oldenburg. Nadja Nadgornaja machte ihr bestes Saisonspiel und warf zehn Tore für den THC. Für Blomberg waren Saskia Lang, Katja Langkeit und Sabrina Richter mit je sechs Treffern die erfolgreichsten Werferinnen.

Das Ergebnis spricht eine klare Sprache und sagt doch nicht alles über das Spiel aus. Gästetrainer Andrè Fuhr schätzte ein, dass sich beide Mannschaften ein hochklassiges Spiel geliefert hätten, zu dem auch sein Team beigetragen hat. Das konnte man bis zur 40.Minute durchaus bestätigen, danach spielte der Thüringer HC seinen Trumpf der athletischen Überlegenheit aus. Es war es bis dahin ein Spiel auf Augenhöhe, wo jeder Fehler sofort den Gegner deutlich nach vorn brachte. Im letzten Drittel der Partie zeigten sich die THC-Damen von ihrer besten Seite. Es gab keinen Leistungsabfall, obwohl Herbert Müller seinen Stamm fast durchspielen ließ und mehr mit Positionsumstellungen als mit Auswechslungen arbeitete.

Die Startphase gehörte den Gästen aus dem Lipperland. Ungewohnt gehemmt und fest starteten die Müller-Schützlinge und lagen nach Wurf- und Passfehlern nach vier Minuten mit 1:4 im Rückstand. Dann bekam Maike März die ersten Bälle zu fassen und die Abwehr festigte sich zusehends. Kerstin Wohlbold sprühte jetzt vor Energie und riss ihre Nebenspielerinnen mit. Das Ergebnis waren fünf Treffer in Folge. ( 6:4 - 9.Min ) In dieser Phase hatten die beiden souverän agierenden Schiedsrichter Blombergs Nadine Krause bereits zweimal auf die "Strafbank" geschickt, was diese fortan zu sehr vorsichtiger Abwehrarbeit zwang.

In den nächsten Minuten zeigte Nadja Nadgornaja, dass sie wohl den größten Sprung im THC-Team gemacht hat. Abwehrstark, Stellungsspiel und Blockverhalten waren gut, und mit sehr viel Mut zum Fernwurf, wurde sie zu einer der auffälligsten Spielerinnen. Die gut aufgelegte Natalie Hagel im HSG-Tor fand gegen ihre extrem harten Sprungwürfe keine Mittel. Daraus zog die "große Blonde" soviel Kraft, dass sie auch von der Siebenmetermarke ohne Fehler einnetzte.

Kerstin Wohlbold, die wie gewohnt souverän das Angriffsspiel lenkte, gefiel mit einer hundertprozentig aufmerksamen Abwehrarbeit und dem Blick für ihre Mitspielerinnen. In der 19. Minute hatte sie gerade ihr drittes Durchbruchtor erzielt und prallte, nachdem der Ball schon im Netz zappelte, unglücklich mit der eingelaufenen Martina Knytlova zusammen. Mannschaftsarzt Dr. Lutz stellte die Erstdiagnose: Verdacht auf Schienbeinbruch. Aufmunternder Beifall begleitete den Publikumsliebling aus der Halle. Die Freude über die erstmalige Fünf-Tore-Führung hielt sich verständlicherweise in Grenzen. Die HSG arbeitete sich wieder heran. Hier gefielen vor allem die sehenswerten Hüft- und Sprunghüftwürfe von Saskia Lang und Michaela Hofmann. Die Gäste waren wieder da und blieben bis zur Pause auf Tuchfühlung. (20:18)

Die zehn starken Nachpausenminuten des THC fielen heute aus. In der 41. Spielminute stand es 24:22, doch danach mussten die Lipperländerinnen der athletischen Überlegenheit des THC Tribut zollen. Der Abstand vergrößerte sich zunehmend. Anteil hatte vor allem Maike März, die mit einem super Stellungsspiel und einigen spektakulären Aktionen aufwartete. Im Angriff gab es jetzt mehr Platz am Kreis. Danick Snelder, zu Beginn noch mit Schwächen beim Torwurf, konnte sich mehrfach stark in Szene setzen: Behauptete sich gegen den körperlichen Zugriff, nahm den Ball in der 3. Etage einhändig an und schloss kraftvoll und konsequent ab.
Ihr Treffer zum 31:25 in der 41.Spielminute signalisierte: "Jetzt lassen wir uns den Sieg nicht mehr aus der Hand nehmen." Die Kraft der Gäste nahm sichtbar ab, ein Fernwurf Nadine Krauses in die Torwartecke wurde von Maike März ohne Probleme fast gefangen und schnell zurück ins Spiel gebracht.

In dieser Phase übernahm Pearl van der Wissel, heute mit deutlich mehr Spielanteilen, Verantwortung und zeigte, dass man sie in dieser Form ernst nehmen muss. In den letzten Minuten zeigte sich Idalina Borges-Mesquita wie immer antrittsschnell und sprunggewaltig. Mit einem sehenswerten Dreher von der Außenposition stellte sie den 38:28 Endstand her und zeigte dem Publikum, dass es so etwas nicht nur in der Männer-Bundesliga gibt.

Fazit: Der Hauptrundenbeste hat zu alter Form mit teilweise neuen Qualitäten gefunden. Dazu kann man nur gratulieren. Wenn Herbert Müllers Aussage zu "dreckiger Arbeit" so zu verstehen war, dann wünscht man sich mehr davon. Es gab für die aufwändige, konzentrierte, dynamische Abwehrarbeit viel Beifall und nur keine einzige Zeitstrafe. Die einzige THC-Strafzeit erhielt Nadja Nadgornaja nach einer Angriffsaktion, bei der sie nach dem erzielten Tor unglücklich auf eine HSG-Spielerin prallte. Die Entschuldigung wurde sportlich fair angenommen und Nadja saß ihre Strafe ohne Reue ab. Nun ist auch klar - die Saison ist noch nicht beendet, es besteht Hoffnung auf noch zwei solcher Spiele in der Salza-Halle. Dazu spricht Herbert Müller klare Worte: Oldenburg hat eine top Entwicklung gemacht und will erst einmal bezwungen sein. Dass dann der Gästetrainer noch dem THC viel Glück und dem HCL die Meisterschaft wünscht, glaubt man dem genauso, wie Herbert Müller, der sich für die Entlastung von der Favoritenrolle bedankt.

Nun darf man also gespannt sein, wer am 30.April nach den beiden Halbfinalspielen in das Finale um die Deutsche Meisterschaft einzieht.

Stimmen zum Spiel:
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Herbert Müller (THC): Ich möchte diesen Sieg Martina Knytlova widmen. Sie hat sich nach Erstdiagnose eine Schienbeinfraktur zugezogen und ihr gelten unsere ersten Gedanken. Wir haben unser zweites Saisonziel erreicht und freuen uns auf die Spiele im europäischen Wettbewerb. Zunächst aber warten auf uns zwei hochinteressante Halbfinalpartien gegen Oldenburg. Diese Mannschaft hat einen enormen Entwicklungssprung gemacht und wird uns hart fordern.

Andrè Fuhr (HSG):Wir hatten uns vorgenommen uns möglichst lange festzubeißen und das Spiel offen zu halten. Das ist uns bis in die zweite Hälfte hinein gelungen. Dann aber mussten wir uns dem enormen dynamischen Angriffsdruck speziell von Kerstin Wohlbold, Nadja Nadgornaja und Katrin Engel beugen und hatten in der Schlussphase nichts mehr entgegenzusetzen.

Statistik:

Thüringer HC: Maike März, Petra Blazek; Nadja Nadgornaja (10/3), Martina Knytlovà, Stephanie Subke, Nora Reiche (4), Danick Snelder (5), Franziska Garcia-Almendaris, Katrin Engel (6/2), Petra Popluharova, Idalina Borges-Mesquita (6), Kerstin Wohlbold (5), Ulrike Jahn.

HSG Blomberg-Lippe: Natalie Hagel, Isabell Roch; Xenia Smits, Kim Berndt, Annika Leppert, Nadine Krause (4), Michaela Hofmann (2), Anja Ernsberger, Franziska Müller (2), Sabrina Richter (6), Caroline Thomas (2), Saskia Lang (6), Katja Langkeit (6).

Strafwürfe: 6/5 - 7/5.

Zeitstrafen: 1 - 4.

Schiedsrichter: Lars Geipel/Marcus Helbig (Landsberg/Steuden).

Zuschauer: 1050.


Bericht: Roman Knabe.
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Weitere Informationen unter:
http://thueringer-hc.de
und
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